Zitate aus Interview-Buch Guttenbergs gesammelte Weisheiten

Er redet über seine Familie, seine Karriere, seine Fehler und Ambitionen: Das Interview-Buch "Vorerst gescheitert" verspricht laut Werbung Aufklärung, wie "Karl Theodor zu Guttenberg seinen Fall und seine Zukunft sieht". Doch was steht eigentlich auf den 207 Seiten? Ein Überblick.
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Karl-Theodor zu Guttenberg: Meister der Inszenierung

Foto: Stephanie Pilick/ dpa

Nur nicht lächeln. Wer sich für seinen biometrischen Pass fotografieren lässt, muss sich für einen Augenblick die Heiterkeit verbieten - Karl-Theodor zu Guttenberg sieht auf dem jetzt erschienenen Buch "Vorerst gescheitert: Karl-Theodor zu Guttenberg im Gespräch mit Giovanni di Lorenzo" so aus, als hätte der Herder-Verlag die Aufnahme für den letzten Reisepass des CSU-Politikers auf den Titel gehievt: strenger Blick und ein bestenfalls angedeutetes Lächeln.

Vielleicht muss das aber auch so sein, schließlich geht es auch und vor allem um die Affäre um Guttenbergs Doktorarbeit und den damit verbundenen Rücktritt vom Amt des Verteidigungsministers.

In dem Buch räumt Guttenberg Fehler in der Plagiatsaffäre ein: Er habe teilweise "völlig falsch reagiert" und in der Zeit, als er mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, "immer die falsche Option gewählt".

Aber ansonsten gibt sich der 39-Jährige in dem Gespräch über Privates und Politisches ausgesprochen selbstbewusst: Er lobt seine Bundeswehrreform, für die er auch Kritik einstecken musste, verteilt schlechte Noten für so manchen Politiker und hält sich eine Rückkehr auf die politische Bühne offen.

Welche Haltung hat Guttenberg zum Katholizismus? Was denkt er übers Verzeihen? Was treibt ihn - und was hat er vor? Klicken Sie auf die verschiedenen Bereiche:

Politische Erfahrungen

Guttenberg vor Kabinettssitzung: "Die latente Gefahr, überschätzt zu werden"

Guttenberg vor Kabinettssitzung: "Die latente Gefahr, überschätzt zu werden"

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

zur Frage, ob man Gefahr läuft, sich selbst zu überschätzen, wenn einem viel Aufmerksamkeit zuteil wird:

"Darüber habe ich oft mit Freunden gesprochen. Die latente Gefahr, überschätzt zu werden, sah ich. Das mag erstaunlich klingen, weil es durchaus nicht zu meinem ausgeprägten Selbstbewusstsein zu passen scheint. Aber das ist etwas, das mich Zeit meines politischen Lebens begleitet hat und das ich immer wieder als Sorge zum Ausdruck gebracht habe."

zur Frage, was er nicht kann:

"Genug. Jeder Mensch hat Schwächen. Man kann davor die Augen verschließen, dann werden sie ein blinder Fleck, oder man kann an ihnen arbeiten. Ich neige zu Letzterem. Ich bin aber auch jemand, der große Schwierigkeiten hat, sich als Generalist in alle Bereiche einzuarbeiten."

zur Frage, wie seine erste Bierzeltrede ablief:

"Ich habe mit einem frechen Spruch begonnen, der gut ankam. Die Leute im Bierzelt gewinnen Sie entweder in den ersten zwei Minuten oder nie."

zur Frage, ob er von Anfang an daran gedacht hat, seine Karriere als Politiker zu beenden:

"Ich habe meiner Frau mal versprochen, nach zehn Jahren aufzuhören. Und ich habe der Bundeskanzlerin Ende letzten Jahres angekündigt, dass ich wahrscheinlich vor Ende der Legislaturperiode aufhören werde. Das habe ich jetzt unfreiwillig eingelöst…"

zur Frage, ob er diese Ankündigung damals ernst gemeint habe:

"Ja, das habe ich ernst gemeint. Das war keine Koketterie."

zu seiner Rücktrittserklärung:

