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Die Hafenstraße

aus DER SPIEGEL 1/1996

in Hamburg soll endlich befriedet werden. Der Senat der Hansestadt hat entschieden, die zwölf Häuser am Hafenrand für 2,04 Millionen Mark an die neu gegründete Genossenschaft »Alternativen am Elbufer« zu verkaufen. Zu den Genossen gehören neben Geschäftsleuten, Politikern, Pastoren und Juristen auch Bewohner der Hafenstraße. Der Vertrag soll noch vom Hamburger Parlament ratifiziert werden, nur die CDU-Opposition will dagegen stimmen. Um die Immobilien in bester Lage lieferten sich Polizei und Bewohner seit der Besetzung 1981 immer wieder blutige Straßenschlachten. Die Bilder brennender Barrikaden und vermummter Gewalttäter bescherten der Republik das Schimpfwort »Hamburger Verhältnisse« und kosteten 1988 den SPD-Bürgermeister Klaus von Dohnanyi das Amt. Sein Nachfolger, der Sozialdemokrat Henning Voscherau, verzichtete unter dem Druck der mitregierenden Statt Partei auf die Räumung, obwohl sie juristisch möglich gewesen wäre, und ließ auch gegen Widerstand in der eigenen Partei den jetzt erzielten Kompromiß aushandeln. Der Sozialarbeiter Bernd Coch, 34, zugleich Bewohner der Hafenstraße, und der Amtsrichter Joachim Katz, 47, gehören zum fünfköpfigen Vorstand der Genossenschaft.

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