Zukunftskonzept Generäle für kleinere Bundeswehr

Die militärische Führung der Bundeswehr tritt angeblich dafür ein, die Zahl der Soldaten auf 290.000 zu verrringern. Die Wehrpflicht sollte demnach weiter verkürzt werden - auf sieben bis neun Monate.


Berlin - Die Vorschläge gehen laut einem Bericht der "Welt" auf ein Eckpunktepapier von Generalinspekteur Hans-Peter von Kirchbach zurück. Nach dessen Vorstellungen solle die Zahl der Wehrpflichtigen von heute 134.000 auf 84.000 sinken, die Zahl der Berufs- und Zeitsoldaten von 189.000 auf 202.300 steigen. Diese Überlegungen sind nach dem Bericht mit dem Planungsstab des Ministeriums und den Inspekteuren von Heer, Luftwaffe und Marine abgestimmt.

Wehrpflicht: Bald nur noch sieben Monate lang?
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Wehrpflicht: Bald nur noch sieben Monate lang?

Der Wehrdienst solle flexibilisiert werden. Wehrpflichtige sollten nur noch sieben statt zehn Monate dienen und danach zwei weitere Monate bei Wehrübungen ableisten. Auch Verteidigungsminister Rudolf Scharping hatte für einen flexiblen Wehrdienst plädiert und als Untergrenze neun Monate genannt.

Des Weiteren sollen dem Zeitungsbericht zufolge die bisherigen Krisenreaktionskräfte für Auslandseinsätze von derzeit 60.000 auf 157.000 Soldaten aufgestockt werden. Die Bezeichnung "Krisenreaktionskräfte" (KRK) solle in "Einsatzkräfte" geändert werden. Sie sollten Kernstück der Bundeswehr sein. Die Einführung eines Generalstabes werde abgelehnt.

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Hat die Wehrpflicht eine Zukunft?

Die allgemeine Wehrpflicht steht wieder einmal zur Diskussion. Der "kalte Krieg" sei vorbei, sagen die einen, heute brauche man eine kleinere, professionelle Armee. Die anderen plädieren für die "Armee der Bürger", die Bundeswehr und "zivile Gesellschaft" fest miteinander verbinde. Brauchen wir die Wehrpflicht noch?

Offen lässt Kirchbach laut "Welt", wie viel Geld die Bundeswehr künftig erhalten soll. Die "finanzplanerische Bewertung" werde erst später erarbeitet. Scharping hat mehrfach deutlich gemacht, dass die Bundeswehr mehr Mittel als vorgesehen benötige, um ihr Gerät zu modernisieren und internationalen Verpflichtungen nachkommen zu können.

Scharping hatte Kirchbach beauftragt, parallel zu einer unabhängigen Experten-Kommission unter Altbundespräsident Richard von Weizsäcker Vorschläge zur Zukunft der Bundeswehr auszuarbeiten. Die Kommission will ihre Ergebnisse am 23. Mai vorstellen. Es wird erwartet, dass sie eine Verkleinerung der Bundeswehr auf 240.000 Soldaten vorschlagen wird, von denen nur noch 30.000 Soldaten Wehrpflichtige wären.

Derzeit zählt die Bundeswehr rund 320.000 Soldaten. Als Planzahl gilt nach wie vor eine Sollstärke von 340.000 Soldaten.



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