"Ich habe mich in meiner Rücktrittserklärung direkt und ausdrücklich entschuldigt. (...) Von manchem wird es einem ja als Schwäche ausgelegt, wenn man sich entschuldigt, das halte ich für verrückt. Ich habe immer gesagt: Wenn ich im Leben fehle, dann muss ich auch öffentlich zu diesem Fehlen stehen. Das ist mein Anspruch. So habe ich das auch bei der Kunduz-Thematik gemacht, ich glaube, das gab es vorher so noch nicht."

zu seiner Stellungnahme im Bundestag zu den Vorwürfen:

"Das war einer der erniedrigendsten und bittersten Momente, die ich bisher erleben musste. (…) Die Angriffe haben ein Ausmaß angenommen, wie man es selten im Bundestag hört. Es war nicht leicht zu akzeptieren, dass das Präsidium nicht eingeschritten ist."

Politische Ambitionen

Auf dem Valentins-Treffen der Hessen-CDU: "Ein politischer Mensch, ein zoon politikon"

Auf dem Valentins-Treffen der Hessen-CDU: "Ein politischer Mensch, ein zoon politikon"

Foto: DPA

zu einem möglichen Comeback:

"Ich schließe nichts aus, aber es gibt bislang noch keine konkrete Intention. Aber ich werde mit Sicherheit in mein Heimatland zurückkehren und ein politischer Kopf bleiben. (…) Ob eine Rückkehr mit einem politischen Engagement welcher Art auch immer verbunden sein wird, ist heute gänzlich offen. Dass ich ein politischer Mensch, ein zoon politikon, bleibe, steht außer Frage."

zur Frage, wo er CDU und CSU verortet:

"Die Union sitzt noch in der Mitte, aber sie ist dort lange nicht mehr so erkennbar, wie sie es sein könnte. Sie sitzt eben und steht nicht."

zur Frage, warum die einst als unbesiegbar geltende CSU bei Landtagswahlen nur noch auf etwas mehr als 40 Prozent kommt:

"Sie ist, wie andere Parteien auch, von einer Infektion befallen, die das allmähliche Sterben der Volksparteien auslösen könnte oder bereits ausgelöst hat. Und die Behauptung, man sei die letzte verbliebene Volkspartei, wird ihr bestimmt nicht mehr Wähler zuführen, sondern im Zweifel als Hybris ausgelegt werden."

zur Frage, ob er sich vorstellen könnte, irgendwann für eine andere Partei anzutreten:

"Ich bin zurzeit Mitglied einer Partei, die einen langen Weg zu gehen hat, um von der Abwärtsbewegung der sogenannten Volksparteien nicht ergriffen zu werden."

zur Frage, ob er von Personen kontaktiert wurde, die eine neue Partei gründen wollen:

"Es finden manchmal die lustigsten und skurrilsten Kontakte statt."

zur Frage, was man den Menschen im Wahlkampf sagen müsste:

"Dass das heutige Rentensystem als solches nicht auf Dauer haltbar ist. Anders, als wir das von Wahltag zu Wahltag versprechen."

zu seiner Enttäuschung über die Grünen:

"Weil ich das Gefühl habe, dass sie sich mehr und mehr dem Machterhalt verschreiben und deshalb die für die Menschen unangenehmen Folgen einer konsequenten Klimaschutzpolitik umso mehr ausblenden, je näher der Wahltag rückt."

zur Enthaltung der Bundesregierung zur Libyen-Resolution im Uno-Sicherheitsrat:

"Ich war entsetzt."

zur Reaktion der Menschen nach seinem Rücktritt:

"Es mag überraschen, aber fast durchgängig positiv."

zu den Aussichten für die CSU und die schwarz-gelbe Koalition bei der nächsten Bundestagswahl:

"Die Partei wird die nächste Bundestagswahl mit großer Sicherheit überleben. Wenn die Koalition sie überleben will, muss sie sich enorm anstrengen."

zu Peer Steinbrücks ökonomischem Sachverstand:

"Steinbrück habe ich selbst in der Krise erlebt. Und ich habe selten jemanden gesehen, der gleich mehrere 170-Grad-Wendungen mit einer solchen Überzeugungskraft vermitteln kann. Das Problem ist, dass man bei 170-Grad-Wendungen meistens nicht einmal am Ausgangspunkt landet."

