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BIBLIS Dicker Hund

aus DER SPIEGEL 44/2000

Der am Hauptkühlsystem des hessischen Atomkraftwerks Biblis A entdeckte Riss sorgt für Nervosität bei den beteiligten Sicherheitsexperten. Als »dramatisch« bezeichnet ein Fachmann aus dem Kreis der Reaktorsicherheitskommission (RSK) die Erkenntnis, dass keines der modernen Prüfverfahren (etwa mit Ultraschall oder Röntgenstrahlen) Risse in Schweißnähten zuverlässig aufzuspüren vermag. In Biblis hatten Techniker des TÜV Nord den Schaden erst entdeckt, nachdem sie als Gegenprobe zu einer Ultraschallprüfung einen eher altertümlichen Farbeindringtest an der betroffenen Schweißnaht durchführten. Dieser machte den Riss dann für das bloße Auge sichtbar. Als Konsequenz, hieß es Ende vergangener Woche, müssten dringend in allen deutschen Kernkraftwerken Schweißnähte mit zweifelhaften Befunden überprüft werden.

Der Biblis-Riss - an einer im Fall eines Lecks nicht absperrbaren Leitung - wird von den direkt Beteiligten als »wirklich dicker Hund« bezeichnet. Möglicherweise habe ein mit Chlorverbindungen verunreinigtes Kontaktmittel bei früheren Revisionsarbeiten den Riss entstehen lassen. Am Dienstag dieser Woche befasst sich die RSK auf einer Sondersitzung mit der Biblis-Panne.

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