Gedenken an NSU-Getötete Merkel legt Rose für Opfer rechten Terrors nieder

Einen Tag nach der Einweihung hat Kanzlerin Merkel in Zwickau eine Gedenkstätte für die NSU-Opfer besucht. Störern der Veranstaltung versprach Sachsens Regierungschef Kretschmer, man werde sie beobachten.

Robert Michael/DPA

Angela Merkel hat in Zwickau an die zehn Opfer der rechtsextremen Terrorzelle NSU erinnert. Gemeinsam mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) besuchte die Kanzlerin eine Gedenkstätte und legte Blumen nieder.

In einer kurzen Rede sagte die Kanzlerin, es sei Aufgabe des Staats, entschieden gegen solche Gewalttäter vorzugehen.

"Wir haben Blumen niedergelegt, und damit möchte ich ausdrücken, für die ganze Bundesregierung auch, dass wir alles tun werden, das habe ich den Angehörigen auch versprochen vor vielen Jahren schon, damit sich solche Dinge nicht wiederholen", sagte die Kanzlerin. Neben der Politik müssten aber auch die Bürger Stellung gegen Rechtsextremismus beziehen.

Angela Merkel mit einer Rose für die NSU-Toten in Zwickau
DPA

Angela Merkel mit einer Rose für die NSU-Toten in Zwickau

Deutliche Worte fand Sachsens Ministerpräsident Kretschmer: Er forderte ein entschiedeneres Eintreten aller gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus. Das fange im Privaten an.

Kretschmer ging auch direkt auf anwesende Störer der Gedenkveranstaltung ein und kündigte an, dass man genau verfolgen werde, auf welchen politischen Veranstaltungen diese künftig auftreten würden.

In Sicht- und Hörweite, aber etwa hundert Meter entfernt, hatten 20 Menschen gegen die Gedenkveranstaltung für die von den NSU-Terroristen Ermordeten protestiert. Sie schwenkten eine Deutschlandfahne und skandierten "Merkel muss weg". Als die Kanzlerin die Rose niederlegte, stimmten sie die Nationalhymne an. Dabei waren auch die rechten Gruppen "Bürger Offensive Deutschland" und "Pro Chemnitz", die in ein Megaphon brüllten.

Am Sonntag hatte die Stadt Zwickau den Gedenkort im Schwanenteichpark eingeweiht. Dort erinnern nun zehn neu gepflanzte Bäume und eine Gedenktafel an die zehn Todesopfer des NSU. "Wir zeigen, dass der NSU ein Teil der Zwickauer Geschichte ist", hatte Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) zur Einweihung gesagt.

Unbekannte sägten Gedenkbaum für Enver Simsek ab

Anfang Oktober war in Zwickau ein kurz zuvor gepflanzter Gedenkbaum für Enver Simsek, das erste Opfer der Rechtsterroristen, von Unbekannten abgesägt worden. Die Tat hatte bundesweit für Empörung gesorgt, aber auch eine Welle der Solidarität ausgelöst: Bei der Verwaltung der sächsischen Stadt gingen rund 14.000 Euro Spenden ein, es wurden Blumen niedergelegt und Mahnwachen abgehalten. Der Stumpf des abgesägten Baums blieb zunächst als Mahnung stehen. Die Kanzlerin legte an dieser Stelle Blumen nieder.

Der NSU hatte viele Jahre lang unerkannt von Zwickau aus im Untergrund agiert. Zu der Gruppe gehörten Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Nach einem über mehrere Jahre geführten NSU-Prozess wurde Zschäpe 2018 unter anderem wegen zehnfachen Mordes verurteilt. Vier weitere Angeklagte erhielten teilweise lange Freiheitsstrafen wegen Beihilfe zum Mord oder Unterstützung einer terroristischen Vereinigung.

Im September 2000 hatten Mundlos und Böhnhardt den türkischen Blumenhändler Simsek in Nürnberg erschossen. Der Mord an dem Familienvater war der Auftakt einer Attentatsserie, der bundesweit neun Bürger mit Migrationshintergrund sowie eine Polizistin zum Opfer fielen. Auch zwei Sprengstoffanschläge und diverse Raubüberfälle sollen auf das Konto der Rechtsextremisten gehen.

cht/asc/til/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 47 Beiträge
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mima84_84 04.11.2019
1.
Und morgen wird der Baum dann wieder abgesägt. Komisch, ich muss wohl die Protestnoten der AfD verpasst haben, als der erste Baum des Gedenkens für die NSU Opfer abgesägt wurde. Wahrscheinlich war man bei der AfD zu sehr damit beschäftigt, ein 17 Jähriges Mädhcen, die gerade zum Nürnberger Christkindl gewählt wurde, mit einem Shitstorm zu überziehen, nur weil die nicht so aussieht, wie man sich bei der AfD ein Christkindl vorstellt. Soviel zum Thema Rassismus in der AfD.
pennywise 04.11.2019
2. Es ist erschreckend
wie offen der braune Mob sein Fratze zeigt. Und JA, diese Störer sind für mich "brauner Mob", nichts anderes. Und JEDER der mit diesen Störern mitmarschiert und "das muss man ja sagen dürfen" sympathisiert, gehört zum braunen Mob dazu. Ohne Mitläufer hätte es kein drittes Reich gegeben. Aber der Michel folgt gerne einem Führer, um nachher zu jammern "Woher hätte ich DAS denn wissen sollen?" Aber warum zeigt der braune Mob seine Fratze so offen? Nicht nur, weil er sich einer zunehmenden Zustimmung der "breiten Masse" sicher ist. Er fühlt sich sicher, weil staatstragende Institution bisher erkennbar wegschaut haben. Ob sie nun "beobachtet" werden, das wird die also Störer kalt lassen. Würde mich nicht wundern wenn da informelle Mitarbeiter gröhlten.
cyborgpiratelaserninja 04.11.2019
3.
"In Sicht- und Hörweite, aber etwa hundert Meter entfernt, hatten 20 Menschen gegen die Gedenkveranstaltung für die von den NSU-Terroristen Ermordeten protestiert." Was gibt es da zu protestieren? Einfach ekelhaft. Diese Leute sind keine politischen Kritiker oder besorgten Bürger.
DougStamper 04.11.2019
4. Kretschmer
Gibt schön die Verantwortung ab. Auch wenn er Recht hat, so ist mMn als erstes der öffentliche Dienst von faschisten zu bereinigen. Wie kann zum Beispiel jemand mit der Einstellung eins Herrn Jens Maier Richter werden? Oder der Vollzugsbeamte der den Haftbefehl für den mutmaßlichen mörder von Chemnitz durchgestochen hat? Oder der hutbürger? Solche Menschen gehören nicht in den Staatsdienst!
w1w2w3 04.11.2019
5. nun sägen diese,
mit Verlaub, dumpfbacken auch schon teutsche bäume ab. Für ihre germanischen Vorbilder war der baum ein Heiligtum - achja sie sind keine bio Germanen- hihihi
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