Im Verteidigungsministerium

Auf dem Flug nach Kunduz: "Ich habe die Situation von Beginn an falsch eingeschätzt"

Auf dem Flug nach Kunduz: "Ich habe die Situation von Beginn an falsch eingeschätzt"

Foto: Michael Kappeler/ dpa

zur Kunduz-Affäre:

"Ich habe die Situation von Beginn an falsch eingeschätzt. Das war ein Fehler, der allerdings nicht nur auf meinem Mist gewachsen ist."

zu seinem Gespür für die "Seelenlage der Truppe":

"Das geht nur, wenn Sie die Truppe erleben wollen und nicht dorthin fahren, um sich zu inszenieren. Sie müssen der Truppe das Gefühl geben, dass sie zu Hause verstanden wird. Und das geht nur, wenn jemand darüber berichtet."

zur Kritik an der Bundeswehrreform:

"Herr de Maizière hat circa 95 Prozent meiner Reformvorschläge übernommen. Vor diesem Hintergrund kann man, glaube ich, sehr wohl davon reden, dass ich ein weitgehend bestelltes Haus hinterlassen habe. Ich habe so weit Hand angelegt, dass die Reform von jemandem übernommen und vollendet werden konnte."

zu Guttenbergs Entscheidung, den Bundeswehreinsatz in Afghanistan als Krieg zu bezeichnen:

"Das war nötig, weil es die Realität widerspiegelt und den rechtlichen Status unserer Soldaten im Einsatz verbessert hat. Aber wir haben uns damit über Jahre ungemein schwergetan."

Persönliches

Familie Guttenberg 2009: "Einige Adlige haben den Anspruch, Elite zu sein"

Familie Guttenberg 2009: "Einige Adlige haben den Anspruch, Elite zu sein"

Foto: Daniel Karmann/ dpa

zur Frage, wann man eine Entschuldigung annehmen soll:

"Wenn man das Gefühl hat, dass der andere es ernst meint. Und dann ist es kein Können, dann ist es in meinen Augen ein Müssen."

zu unglaubwürdigen Entschuldigungen:

"Ja, das ist mir zweimal passiert, im Privaten. Ich hatte in beiden Fällen zunächst nicht das Gefühl, dass die Entschuldigungen von Herzen kamen. Aber nach einem klärenden Gespräch habe ich sie doch angenommen."

zum Umgang mit Fehlern:

"So (zu Fehlern zu stehen, Anm. d. Red.) bin ich auch erzogen worden. (...) Ich habe auch immer versucht, das in meiner politischen Laufbahn zu tun."

zu Verantwortung:

"Tatsächlich bin ich verantwortlich für das, was ich im Leben richtig und gelegentlich falsch gemacht habe."

zu seiner Herkunft:

"Ich durfte mit vielen Segnungen aufwachsen, und das war einer der Gründe dafür, dass ich gesagt habe, man muss von diesem Glück auch etwas zurückgeben."

zum Katholizismus:

"Ich habe eine ziemlich robuste Grundlage für eine andauernde tiefe inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Glauben."

zu Adel und dem Elite-Begriff:

"Einige Adlige haben den Anspruch, Elite zu sein. Aber das muss nicht bedeuten, dass es auch alle wirklich sind. (...) Auf jeden Fall gab und gibt es dort (in der Familie Guttenberg, Anm. d. Red.) den expliziten Anspruch, Elite sein zu wollen."

zur Frage, was heute für aristokratisches Verhalten kennzeichnend ist:

"Jedenfalls nicht die Herkunft. Aristokratisches Verhalten wird nicht durch die Herkunft bestimmt, es folgt einem Grundmuster des Denkens, das jedem Menschen innewohnen kann. Dazu gehört zunächst einmal Prinzipienfestigkeit. Das sagt sich so einfach, aber eigentlich ist es eine kaum erreichbare Aufgabe, an der die meisten Menschen scheitern."

