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SCHREIBER-AFFÄRE Die Kanadier kommen

aus DER SPIEGEL 12/2001

In wenigen Wochen werden Beamte der Royal Canadian Mounted Police (RCMP) zu Vernehmungen nach Bayern reisen. Die Kanadier haben brisante Fragen unter anderem an zwei Ex-Manager des früheren Rüstungskonzerns Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB), Kurt Pfleiderer und Hanns Arnt Vogels. Die RCMP geht seit langem dem Verdacht nach, dass bei dem Verkauf von MBB-Hubschraubern an die kanadische Küstenwache zwischen 1986 und 1993 Schmiergelder an Entscheidungsträger in Ottawa geflossen seien. Der deutsch-kanadische Rüstungslobbyist Karlheinz Schreiber hatte erklärt, Provisionen für den Deal in Höhe von 1,2 Millionen kanadischen Dollar seien an einen engen Vertrauten des früheren Premiers Brian Mulroney weitergeleitet worden. Der frühere Präsident von MBB-Kanada, Helge Wittholz, sagte in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE, hochrangige MBB-Manager hätten ihm damals berichtet, dass die CSU Gelder zur Unterstützung Mulroneys nach Kanada geschleust habe, die später nach Bayern zurückfließen sollten. Gegen MBB-Kanada (heute Eurocopter) läuft auf Grund der Provisionszahlung ein Verfahren wegen »Betrugs am Steuerzahler und Vertragsverletzung«. Der Vertrag zwischen den Kanadiern und MBB untersagte Provisionszahlungen für den Hubschrauberverkauf. Pfleiderer erklärte vor kurzem im kanadischen TV-Sender CBC, die RCMP-Beamten seien willkommen. »Wir werden ihnen alles sagen, wir haben kein Problem, darüber zu reden.«

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