Antisemitismus in Deutschland Zentralrat der Juden rät vom Tragen der Kippa ab

Ist es in Vierteln mit vielen muslimischen Einwohnern gefährlich, sich eindeutig als Jude zu zeigen? Der Präsident des Zentralrats der Juden findet ja - und rät vom Tragen der traditionellen Kopfbedeckung ab.
Jüdische Gläubige mit Kippa in Berlin: Gefahr in bestimmten Stadtteilen?

Jüdische Gläubige mit Kippa in Berlin: Gefahr in bestimmten Stadtteilen?

Foto: Sebastian Kahnert/ dpa

Berlin - Der Präsident des Zentralrats der Juden warnt vor dem Tragen der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung in "Problemvierteln": Juden sollten sich zwar nicht aus Angst verstecken, sagte Josef Schuster im Inforadio des rbb. Die meisten jüdischen Einrichtungen seien zudem gut gesichert. Die Frage sei aber, "ob es tatsächlich sinnvoll ist, sich in Problemvierteln, in Vierteln mit einem hohen muslimischen Anteil, als Jude durch das Tragen der Kippa zu erkennen zu geben."

Schuster legte jüdischen Gläubigen für solche Fälle nahe, "eine andere Kopfbedeckung" zu erwägen. Es sei eine Entwicklung, die er so vor fünf Jahren nicht erwartet habe - und die auch ein wenig erschreckend sei, so Schuster.

Die Zahl antisemitischer Straftaten hat im vergangenen Jahr in Deutschland zugenommen. Wurden 2013 noch 788 Fälle registriert, stieg die Zahl im vergangenen Jahr laut der Amadeu-Antonio-Stiftung um fast zehn Prozent auf 864. Die Stiftung beruft sich auf Zahlen der Bundesregierung, die bislang noch nicht veröffentlicht wurden.

Eine ähnlich hohe Zahl antisemitischer Taten gab es demnach zuletzt vor drei Jahren. Der Projektleiter der Stiftung, Jan Riebe, verwies auf eine hohe Dunkelziffer: "Viele Straftaten werden nicht angezeigt, was auch an der sehr niedrigen Aufklärungsquote liegt."

Die Sorge über zunehmenden Antisemitismus in Europa hatte unter anderem nach den Anschlägen in Frankreich und Dänemark zugenommen. Bei den islamistischen Terrorattacken in Paris waren im Januar auch mehrere Juden getötet worden. Bei Angriffen auf ein Kulturzentrum und eine Synagoge in Kopenhagen kamen vor etwa zwei Wochen zwei Menschen ums Leben.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war von 1076 antisemitischen Straftaten im vergangenen Jahr die Rede. Die Amadeu-Antonio-Stiftung hat diese Zahl nachträglich auf Twitter nach unten korrigiert . Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung.

mxw/dpa/AFP