Auf die Frage, wie groß sein Ehrgeiz ist:

"Ausgeprägt. Aber es geht dabei nicht um mich, sondern um diejenigen, denen zu dienen man berufen ist. Und die Menschen, die einem anvertraut werden."

zur Frage, ob er Deep Purple oder AC/DC mehr mag:

"Erstaunlicherweise dann doch AC/DC, obwohl Deep Purple die etwas ausgefeiltere Musik komponiert hat. Aber AC/DC entspricht einfach manchmal einer gewissen Laune. Drei Akkorde sind nicht viel, aber sie sind immer wieder erfindungsreich aneinandergereiht."

zu seiner Sehkraft:

"Faktisch war es so, dass es einer reizenden indischen Ärztin in den USA bedurfte, die festgestellt hat, dass ich ohne Brille vollkommen ausreichend sehen kann."

zum "harten Zug", der ab und zu in seinem Gesicht zu finden sei:

"Ja, die vergangenen Jahre haben durchaus zu mancher Verbitterung geführt. Vor allem die letzten beiden Jahre haben Spuren hinterlassen. Das muss ich alles erst mal ergründen und verarbeiten, das wird noch eine Weile dauern. Auch auf die Gefahr hin, dass ich deswegen gleich wieder angegriffen werde: Ich bin durch das, was sich in diesem Jahr abgespielt hat, auch schwer gezeichnet. Die Erinnerung daran fällt mir nicht leicht."

Das Spiel mit den Medien

Guttenberg in New York: "Ich würde dieses Foto wahrscheinlich heute wieder machen"

Guttenberg in New York: "Ich würde dieses Foto wahrscheinlich heute wieder machen"

Foto: A3397 Gero Breloer/ dpa

zu seinen ersten Äußerungen im Februar 2011, die Plagiatsvorwürfe seien "abstrus":

"Ja, das war sicherlich eine unglaublich blöde Äußerung, die aber gleichzeitig zeigt, dass ich mir der Tragweite der Fehlerhaftigkeit meiner Arbeit einfach nicht bewusst war. Sonst hätte ich anders reagiert. Das Krisenmanagement dieser Tage war verheerend."

zur Reaktion der Öffentlichkeit:

"Plötzlich bekam ich die volle Breitseite ab, auch von denjenigen, die mich schon immer attackieren wollten und es jetzt konnten."

zu seiner eigenen Reaktion:

"Überraschung und Ohnmacht haben sicherlich dazu geführt, dass ich teilweise völlig falsch reagiert habe. Eigentlich habe ich in diesen Tagen immer die falsche Option gewählt."

zum Beginn der Affäre:

"Ich war auf Dienstreise in Polen und bekam mittags eine Meldung von meinem Sprecher. Es hieß, es seien Unregelmäßigkeiten in meiner Doktorarbeit aufgetaucht, (…). Ich dachte, im Zweifel ist das jetzt so eine Revolver-Geschichte. Wie gefährlich die Sache war, habe ich erst am nächsten Tag verstanden, als die Geschichte lang und breit auf der Seite zwei der 'Süddeutschen Zeitung' aufgemacht war."

zur Verfolgung durch Paparazzi:

"Bis aufs eigene Grundstück. (…) In Guttenberg und in Berlin, ohne Rücksicht auf die Kinder und in einer Form, die ich bislang noch nicht erlebt hatte. Selbst nach meinem Umzug in die Vereinigten Staaten sind die Fotografen dort vor unserem neuen Haus aufgetaucht. (…) Das ging so weit, dass ein Fotograf sich in Berlin vor unserem Haus in unseren Umzugswagen gesetzt hat."

zu Boulevardmedien:

"Ich wusste auch vorher schon, dass der Boulevard nicht immer ein Ort segensreicher Berichterstattung sein kann."

zum Vorwurf, er sei ein Blender:

"Das trifft mich natürlich. (…) Das ist einfach ein Attribut, das meinem bisherigen Leben nicht gerecht wird. Das wird unreflektiert aus blanker Bosheit genutzt."

