Zwangsarbeiter-Entschädigung Schwarze Liste von säumigen Firmen?

Kommen Zahler in Verzug nun an den Pranger? Die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft zur Entschädigung ehemaliger NS-Zwangsarbeiter führt angeblich eine Liste von Firmen, die sich noch nicht an dem gemeinsamen Fonds beteiligt haben.


NS-Zwangsarbeiter in einer Munitionsfabrik in der Nähe von Dachau
AP

NS-Zwangsarbeiter in einer Munitionsfabrik in der Nähe von Dachau

Berlin - Wie das Fernsehmagazin "Kontraste" mitteilte, seien in der Liste 189 Unternehmen aufgeführt, darunter Haribo (Bonn), Ikea Deutschland (Hofheim/Wallau), Avis Auto-Vermietung (Oberursel), Fielmann (Hamburg) und LTU (Düsseldorf).

SPD-Fraktionschef Peter Struck hält die Veröffentlichung dieser "Schwarzen Liste" für dringend notwendig. Nur durch dieses Druckmittel könnten die fehlenden 1,7 Milliarden Mark von der Wirtschaftsseite aufgebracht werden. "Ich glaube, dass es nicht mehr hilft, wenn man Zeitungsanzeigen schaltet. Jetzt müssen Ross und Reiter genannt werden. Es versuchen sich Leute aus der Verantwortung zu schleichen. Und diesen Versuch darf man ihnen nicht durchgehen lassen", sagte Struck der Sendung "Kontraste", die am Donnerstag ausgestrahlt wird.

Der Sprecher der Mittelstandsvereinigung der CDU/CSU, Hans Michelbach, hält dagegen die Veröffentlichung von deutschen Unternehmen auf einer "Schwarzen Liste" für einen Erpressungsversuch. "Das ist eine Frechheit, das ist eine Denunziation, das ist eine Zwangsmaßnahme, die wir aufs Schärfte verurteilen", sagte er. Auch der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle lehnt die Veröffentlichung der Liste ab. Er verlangt den Rücktritt der Chefs der großen Wirtschaftsverbände, falls die fehlenden Milliarden nicht umgehend zusammenkommen. Wirtschaft und Politik haben sich verpflichtet, jeweils fünf Milliarden in den Fonds einzuzahlen.



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