Zeitungsbericht Deutsche Behörden sollen Mitschuld an Verschleppung el Masris haben

Brisante Wendung im Fall Khaled el Masri: Nach Informationen der "Berliner Zeitung" sind deutsche Sicherheitsbehörden möglicherweise mitverantwortlich dafür, dass der Deutsch-Libanese von der CIA festgenommen und entführt wurde.


Berlin - "Es ist schon auffällig, dass die Amerikaner bei ihren Verhören in Afghanistan el Masri auch nach Erkenntnissen fragten, die sie von uns bekommen haben", zitiert die Zeitung in ihrer Internetausgabe einen deutschen Sicherheitsbeamten. "Möglicherweise haben wir durch Informationen, die wir mit den US-Behörden ausgetauscht haben, die CIA auf el Masri aufmerksam gemacht". Bislang hatte es stets geheißen, der Deutsch-Libanese sei ausschließlich auf Grund einer Namensverwechslung von der CIA verschleppt worden.

Tragen deutsche Behörden Mitschuld an seiner Verschleppung? Khaled el Masri
AP

Tragen deutsche Behörden Mitschuld an seiner Verschleppung? Khaled el Masri

Nach Einschätzung des Sicherheitsbeamten zeigten die detaillierten Fragen in den Verhören nach der Islamistenszene in el Masris Wohnort Neu-Ulm, dass die US-Vernehmer in Afghanistan genau gewusst hätten, wen sie vor sich haben, berichtet die Zeitung. "Auch dank unserer Informationen, denn in dem regelmäßigen Informationsaustausch mit CIA und FBI sind irgendwann vor der Entführung bestimmt auch deutsche Angaben über Khaled el Masri abgeflossen", sagte der Mann dem Blatt.

Grund dafür sei gewesen, dass sich el Masri in seinem Wohnort Neu-Ulm im Umfeld des mutmaßlichen Extremisten Reda Seyam bewegt habe, der von den Amerikanern als sehr gefährlich eingeschätzt werde. El Masri sei in Deutschland aber nur beobachtet worden, ein Ermittlungsverfahren gegen ihn habe es nie gegeben, zitiert die Zeitung den Beamten.

Der aus dem Libanon stammende el Masri wurde nach eigenen Angaben Ende 2003 vom CIA aus Mazedonien nach Afghanistan entführt und dort fünf Monate lang wegen Terrorverdachts festgehalten und misshandelt.



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