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Briefe

DGB-FINANZEN
aus DER SPIEGEL 42/1956

DGB-FINANZEN

Der Artikel »DGB-Vorstand - Heißes Geld«, richtig ge-»timed«, war der Schlag ins Hornissennest.

Düren ADOLF SINGER

Ich weiß nicht, was ich mehr bewundern soll: Deinen Mut, hinter die DGB-Kulissen zu schauen, oder die Zuverlässigkeit Deiner Informationen.

Hamburg ALBERT ANDERSEN

So etwas dürfte wohl nur im DGB möglich sein: Mit einem Federstrich stellen zwei Männer eine Bürgschaft über drei Millionen Mark aus und haben es nicht nötig, irgendein Gremium um Erlaubnis zu fragen, keinen Aufsichtsrat, keine Hauptversammlung. Schöne, leichte Wirtschaft das!

Mannheim WILLY MEHLGARTEN

Aus einem IG-Kassierer Brünger wird eben kein Bankfachmann Brünger, auch wenn er mit Bundesvorstands-Öl gesalbt ist.

München HELLMUTH SPERRLI

Es ist unerfindlich, warum sich der SPIEGEL daran stößt, daß der DGB-Finanzdiktator Albin Karl sich einen Kühlschrank schenken ließ. Jeder löbliche Bourgeois hat doch solch wirtschaftswunderliches Möbel in seinem Heim: Es ist nicht nett, daß Sie dem Bürger Karl die Pracht nicht gönnen. Das ist doch ein Geschäftsprinzip: Je kühler der Schrank, desto heißer die Bank!

Ludwigstadt VINZENZ KÖHLER

In welchem Zusammenhang der von Ihnen erwähnte Beratungsvertrag des Wirtschaftsexperten Dr. Heinrich Deist mit Phoenix -Rheinrohr zu den Finanzgebarungsvorgängen im DGB stehen soll, ist, so glaube ich, jedem unvoreingenommenen Leser recht schleierhaft.

Köln JOSEF SCHIMITZ

Herr Dr. Heinrich Deist ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Er kann in dieser Eigenschaft Beratungsverträge abschließen, wie es ihm behagt. Oder verlangen Sie etwa, daß ausgerechnet ein Gewerkschafter und SPD-Abgeordneter als Lohndrücker für geistige Arbeit auftreten soll?

Köln-Buchforst HILDEGARD RIEDEL

Als DGB-Mitglied gefallen mir Ihre Ausführungen durchaus nicht. Warum sollen denn Leute, die aus den Reihen der Arbeiterschaft gekommen sind - und dies bisher auch nicht vergessen haben -, die durch ihre jahrzehntelange mühevolle Arbeit die Gewerkschaftsbewegung auf die heutige stolze Höhe gebracht haben, nicht hinreichend dotiert werden? Oder warum sollen Leute, die als Akademiker zu den Gewerkschaften gestoßen sind, nicht ähnliche Einkommen haben wie ihre Kollegen in den kapitalistischen Großunternehmen? Wahrscheinlich unterliegt der SPIEGEL jenen Einflüssen, die neid- und auch sorgenvoll das Vordringen des DGB in einflußreiche Stellen des Wirtschaftslebens verfolgen, da damit die Großverbände der Wirtschaft sich Gegnern gegenübersehen, die finanziell unabhängig sind und sich deswegen nicht durch einen »spendierten Schnaps«, wie es früher vielleicht bei Betriebsauseinandersetzungen in kleinem Rahmen üblich war, weichmachen lassen!

Lippstadt HELLMUT GROBER

1500 Mark Gehalt monatlich pro hauptamtliches Mitglied des DGB-Bundesvorstandes? Das ist allerdings kümmerlich. Die Leute müssen ja zu kungeln anfangen.

Mönchen-Gladbach GEORG MÖRSCHNER

In der Werbepsychologie ist der DGB doch recht fortschrittlich. Statt der alten Klassenkampf-Sprüche ("Akkord ist Mord«, - »Alle Räder stehen still ...") der Slogan »Sonnabend gehört Vati mir« - das ist schon amerikanischer Zuschnitt. Um so erstaunlicher, daß man die alte »Arbeitergroschen«-Sentimentalität bei der Entlohnung der Spitzenfunktionäre nicht überwindet. Ein Mann wie der erste Vorsitzende der IG Metall, Brenner, dessen Verhandlungsführung über den Tarif von rund 2,4 Millionen Metallarbeitern entscheidet und dessen Verhandlungspartner dabei die selbstbewußten Manager der Schwerindustrie mit 120 000 DM Jahresgehalt plus Spesen und Tantiemen sind, dürfte doch schlechterdings nicht weniger als 5000 DM im Monat verdienen, wenn er mit dem Gefühl wirklicher Gleichwertigkeit am Verhandlungstisch sitzen soll.

Duisburg ERICH GÄRTNER

Die Zeit

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