Offener Brief an SPD-Chef Frauen fordern Gabriel zur Babypause auf

Wie halten Sie es mit der Elternzeit? Zehn Frauen fragen das in einem offenen Brief SPD-Chef Sigmar Gabriel und wollen so eine Debatte über die Vereinbarkeit von Karriere und Familie anstoßen. Doch der werdende Vater hält sich bedeckt
Gabriel zu Besuch im Kindergarten: Anfang April wird der Politiker zum zweiten Mal Vater

Gabriel zu Besuch im Kindergarten: Anfang April wird der Politiker zum zweiten Mal Vater

Foto: Ronald Wittek/ picture alliance / dpa

Berlin - In einem offenen Brief fordern zehn Frauen SPD-Chef Sigmar Gabriel auf, ein vorbildlicher Vater zu sein. "Sie haben eine wunderbare Chance, als Vorsitzender der SPD das Leitbild einer partnerschaftlichen Familie öffentlich wirksam vorzuleben und ihm damit neue Wege zu öffnen", heißt es in dem Schreiben, über das die "tageszeitung" berichtet. Der Politiker wird Anfang April zum zweiten Mal Vater.

Die Unterzeichnerinnen, darunter die ehemalige SPD-Präsidentschaftsbewerberin Gesine Schwan, wollen wissen, ob sich Gabriel als "frischgebackener Vater die Leitung des Bundestagswahlkampfs" zutraut. "Machen Sie sich Sorgen, dass Ihr Job Begehrlichkeiten weckt, wenn Sie die Berufsarbeit unterbrechen?"

Zum ersten Mal steht damit ein Politiker im Zentrum der Debatte um Kindererziehung. Politikerinnen mussten sich in der Vergangenheit schon oft fragen lassen, wie sie Familie und Beruf unter einen Hut bringen wollen. Familienministerin Kristina Schröder (CDU), die im Juni 2011 eine Tochter zur Welt brachte, wich Fragen nach der Vereinbarkeit von Mutterschaft und Karriere beharrlich aus.

Nahles musste sich als "Rabenmutter" beschimpfen lassen

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hatte während ihrer Schwangerschaft Ende 2010 die Befürchtung geäußert, dass sie sich bei einer zu langen Auszeit nach der Geburt ihrer Tochter Angst um ihren Job machen müsse. "Damit meine ich nicht nur den politischen Gegner, sondern befürchte das auch in der eigenen Partei", hatte sie damals der Zeitschrift "Brigitte" erklärt. Nahles war bereits nach wenigen Wochen auf ihren Posten in der SPD-Zentrale zurückgekehrt. Darauf bekam sie heftige Reaktionen - vor allem von Männern. Die nannten sie "Rabenmutter" und "karrieregeil".

Die SPD versteht sich selbst als "Familienpartei", die sich laut Parteitagsbeschluss vom vergangenen Dezember dafür starkmacht, dass Frauen und Männer "Familienarbeit und Berufstätigkeit partnerschaftlich vereinbaren können." Die Mit-Unterzeichnerin und SPD-Politikerin Anna-Katharina Meßmer sagte dazu der "tageszeitung": "Die rhetorische Aufgeschlossenheit in der SPD ist groß. Aber sie stellt sich im persönlichen Verhalten leider nicht immer ein."

In einer ersten Reaktion auf den offenen Brief ließ Gabriel offen, wie zeitintensiv er sich um sein Kind kümmern wird. Man könne ruhig davon ausgehen, dass diese persönliche Lebensplanung zwischen ihm und seiner Frau besprochen worden sei, sagte Gabriel am Mittwoch in Berlin. Das Ergebnis gehe aber die Öffentlichkeit nichts an.

syd/dpa
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