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Zapfenstreich für Guttenberg "Ich melde mich ab"

Verteidigungsminister ade: Karl-Theodor zu Guttenberg ist mit dem Großen Zapfenstreich der Bundeswehr verabschiedet worden. Bei "Smoke on the Water" konnte sich der schwer gebeutelte ehemalige Chef der Bundeswehr ein Grinsen nicht verkneifen - vor der Zeremonie jedoch flossen Tränen.

Karl-Theodor zu Guttenberg

Berlin - Als das Orchester der Bundeswehr zu den ersten Klängen von "Smoke on the Water" ansetzte, war wieder ganz Dressman. Tadellos der Anzug, kontrolliert die Miene beim Großen Zapfenstreich zu seinem Abschied aus dem Amt des Verteidigungsministers. Ein kleines Lächeln konnte er dann aber doch nicht unterdrücken, als sich die Kapelle durch die Noten des Deep-Purple-Klassikers mühte.

Am Donnerstag ist Guttenberg mit höchsten militärischen Ehren offiziell von der Bundeswehr verabschiedet worden. An der Zeremonie im Berliner Bendlerblock, der von mehreren Fernsehsendern live übertragen wurde, nahm am Abend auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil.

Sichtlich getroffen hatte der Politiker schon vor dem offiziellen Zapfenstreich Abschied von seinem Ministerium genommen. Vor 600 geladenen Gästen, unter ihnen die gesamte Familie des Ex-Ministers samt Ehefrau und Kindern, versagte Guttenberg mehrmals die Stimme während seiner kurzen Rede. Am Ende, gerade hatte er sich mit den Worten "Gottes Segen der Bundeswehr. Ich melde mich ab" verabschiedet, standen dem Ex-Minister Tränen in den Augen - auch Guttenbergs Frau Stephanie ging der Abschied sichtlich nahe.

Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit

Der CSU-Politiker war der 15. Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland. In Folge der musste er nach 16 Monaten sein Amt niederlegen. Sein Nachfolger wurde der bisherige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU).

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Zapfenstreich: Fackelzug und Hardrock-Kapelle

Foto: JOHANNES EISELE/ AFP

Guttenberg sprach von einem "Abend des schmerzlichen Abschieds", bedankte sich bei seinen Mitstreitern im Haus und ließ seine Pläne für die Zukunft doch vage. Er werde sich die "Notwendige Zeit der Reue und der Buße" nehmen und sicherlich viel über die letzten Monate nachdenken. "Ich hoffe, dass ich nicht zur Plage für meine Familie werde", so Guttenberg.

Merkel empfiehlt Guttenberg eine Auszeit

Langweilig dürfte es dem 39-Jährigen auch ohne Ministerposten nicht werden. Er kündigte schon vor dem Zapfenstreich an, "das eine oder andere in der Erinnerung" aufzuschreiben. "Es sind eigene Gedanken, die ich aufschreiben werde", sagte er mit Blick auf die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit und einer gesunden Portion Selbstironie.

Auch wenn in der Union bereits jetzt eifrig über ein mögliches Comeback von Guttenberg spekuliert wird, rät ihm seine ehemalige Dienstherrin Merkel zunächst einmal zu einer ausgiebigen Besinnungspause. "Ich würde mich freuen, wenn er eines Tages in die Politik zurückkommt, aber jetzt braucht er eine Phase, in der er den nötigen Abstand zu den Geschehnissen findet", sagte die Kanzlerin der "Bild"-Zeitung.

Guttenberg weiter sehr beliebt

Seiner Beliebtheit im Volk hat der Skandal um die teils abgekupferten Doktorarbeit ohnehin nicht geschadet. Im ARD-Deutschlandtrend gewann Guttenberg sogar an Zustimmung: 73 Prozent der Befragten waren zufrieden mit seiner Arbeit, fünf Punkte mehr als im Vormonat. Drei von vier sagten aber gleichzeitig, dass der CSU-Politiker "getäuscht und betrogen hat".

Der neue Verteidigungsminister de Maizière stellte die Leistungen seines Vorgängers über dessen Fehler in der Plagiatsaffäre. "Was Sie in Ihrer Amtszeit geleistet haben, das wird den letzten Eindruck überdauern", sagte de Maizière in Berlin. Er habe "viel Kritik und unglaubliche Häme" einstecken müssen. "Wir sollten alle nicht so tun, als seien wir ohne Fehl und Tadel."

mgb/jok/dpa/dapd
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