zur Kritik an seiner Person:

"Es findet ja ein gerüttelt Maß an Nachtreterei statt, bis heute. (…) Aber ich strebe nicht nach Mitleid (…). Das wäre auch zu billig."

zu seiner Medienpräsenz:

"Ich hätte sicherlich auf das eine oder andere Interview verzichten können. Auf der anderen Seite war es mir immer wichtig, auch die unbequemen Themen, die mir am Herzen lagen, mitteilen zu können - und damit wird man natürlich zur kontroversen Figur."

zu einem Foto, das ihn in Show-Pose auf dem New Yorker Broadway zeigt:

"Ich würde dieses Foto wahrscheinlich heute wieder machen und mich danach wahrscheinlich wieder genauso über die Wucht der Wirkung wundern. Damals ist das aus der Situation heraus entstanden. (...) Ich habe versucht, meine Müdigkeit zu überspielen. (...) Warum soll man nicht einfach mal ein positives Bild in dieser Wirtschaftskrise setzen, das unserer so viel kleineren, oft verzagten, fast jammernden Nation vielleicht nicht schlecht zu Gesicht steht?"

zu einem Foto, das ihn im Anzug in einer Bundeswehr-Transall zeigt:

"Das war tatsächlich ein kompletter Zufallstreffer! Also so ein Bild können Sie in einer Transall-Maschine gar nicht stellen, weil Sie nicht wissen, wie das Licht einfällt. (...) Es sah natürlich seltsam aus, dass da einer im Anzug zwischen den Soldaten steht und der Lichtschein so reinkommt. Gottlob hat ja dann selbst der Fotograf gesagt, dass es ein Zufallstreffer war."

zu einem Fernsehinterview in Afghanistan mit Johannes B. Kerner:

"Die Kombination mit Kerner war in den Augen vieler zu viel. Dessen Reise war über Monate geplant, das war nicht, was spontan entschieden wurde."

zur Frage, warum seine Frau mit dabei war:

"Das habe ich relativ spontan entschieden. (...) Mit einem gemeinsamen Besuch kann man den Soldaten das Bewusstsein vermitteln, von einer Familie und einer Gesellschaft getragen zu werden. (...) Die Soldaten vor Ort fanden das großartig."

zu öffentlichen Auftritten mit seiner Frau:

"Ich kann nur sagen, dass ich lieber mit meiner Frau zu einer gesellschaftlichen Veranstaltung gehe als allein, das ist ein ganz simpler Punkt. Ich habe die Nähe zu meiner Frau einfach gern, zumal bei solchen Veranstaltungen, die auch sterbenslangweilig sein können."

zu seinem Praktikum bei der "Welt":

"Ich wollte danach zwar nicht Journalist werden, aber ich fand die Erfahrung bereichernd. (…) Sie finden im Journalismus zum Beispiel die gleichen Schattierungen der Eitelkeit (wie in der Politik, Anm. d. Red.). Und es gibt auch interessante Formen der Intriganz, die sich durch eine Redaktion ziehen können und sich manchmal nicht von Spielarten der Politik unterscheiden."

Doktorarbeit

Nach der Ankündigung seines Rücktritts: "Ich habe den Blödsinn wirklich selber verfasst"

Nach der Ankündigung seines Rücktritts: "Ich habe den Blödsinn wirklich selber verfasst"

Foto: THOMAS PETER/ REUTERS

zu seiner Doktorarbeit

"Es steht völlig außer Frage, dass ich einen auch für mich selbst ungeheuerlichen Fehler begangen habe, den ich auch von Herzen bedauere. (…) Ich habe im Jahr 1999 mit einer Doktorarbeit begonnen, und schon damals war eine Doppelbelastung absehbar. Ich bin bereits während des Studiums von der Familie erheblich mit in die Pflicht genommen worden, in unserem Unternehmen. (…) Im Jahr 2001 habe ich mich dann entschieden, in die Politik zu gehen, und ich bin diese Herausforderung mit voller Kraft angegangen. Darunter hat natürlich die Beschäftigung mit der Doktorarbeit sehr gelitten."

zu seiner Arbeitsweise:

"Ich war ein hektischer und unkoordinierter Sammler. Immer dann, wenn ich das Gefühl hatte, dass etwas zu meinem Thema passt, habe ich es ausgeschnitten oder kopiert oder auf Datenträgern sofort gespeichert oder direkt übersetzt. (…) Eigentlich war das eine Patchworkarbeit, die sich am Ende auf mindestens 80 Datenträgern verteilt hat.

