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Zu derb für YouTube Ministersohn gibt den Gangster-Rapper

Gewalt, Sex, Alkohol - mit seinen derben Rap-Texten macht der Sohn des Bayerischen Innenministers Joachim Herrmann Schlagzeilen. Jetzt sieht sich der CSU-Politiker deshalb dem Spott der Opposition ausgesetzt.
Von Oliver Sallet

Joachim Herrmann

Bayerns Innenminister (CSU) ist genau so, wie man sich einen bayerischen Innenminister vorstellt. Im Kampf gegen die Kriminalität setzt er auf harte Strafen und strikte Verfolgung der Täter. Er ist bekannt für seine harte Linie, zum Beispiel beim Thema Drogen oder bei der Ausländerpolitik.

Nun bringt ausgerechnet diesen Minister sein eigener Filius in eine peinliche Situation.

Unter dem Pseudonym "Jackpot" rappt Jakob Herrmann seit Jahren durch die Szene, mit derben Texten. Unter anderem hat er ein nicht ganz jugendfreies Video ins Internet gestellt:

"2010 - ich hab alles gef****, hab deine Mutter zu Jürgen Drews nach Malle geschickt."

Zu dumm, dass der Vater davon kaum etwas mitbekommen hat.

Denn was genau der Sohn da treibt, das war dem Vater wohl nicht bewusst - geschweige denn, welche krassen Punchlines er zum Besten gibt. In den Reihen der Opposition kann man sich das Lachen nicht verkneifen: "Herrmanns Law-And-Order-Politik scheint nicht mal in der eigenen Familie anzukommen", sagt die Fraktionschefin der bayerischen Grünen, Margarete Bause. "Das sollte ihm Anlass zu mehr Demut geben."

"Ich bewundere meinen Sohn"

Offiziell will sich der bayerische Innenminister nicht zu den Rap-Künsten seines Sohnes äußern. Zu hören ist aber, dass Herrmann nicht begeistert war, als er nun erfuhr, welchen Lebenswandel der Sohn in seinen Songs besingt. In seinem Video rappt "Jackpot" in leicht gebückter Haltung und mit den üblich-derben Handbewegungen vor einem Baugerüst in die Kamera:

"Mein Leben ist perfekt, ich hab tausend Frauen im Bett und mein Schwanz ist ein Brett."

Zu derb für YouTube - das Video wurde inzwischen gelöscht und ist nur noch über Umwege im Netz zu sehen. Für Wirbel sorgt es trotzdem.

Herrmanns schwieriger Situation dürfte aber auch Verständnis entgegengebracht werden - vor allem vom eigenen Parteichef: Im Mai 2010 wurde der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) dabei gefilmt, wie er sich als Rapper outete. Als er im Berliner Problemviertel Marzahn eine Spende an ein soziales Jugendprojekt überreichte, gestand er: "Ich könnte durchaus Freude am Rappen gewinnen. Ich hab' Computerprogramme, wo ich das auch gelegentlich mache - wegen meiner Kinder!"

Dass das Verhältnis von Vater und Sohn oft ein schwieriges ist, ist hinreichend bekannt. Nach außen gibt sich Innenminister Herrmann aber gelassen: "Ich bewundere meinen Sohn. Selbst nach den größten Dummheiten findet er noch eine überzeugende Ausrede", schreibt Herrmann auf seiner Internetseite.

Das hat "Jackpot" auch dieses Mal gut hinbekommen: Der Skandal-Rapper soll, so ist zu hören, seinem Vater glaubhaft versichert haben, dass er selbst so nicht lebt - und auch nicht leben will, wie er es in seinen Liedern besingt. Weder trinkt der 19-Jährige also "Wodka wie Wasser" noch betrachtet er Frauen als Sexobjekt. Das beruhigt.

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