Zukunftspläne der Linken Lafontaine manövriert die Genossen aus

Es sollte der Termin werden, an dem die Linke Klarheit über Oskar Lafontaines politische Zukunft bekommt - doch der Parteichef überrascht seine Genossen wieder mal mit einem Manöver: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE nimmt der 66-Jährige nicht an der Fraktionsklausur am 11. Januar teil.
Oskar Lafontaine: Der Linke-Chef lässt seine politische Zukunft vorerst weiter offen

Oskar Lafontaine: Der Linke-Chef lässt seine politische Zukunft vorerst weiter offen

Foto: WOLFGANG RATTAY/ REUTERS

Hamburg - Der Raum ist längst gebucht: Im Kongresszentrum am Berliner Alexanderplatz will sich am 11. Januar die Bundestagsfraktion der Linken treffen, auch Abgeordnete aus den Landtagen sind eingeladen - kurzfristig hatten die Genossen das ursprünglich im Bundestag geplante Treffen an einen öffentlichkeitswirksameren Ort verlegt und mehr Gäste eingeladen. Aber ein führender Linker wird an diesem Tag fehlen: Oskar Lafontaine. Der Parteichef hat seine Teilnahme abgesagt, wie SPIEGEL ONLINE vom Büro des 66-Jährigen erfuhr. Lafontaine wolle sich zunächst um seine Gesundheit kümmern, er habe in den nächsten Wochen diverse Arzttermine.

In den vergangenen Tagen telefonierte Lafontaine nach Informationen von SPIEGEL ONLINE mit Fraktionschef Gregor Gysi, um ihm seine Entscheidung mitzuteilen.

Viele Genossen in der Parteizentrale dürften überrascht sein. Sie hatten erwartet, dass sich Lafontaine am 11. Januar zu seiner politischen Zukunft und zur Frage einer weiteren Kandidatur für den Posten des Parteichefs äußern wird. Nach seiner Krebsoperation am 19. November hatte der Saarländer sämtliche Termine bis auf Weiteres abgesagt und angekündigt, er werde Anfang 2010 "unter Berücksichtigung meines Gesundheitszustandes und der ärztlichen Prognosen darüber entscheiden, in welcher Form ich meine politische Arbeit weiterführe". Zwischenzeitlich war sogar über einen vollständigen Rückzug Lafontaines spekuliert worden.

Unklar ist, ob Lafontaine von Parteifreunden zu einer öffentlichen Erklärung am 11. Januar gedrängt werden sollte. Bislang hieß es, der Termin im Berliner Kongresszentrum sei in Absprache mit Lafontaine erfolgt. Seine Absage gibt aber Anlass zu Spekulationen, dass der Parteichef nicht umfassend über die geänderten Pläne für den 11. Januar informiert wurde. Lafontaine behalte sich vor, zu entscheiden, wann er sich zu seiner politischen Zukunft äußern werde, hieß es im Büro des Parteichefs.

Möglicherweise steht Lafontaines Absage auch in Zusammenhang mit seinem angespannten Verhältnis zu Linke-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch. Der 51-Jährige hatte sich zuletzt gegen Lafontaines Doppelspitzenpläne für Fraktion und Partei gestellt. Kurz nach Lafontaines öffentlicher Erklärung, dass er Krebs habe, hatte Bartsch gesagt, der Rückzug des Parteichefs habe nichts mit dessen Erkrankung zu tun. Seitdem wird in der Linken offen darüber spekuliert, ob und wie eine weitere Zusammenarbeit zwischen Lafontaine und Bartsch denkbar ist. Bartsch hatte am Montag in einer Pressekonferenz gesagt, Lafontaine werde am 11. Januar erklären, ob er auf dem Bundesparteitag im Mai in Rostock erneut als Vorsitzender kandidiert.

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