Ich habe für jedes Kapitel eine Diskette angefertigt, ich habe unterschiedliche Ordner angelegt, ich habe über die Jahre hinweg auf vier unterschiedlichen Computern gearbeitet, die an unterschiedlichen Orten waren. Übersetzungen habe ich manchmal auf langen Flügen vorgenommen. Ich habe auf Reisen an der Dissertation gearbeitet, manchmal in Universitätsbibliotheken oder wenn ich bei einem Think Tank unterwegs war. Irgendwann hatte ich einen Wust an Informationen, der allerdings abgesehen von den Gliederungspunkten keinerlei innere Ordnung mehr hatte.

Ich wusste offensichtlich später auch nicht mehr, an welchem Text ich selbst bereits gearbeitet hatte, welcher Text mein eigener und welcher möglicherweise ein Fremdtext war, insbesondere beim Zusammenfügen dieser Bruchstücke.

Die sorgfältige Detailarbeit, gerade das korrekte Einarbeiten und Zitieren fremder Quellen, ist wiederholt unterblieben. Diese Arbeiten hätten niemals unter Zeitdruck stattfinden dürfen."

zum Täuschungsvorwurf:

"Ich habe den Blödsinn wirklich selber verfasst, und ich stehe auch dazu. (…) Wenn ich die Absicht gehabt hätte zu täuschen, dann hätte ich mich niemals so plump und dumm angestellt, wie es an einigen Stellen dieser Arbeit der Fall ist. (…) Wer die ersten Zeilen seiner Einleitung komplett aus einem Zeitungsartikel abschreibt, dann aber gleichzeitig so doof ist, die Autorin dieses Textes im Literaturverzeichnis zu benennen, der handelt nicht absichtlich, sondern aus Überforderung und weil er den Überblick verloren hat."

zu seinem Verschleierungstalent:

"Wenn ich etwas verschleiern wollte, würde ich es so verfremden, dass es niemand merkt. Das dürfen Sie mir durchaus zutrauen."

zu seinem Doktorvater:

"Ich mochte und mag ihn sehr. Zwischen uns ist damals ein großes Vertrauensverhältnis gewachsen. Dass ich ihm Schmerzen zugefügt habe, ist etwas, das mich tief bewegt und erschüttert. (…) Er ist ein wunderbarer Mensch. Ob er mir verzeihen kann, vermag ich nicht zu ermessen."

zur Universität Bayreuth und der Aberkennung seines Doktortitels:

"Die Universität war in dieser Sache leider nicht unabhängig, wie etwa die Staatsanwaltschaft, sondern immer Partei. (…) Dass die Arbeit der Kommission ("Selbstkontrolle in der Wissenschaft", Anm. d. Red) hoch kritikwürdig war, ist nichts, was ich erfinde. Das haben selbst Angehörige der Universität Bayreuth festgestellt."

zu seinen Selbsterkenntnissen:

"Ich habe mit dem Abfassen dieser Doktorarbeit die, noch mal, denkbar größte Dummheit meines Lebens begangen."

zu Überforderung:

"Das politische Leben hat mich nicht überfordert, wohl aber die parallele wissenschaftliche Arbeit."

zur Frage, ob er sich in der Affäre um seine Doktorarbeit einer Menschenjagd ausgesetzt sah:

"Lebewesen, die gejagt werden, bauen nur noch auf ihre Instinkte. Auch ich musste mich zeitweilig auf meine Instinkte verlassen. Eines ist den Jägern nicht gelungen: mich endgültig zur Strecke zu bringen oder dauerhaft aus dem Revier zu vertreiben."

ffr/hen
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