Zur Ausgabe
Artikel 60 / 165
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Am Rande Die Atom-Seuche

aus DER SPIEGEL 12/2001

Die drei großen »R« der Sicherheitspolitik bekommt jeder Minister schon am Tage seines Amtsantritts vom Bundeskanzler auf den Weg: Alles im Lande sollte so sicher erscheinen wie Rindfleisch, Renten, Reaktoren.

Bei den Reaktoren jedenfalls werden im Kanzleramt nun Einschränkungen gemacht. Grüne, wer sonst, haben Risiken der Atomkraft entdeckt, die von der Sicherheitsphilosophie bislang ausgespart wurden. Auch die RSK (Reaktorsicherheitskommission) beschäftigt sich dem Vernehmen nach schon mit der MKS (Maul- und Klauenseuche). Die Wiederaufarbeitungsanlage für den deutschen Reaktormüll liegt in Frankreich zwar nicht auf einer Erdbebenspalte und auch nicht im Tieffluggebiet für Concorde-Testflüge, aber in der Nähe eines Hofes, auf dem die Maul- und Klauenseuche wütet. Und die Route für den Ende März geplanten Castor-Transport nach Gorleben führt nahe am französischen Seuchengebiet vorbei. Natürlich haben die Fundis da nicht dran gedreht, aber die Frage erhebt sich dennoch, ob es wirklich noch Hakenkrallen an den Oberleitungen der Castor-Trasse braucht, wenn es doch die kleinen bösen Viren gibt.

Was Wunder, dass die mutige Düsseldorfer Grüne Bärbel Höhn höflich fragte, ob man nicht die Strahlekisten vorerst stoppen könne. Tatsächlich besteht ja die Gefahr, dass die Castoren oder ihr polizeiliches Begleitkommando die Erreger nach Gorleben einschleppen. Was passiert, wenn die Seuche in den Salzstock von Gorleben gelangt, hat die Wissenschaft noch nicht geklärt. Das Mülldepot, hören wir, ist für zehn Milliarden Jahre sicher, mindestens aber noch die nächste Legislaturperiode. Doch wissen das auch die Viren?

Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 60 / 165
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel