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PLASTISCHER FILM Die Flachen und 3 D

aus DER SPIEGEL 9/1953

Zum erstenmal seit Monaten sind Filmaktien an der New Yorker Börse wieder gefragt. Während im ersten Preiseinbruch seit Beginn des »Eisenhower-Booms« Öl- und Eisenbahnaktien heruntergehen, klettern die Papiere von 20th Century Fox, Metro Goldwyn Mayer, Warner Brothers, Columbia und Paramount von Tag zu Tag. Die New Yorker Wallstreet, der Seismograph der amerikanischen Wirtschaft, registriert exakt eine Erschütterung. die über 4000 Kilometer weiter westlich den Anbruch einer neuen Ära Hollywoods einleitet: die amerikanische Filmindustrie stellt ihre Produktion auf den dreidimensionalen Film um.

Wie von einem Alptraum befreit, arbeiten die Manager der großen Studios an den neuen Plänen. Endlich scheint die Wunderformel gegen die erdrückende Fernseh-Konkurrenz gefunden: Verglichen mit den großflächigen, tiefenwirksamen Illusionen der plastischen, dreidimensionalen Filme, geben die engen 55-cm-Bildschirme der Fernsehgeräte den kläglichen Eindruck optischer Unterernährung. In Hollywood ist man sicher, daß die Fernseher, magnetisiert von den packenden Effekten der 3-D-Filme, wieder massenhaft in die Kinos laufen werden.

»Seit der Einführung des Tonfilms im Jahre 1927 hat unsere Industrie keine solche Revolution mehr erlebt«, verhieß Darryl Zanuck, Produktions-Zar der 20th Century Fox, als er das neue 3 D (dreidimensionale) Produktionsprogramm der Fox bekanntgab.

Mit einem Aufwand von 25 Millionen Dollar will die Gesellschaft nach dem französischen »Anamorphoscope«-System (das von der Fox auf den leichter aussprechbaren Namen »Cinemascope« umgetauft worden ist) zwischen dem 16. Februar und dem 6. Juli eine Staffel von elf farbigen Spielfilmen drehen. Bis zum Ende des Jahres sollen insgesamt 5000 amerikanische Kinos auf das »Cinemascope«-Verfahren umgestellt werden, denn ab Oktober will die Fox überhaupt keine zweidimensionalen Filme mehr drehen.

Mit diesem großzügigen strategischen Plan hat die Fox endgültig die Führung in dem 3-D-Rennen übernommen, das am 30. September vergangenen Jahres mit einer »Cinerama«-Vorführung auf dem New Yorker Broadway begann. »Cinerama« ist eigentlich kein plastisches Verfahren, eher eine Zwischenlösung, die einen plastischen Eindruck hervorruft:

Drei Kameras nehmen das Bild aus verschiedenen Blickwinkeln auf. Aus den gleichen Blickwinkeln werfen im Kinosaal drei Projektoren die drei Filme nebeneinander auf eine leicht konkav gewölbte Leinwand, die dreimal so breit und zweimal so hoch wie eine normale Kinoleinwand ist. Da der Zuschauer auch aus

den Augenwinkeln das Geschehen auf den vorgewölbten Seitenflügeln der Leinwand wahrnimmt, also das »peripherische Sehfeld« einbezogen wird, entsteht ein dreidimensionaler, plastischer Eindruck (SPIEGEL 18/1951).

Aber obwohl nach dem Sensationserfolg der New Yorker »Cinerama«-Premiere die Aktien der »Cinerama«-Gesellschaft eine Zeitlang von 50 Cents auf 8 und 8,50 Dollar anstiegen, obwohl ein einziges »Cinerama«-Theater in nur vier Monaten eine Million Dollar einnahm, wird das »Cinerama«-Verfahren in der Umstellung auf 3 D keine wesentliche Rolle spielen: Die Kosten sind zu hoch. Der Einbau eines »Cinerama«-Schirmes und der drei Projektoren ist nicht unter 75 000 Dollar pro Theater zu bewerkstelligen. Schwerer noch zählen die erhöhten Ausgaben für das Personal, da mindestens drei Techniker zur Bedienung des Tonsystems und sechs Vorführer für die Projektoren beschäftigt werden müssen.

Das jetzt von der Fox verwendete 3-D-Verfahren »Cinemascope« geht im Prinzip auf die Arbeiten des Deutschen Paul Rudolph von den alten Jenaer Zeißwerken zurück. Rudolph hatte im Jahre 1898 in England ein Patent auf ein photographisches Aufnahmeverfahren nach dem Prinzip der »Anamorphosis"*) angemeldet.

Als man dem Präsidenten der Fox, Spyros Skouras, die optischen Vorgänge des Prozesses erklären wollte, den er gerade für Millionen von Dollar zu erwerben beabsichtigte, protestierte er unwillig: »Das ist mir alles zu griechisch.«

Das »Cinemascope«-Verfahren erfordert einen doppelten Prozeß in Aufnahme und Projektion. Für die »Cinemascope«-Aufnahmen wird ein Spezial-Weitwinkelobjektiv auf die Kamera gesetzt, das die Zusammendrängung von weitwinkeligen Szenen auf 35-mm-Film ermöglicht. Die Kamera nimmt also gewissermaßen ein »verzerrtes« Bild auf und »preßt« es auf den Filmstreifen. Die Vorführapparate im Kino sind mit einer Ausgleichslinse ausgerüstet, die die photographische Verzerrung korrigiert und das Bild in seiner ursprünglichen Form auf eine überdimensionale Leinwand wirft.

Waldemar Kaempffert, Amerikas populärster Wissenschaftsreporter, gibt folgende Erklärung: »Jeder, der jemals sein unheimlich entstelltes Bild im Spiegel eines Lachkabinetts gesehen hat, kennt den Vorgang. Eine photographische Linse, die entsprechend geformt ist, kann das gleiche ausrichten wie ein Spiegel. Sie wird einen kurzen, fetten Mann vertikal strecken und ihn horizontal zusammendrücken, so daß er lang und dünn wie eine Bohnenstange aussieht. Eine andere Linse wird diese Verzerrung wieder korrigieren.

»Obwohl ''Cinerama'' und ''Cinemascope'' die Illusion schaffen, daß die Schauspieler und Schauspielerinnen aus sehr festem Fleisch gemacht seien, ist keines der beiden Systeme stereoskopisch. Wenn wirkliche Häuser, Bäume, Landschaften Länge, Breite und Tiefe zu besitzen scheinen, so deshalb, weil unsere Augen so getrennt sind, daß sie von verschiedenen Blickwinkeln aus sehen. Die beiden verschiedenen Bilder werden dann im Gehirn zu einem Bild kombiniert.«

Schon 1930 zeigte ein englischer Arzt namens Sidney Newcomer, der sich im Nebenberuf mit optischen Problemen beschäftigte, am New Yorker Broadway »anamorphoscopische« Filme. Es blieb ein Kuriositätserfolg. Der 74jährige Professor Henri Chrétien vom »Institut d''Optique« in Paris entwickelte das Verfahren aber unverdrossen weiter, bis es unlängst von E. I. Sponable, dem technischen

*) Wörtlich übersetzt: »ähnliche Nachformung«. Direktor der Fox, aufgespürt wurde. Sponable hatte gerade vorher in Zürich an der Eidgenössischen Technischen Hochschule für die Fox das »Eidophor«-Verfahren erworben, mit dem Fernseh-Ereignisse ohne Verlust an Bildschärfe auf eine Kinoleinwand übertragen werden können.

Direktor Sponable durfte Professor Chrétiens Vorsatzlinsen für Kamera und Projektionsapparat sowie die halbrunde metallische Spezial-»Leinewand« mit nach Hollywood nehmen, nachdem er sich vertraglich verpflichtet hatte, an dem französischen Gerät keine Veränderungen vorzunehmen. Die Fox befolgte diese Vorschrift so genau, daß sie nicht einmal wagte, die vom Transport schmutzig gewordenen Linsen selbst zu säubern und, wie »Daily Variety« berichtete, ihren ersten dreidimensionalen Versuchsfilm mit »schmutzigem Objektiv« drehte.

Trotz der schmutzigen Linsen scheinen diese Versuchsaufnahmen gut genug geworden zu sein, um nicht nur die Fox, sondern auch ihren Hauptkonkurrenten, die Metro Goldwyn Mayer, von der Qualität dieses 3-D-Systems zu überzeugen. Nick Schenk, Hauptaktionär und Verwaltungsratsvorsitzender der MGM, die selbst mit weniger Erfolg schon vor Jahren dreidimensionale Filme entwickelte und gezeigt hat, erklärte sich bereit, der Fox für jeden nach dem »Cinemascope«-System gedrehten Film 25 000 Dollar Lizenzgebühr und 5 Prozent Gewinnanteil zu zahlen.

Obwohl schon mehrfach Einladungen verschickt worden sind, ist aber das »Cinemascope«-Verfahren bisher weder der Presse noch dem Publikum gezeigt worden. Angeblich konnte es nicht vorgeführt werden, weil die »Cinemascope«-Linsen zum Reinigen nach Paris geschickt worden sind. Auch der Drehbeginn des ersten dreidimensionalen Fox-Films »The Robe«, eines farbigen biblischen Mammut-Spektakels (Produktionskosten: 5 Millionen Dollar) mit Victor Mature und Jean Simmons, nach dem berühmten Bestseller des Romanciers Lloyd Douglas, ist aus dem gleichen Grund erst einmal um zwei Wochen verschoben worden.

Seit die langen Schlangen vor dem New Yorker »Cinerama«-Theater demonstrierten, daß selbst ein fernsehgewohntes Publikum bereit ist, Geld auszugeben, sobald man ihm etwas Neues, Besonderes bietet, haben sich andere, kleinere Gesellschaften mit verschiedenen plastischen Filmverfahren an das große 3-D-Geschäft angehängt. Da gibt es:

* »Natural Vision": ein nach dem bekannten Stereoskop entwickeltes System. Die Zuschauer müssen, um die zwei Bilder auf der Projektionsfläche als ein Bild zu sehen, eine Brille mit Polarisationsgläsern aufsetzen. Obwohl die Augen der Kinobesucher nach einem »Natural-Vision«-Film schmerzen und tränen, hat der »für ein Butterbrot« nach diesem Verfahren gedrehte 3-D-Spielfilm »Bwana Devil« dem unabhängigen Produzenten Arch Oboler bereits jetzt weit über eine Million Dollar eingespielt.

* »Tri-Opticon« (auch »Stero-Cinema« genannt): ein englisches Verfahren von Raymond Spottiswoode. Es wurde 1951 auf dem »Festival of Britain« mit großem Erfolg gezeigt und benötigte ebenfalls Polarisationsbrillen. In verschiedenen amerikanischen Filmtheatern wird schon eine Art Varietéprogramm nach diesem System gezeigt.

* »Triorama": ein stereoskopisches 16-Millimeter-Schmalfilmverfahren, das von der Schweizer Firma Paillard entwickelt wurde. Im New Yorker Ritz-Theater

wird zur Zeit ein Programm von »Triorama«-Kulturfilmen vorgeführt.

In Hollywood aber behandeln alle großen Firmen, die neben der Fox ein 3-D-Produktionsprogramm planen, ihre plastischen Verfahren als »Produktionsgeheimnis«. Presseleute und Besucher dürfen das Aufnahmegelände nicht betreten. Soviel ist jedoch schon durchgesickert:

* Warner Brothers waren am schnellsten. Sie warteten die endgültige Entwicklung ihres »brillenlosen« 3-D-Systems nicht ab, sondern begannen - nachdem die Kassenrapporte von »Bwana Devil« bekannt geworden waren - als erste große Gesellschaft nach dem »Natural-Vision«-System eine Neufassung des erprobten Schauerfilms »Das Haus der Wachsfiguren« zu drehen. Der Film soll so nervenaufpeitschend sein, daß weibliche Statisten nur engagiert werden, wenn sie durch frühere Tätigkeit als Krankenschwestern seelisch abgehärtet sind.

* Columbia dreht ebenfalls in »Natural Vision« den Film »Fort Ticonderoga« und hat bereits 5 Millionen Polarisationsbrillen bestellt.

* Universal zwingt alle Techniker und Schauspieler, die an dem nach einem eigenen Stereoskop-Verfahren gedrehten Film »Besucher aus dem Weltall« beschäftigt sind, eine »Loyalitätserklärung« zu unterzeichnen. In ihr verpflichtet sich der Unterzeichner, »keiner Person unter keinen Umständen« etwas über den Herstellungsprozeß zu erzählen.

* Paramount kurbelt den B-Film »Sangaree"*) nach einem eigenen 3-D-Verfahren, das dem »Cinemascope« ähnelt und auf den Namen »Paravision« getauft worden ist. Die Paramount bereitet außerdem einen dreidimensionalen Kolossalfilm vor: »Die zehn Gebote« unter Regie von Spektakel-Spezialist Cecil B. DeMille ("Die größte Schau der Welt").

* Metro Goldwyn Mayer dreht ebenfalls nach einem eigenen 3-D-Verfahren einen Wildwestfilm ("Arena"). Dazu - nach dem »Cinemascope«-Verfahren der Fox - ein Lustspiel über eine im

*) Ein B-Film, der in den vierstündigen amerikanischen Kinoprogrammen meist zusammen mit einem teuren A-Film gezeigt wird, darf nicht mehr als 300 000 bis 400 000 Dollar kosten. Wohnwagen durch Amerika vagabundierende Familie.

* Die »Cinerama Productions«, unter Leitung des mit Krach aus der MGM geschiedenen Veteranen Louis B. Mayer, arbeitet an der Verfilmung eines erfolgreichen Operettenfilmes ("Paint your waggon") aus der Frühzeit Kaliforniens.

Die amerikanischen Kinobesitzer sind inzwischen durch die verschiedenen Verfahren, die verschiedenen Ankündigungen und Produktionsprogramme in völlige Verwirrung geraten. Ein halbes Dutzend verschiedener 3-D-Systeme werden ihnen angepriesen. Bis auf »Natural Vision« und »Tri-Opticon« erfordern sie alle den Einbau neuer Vorführapparate und verschieden dimensionierter Projektionsflächen, die mindestens doppelt so groß und so breit sein müssen wie die alten Leinwände.

Die Theaterbesitzer fürchten sich mit Recht davor, Umbauten vorzunehmen und Einrichtungen anzuschaffen, solange noch nicht feststeht, welches System sich als »Standard«-Verfahren durchsetzen wird. Um in dieses Nebeneinander und Durcheinander der verschiedenen technischen Neuerungen endlich Ordnung zu bringen, hat Eric Johnston, der Chef der »Motion Picture Association«, des amerikanischen Unternehmerverbandes, alle Hollywood-Produzenten zu »Friedensverhandlungen« eingeladen. Verhandlungsziel: ein Abkommen, in dem sich die Produzenten verpflichten, nur solche Verfahren zu benutzen, die mit dem gleichen geeichten Vorführgerät gezeigt werden können. Innerhalb der nächsten 30 Tage hofft Johnston verbindliche Standard-Maße durchsetzen zu können.

Favorit für das Standard-Verfahren ist »Cinemascope«, denn an dem bisherigen Eine - Kamera - und -ein - Projektor-System sind für die Umstellung auf »Cinemascope« nur geringe Änderungen nötig. Die Zuschauer brauchen keine lästigen Polarisationsbrillen zu tragen und können das Bild auf der gewölbten Projektionsfläche von jedem Sitz des Theaters ohne Verzerrungen sehen.

Erst nach Abschluß dieser technischen Standardisierung und »Konsolidierung« kann Hollywood daran denken, auch Kinos im Ausland für die Vorführung der neuen Produktionen auszustatten. Das Exportgeschäft soll auf keinen Fall durch die Umstellung gefährdet werden.*)

Ein weiteres haariges Problem, das Johnston mit den Produzenten klären muß, ist die Zukunft der Reserven an normalen Tonfilmen, die jetzt in Hollywood schon nur noch »the flats« ("die Flachen") genannt werden. Sollen diese Filme, deren Gesamtwert auf 350 Millionen Dollar geschätzt wird, nun mit einem Schlag durch die Umstellung der Kinos auf 3 D »entwertet« werden? Soll man sie insgesamt an die Fernsehstationen verkaufen?

Warner Brothers, Paramount und der unabhängige Produzent Sol Lesser haben jedenfalls schon den Besitz von Patenten angekündigt, mit deren Hilfe man bei der Vorführung eines zweidimensional gedrehten Films dem Kinobesucher die Illusion der Dreidimensionalität vermitteln könne.

Kenner der dreidimensionalen Aufnahmetechnik sind sich allerdings sicher, daß

*) Der Anteil des Auslandsmarktes am Hollywooder Filmgeschäft ist trotz ausländischer Einfuhrbeschränkungen im letzten Jahr von 25 Prozent der Profite auf 55 bis 65 Prozent gestiegen. Die Gewinne im eigenen Land sind durch die Ausbreitung des Fernsehens (21 Millionen Apparate in Betrieb) zurückgegangen. Die im Ausland eingespielten Gelder haben Hollywood vor dem völligen finanziellen Kollaps gerettet. zur Herstellung von 3-D-Filmen die bisherigen Produktionsmethoden umgekrempelt werden müssen. »Ich muß vollkommen umlernen«, bekannte in der vergangenen Woche Erfolgsregisseur Henry Koster (einst in Berlin Harry Kosterlitz), der »The Robe« drehen soll. Koster: »Das ''Cinemascope''-Verfahren erlaubt keine Groß- oder Nahaufnahmen. Die wirken in dreidimensionaler Wiedergabe nur verwirrend und ermüdend. In meinem neuen Film verfolgen zum Beispiel römische Soldaten einen Ur-Christen. Ich habe vorläufig keine Ahnung, wie diese ''Jagd'' dreidimensional gedreht werden muß.«

Schon jetzt werden für »The Robe« neue dreidimensionale Hintergrund-Landschaften gebaut, da der zweidimensionale Ausblick vom Berge Gethsemane, den man in Vorbereitung eines normalen »Flachfilmes« auf eine Leinwand gepinselt hatte, nicht mehr genügt. Die Filmarchitekten werden wieder zu Pionieren. Sie werden echter und massiver bauen müssen als bisher.

Regisseur Billy Wilder ("Reporter des Satans"), dessen Film »A new kind of love« gerade jetzt ins Studio gehen sollte, weigerte sich, ohne genaues Studium der neuen künstlerischen Probleme des 3-D-Films in dieses »Abenteuer« zu steigen. Die bereits angesetzten Aufnahmen wurden verschoben. Star Yule Briner bekommt die vertraglich vereinbarte Gage von 100 000 Dollar ausgezahlt, obwohl er nun auf sechs Wochen nach Hawaii zum Fischen gefahren ist.

André de Toth dagegen hat mit dem Mut zu temperamentvoller Oberflächlichkeit, der Hollywoods Ungarn charakterisiert, nicht nur die Regie von Warners dreidimensionalem Grusel-Opus »House of Wax« begonnen, sondern außerdem einen Verlagsvertrag für ein »Lehrbuch des dreidimensionalen Films« unterschrieben.

Regisseur de Toth glaubt, daß die neue Aufnahmetechnik durch gewaltige Zeiteinsparungen schließlich weniger kostspielig sein wird als die alte: man kann keine einzelnen »Einstellungen« mehr drehen, und damit fallen das immer neue Ausleuchten, das Umstellen der Kamera und die langwierigen Fahraufnahmen weg. Ein dreidimensionaler Film könne wie ein Theaterstück hintereinander heruntergekurbelt werden. Allerdings müßten dafür

die Filmstars in Zukunft ihre Rollen so gut lernen wie ein Theaterschauspieler.

Während das Gros der Regisseure noch unsicher in der Dämmerung der neuen Ära steht, sind sich die Produzenten eines kräftigen Kassengeschäftes sicher. In Anlehnung an General Eisenhowers D-Day, den Tag der Invasion, witzelt man in den Studios: »Dieses Jahr ist 1953 - D«.

Aber schon bereitet die rivalisierende Fernseh-Industrie einen Gegenschlag vor: eine Zweigstelle der großen Fernsehgesellschaft CBS arbeitet am dreidimensionalen Fernsehen.

»Dann werden wir eben auf vier Dimensionen umschalten«, bellte Filmproduzent Goldwyn, als er von dem Vorhaben der Fernsehkonkurrenz erfuhr. Auf die Frage, was er sich darunter vorstelle, erklärte er großzügig, daß ihn »solche technischen Einzelheiten« nicht interessierten.

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