Zeitung Neues Angebot von Schröder an Atomindustrie

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat den Energieunternehmen einen neues Angebot für den Ausstieg aus der Atomindustrie unterbreitet. Statt der von der Regierung anvisierten Laufzeit von 30 Jahren solle eine Strommenge festgelegt werden, die flexibel aufgeteilt werden könnte, heißt es.


Berlin - Schröder sagte nach Angaben der "Financial Times Deutschland": "Es wäre denkbar, die 30 Kalenderjahre Laufzeit in Energiemengen umzurechnen, die auf die Kraftwerke aufgeteilt werden können." Gleichzeitig betonte der Kanzler, dass es ein klares Enddatum geben müsse: "Dabei gehe ich weiter von der Zahl 30 Jahre für die Höchstlaufzeit aus."

REUTERS
Die deutschen Stromkonzerne lehnen nach Informationen der "Berliner Zeitung" diesen Kompromissvorschlag ab. Sie begrüßten aber, dass die rot-grüne Bundesregierung das flexible Ausstiegskonzept der Stromwirtschaft dem Prinzip nach akzeptiere.

Die Bundesregierung wollte bisher Restlaufzeiten von 30 Jahren für die Atommeiler durchsetzen. Die Industrie verlangte 35 Jahre Volllastzeit und wollte andernfalls Schadenersatz geltend machen. 35 Jahre Volllastzeit würde Restlaufzeiten bis zu 42 Jahren entsprechen. Die Kompromisslinie sah die Industrie in der Garantie für eine Strommenge, die den 35 Jahren Volllastzeit entsprechen würde. Die Industrie könnte dann selbst entscheiden, welche Meiler vom Netz genommen würden.

Auch zu dem neuen Angebot heißt es nach Angaben der "Berliner Zeitung" aus Kreisen hochrangiger Strommanager, 30 Jahre seien mit den Konzernen nicht zu machen. Außerdem wandte sich die Industrie gegen ein festes Enddatum. Gerade die modernsten Meiler wie Neckarwestheim 2 (Inbetriebnahme: 1989) und Emsland (1988) könne die Stromwirtschaft dann nicht mehr flexibel nutzen, wenn das Ausstiegsjahr 2019 absolut festgeschrieben werde.



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