Großer Zapfenstreich für de Maizière "In der Bundeswehr ist vieles nicht in Ordnung"

Zu seinem Ausstand als Verteidigungsminister ist Thomas de Maizière mit dem Großen Zapfenstreich geehrt worden. Dabei fand der CDU-Politiker deutliche Worte - zur Bundeswehr und zu "Belehrungen" der Verbündeten. Und er gestand erstmals ein, dass er fast zurückgetreten wäre.


Berlin - Der frühere Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat sich mit deutlichen Worten an die eigene Truppe und die Verbündeten von der Bundeswehr verabschiedet. "In der Bundeswehr ist natürlich vieles nicht in Ordnung, nicht nur im Rüstungsbereich", sagte der CDU-Politiker am Mittwoch bei einem Empfang anlässlich des Großen Zapfenstreichs zu seinen Ehren im Verteidigungsministerium. "Das ist normal für Institutionen dieser Größenordnung."

De Maizière stand im vergangenen Jahr wegen der Affäre um die Anschaffung der "Euro Hawk"-Drohne in der Kritik. Bisher hatte er sich nie zu eventuellen Rücktrittsgedanken in diesem Zusammenhang geäußert. In seiner Abschiedsrede aber sagte er: "Die Soldaten - da lüfte ich ein Geheimnis - haben mich übrigens auch von einem Rücktritt abgehalten."

In der Rede verbat er sich negative Kommentare der größten europäischen Bündnispartner Frankreich und Großbritannien an der Bereitschaft Deutschlands zu Militäreinsätzen. "Deutschland braucht von niemandem in Europa Belehrungen über Art und Ausmaß unserer internationalen Einsätze - auch nicht aus Frankreich und Großbritannien", sagte er. Deutschland sei international stärker engagiert als beispielsweise Frankreich. "Deutschland steht zu seinen Verpflichtungen, auch wenn es innenpolitisch schwierig ist."

De Maizière, der jetzt Innenminister ist, wurde mit einem Großen Zapfenstreich geehrt. Das höchste militärische Zeremoniell fand in Anwesenheit von de Maizières Nachfolgerin und Parteifreundin Ursula von der Leyen am Berliner Bendlerblock statt. De Maizière war knapp drei Jahre lang Verteidigungsminister.

"Live is Life" und "Großer Gott, wir loben dich"

Das Stabsmusikkorps spielte bei der Verabschiedung auf seinen Wunsch den Achtziger-Jahre-Hit "Live is Life" der Popgruppe Opus, die Erkennungsmelodie der Bundeswehr "Wir.Dienen.Deutschland" und das Kirchenlied "Großer Gott, wir loben dich".

"Live is Life" zählt zu den bekanntesten Gassenhauern der achtziger Jahre und schaffte es damals gleich in mehreren europäischen Ländern an die Spitze der Charts. Dass das Stabsmusikkorps Pop- oder Rocksongs für den Zapfenstreich einstudieren muss, ist nicht ungewöhnlich.

De Maizières Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ließ sich im März 2011 mit "Smoke on the Water" von Deep Purple verabschieden. Etwas softer sagte dessen Vorgänger Franz Josef Jung (CDU) mit Andrea Bocellis Pop-Hymne "Time to Say Goodbye" auf Wiedersehen.

Auch Bundeskanzler und Bundespräsidenten werden mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet. Ex-Regierungschef Gerhard Schröder ließ 2005 "Summertime" aus George Gershwins Oper "Porgy and Bess" sowie Kurt Weills "Moritat von Mackie Messer" aus Bertolt Brechts "Dreigroschenoper" spielen. Höhepunkt der Zeremonie war aber Frank Sinatras Klassiker "My Way", der Schröder zu Tränen rührte.

fab/dpa

insgesamt 97 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ayberger 08.01.2014
1. Die Bundeswehr
ist aus historischen Gründen ein total verkrampfter und nur so eben geduldeter Verein, für den trotzdem in jedem Jahr Zigmilliarden (unnütz) ausgegeben werden; wenn eine Armee nicht kämpfen darf, sondern nur im Inland zum Blümchenpflückmanöver mit Beamtenabsicherung eingesetzt werden darf, wofür benötigen wir dann eine derart teure Einrichtung? Abschaffen!
whitemouse 08.01.2014
2. Gegen das Volk
---Zitat von SPIEGEL ONLINE--- Deutschland sei international stärker engagiert als beispielsweise Frankreich. "Deutschland steht zu seinen Verpflichtungen, auch wenn es innenpolitisch schwierig ist." ---Zitatende--- Mit anderen Worten: Was das deutsche Volk meint, ist den Regierenden egal. Sie fühlen sich nicht dem Souverän verpflichtet, sondern nur ihrer vermeintlichen ungeheuren Bedeutung. Deshalb, allein deshalb, sind deutsche Soldaten in Afghanistan, einem Land, das uns nichts, absolut rein gar nichts, angeht oder auch nur interessiert.
ghfgfh 08.01.2014
3. Lachhaft
@nikolaus05 Keine Nation ist von so viel Komplexen und Selbstverachtung geplagt wie Deutschland. Was in anderen Ländern als gesunder Patriotismus betrachtet wird, gilt in Deutschland verhältnismäßig als nazihaft. Sprüche wie "Nie wieder Deutschland" oder "Deutschland verrecke" etc. würde man niemals in Ländern wie Frankreich oder England finden. Hier in Deutschland gibts genug Asoziale die solche Parolen ernsthaft verbreiten. Bah!
kurswechsler 08.01.2014
4. Richtig!
Zitat von aybergerist aus historischen Gründen ein total verkrampfter und nur so eben geduldeter Verein, für den trotzdem in jedem Jahr Zigmilliarden (unnütz) ausgegeben werden; wenn eine Armee nicht kämpfen darf, sondern nur im Inland zum Blümchenpflückmanöver mit Beamtenabsicherung eingesetzt werden darf, wofür benötigen wir dann eine derart teure Einrichtung? Abschaffen!
Als Militär unzulänglich bis in die Knochen, als Technisches Hilfswerk falsch aufgestellt. Deutschland hat seine Beziehung zum Militär verloren und wird sie auf dieser Welt auch nicht wieder finden ... historisch bedingt.
meinungsgeiger 08.01.2014
5. Es wäre wirklich mal ein grosses Zeichen...
wenn Frau von der Leyen diesen traditionalistischen Quatsch beenden würde. Ebenso wie die Kanzlerin, die ja nun wirklich einiges vom Kopf auf die Füsse gestellt hat, im 21. Jhd. nicht mehr Spaliere ablaufen müsste. Aber auf so viel Moderne zu hoffen, ist leider doch wohl vermessen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.