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Die Leute von Friendsville

aus DER SPIEGEL 2/1995

Spencer Schlosnagle, 30, Bürgermeister der 577-Seelen-Gemeinde Friendsville (US-Staat Maryland), brachte jetzt die ehrbare Washington Post ins Grübeln.

Ein Redakteur hatte entdeckt, daß der Gemeindevorsteher nicht nur der mit 21 Jahren einst jüngste Bürgermeister von Maryland war. Auch neun Jahre später, so der verblüffte Journalist, sitzt der Politiker noch unangefochten in seinem Amt, »trotz seiner wiederholten - um nicht zu sagen routinemäßigen - Festnahmen wegen anstößiger Zurschaustellung«. Das Kommunaloberhaupt masturbierte des öfteren in aller Öffentlichkeit, was seine Wiederwahl im vergangenen Jahr zu seiner nun fünften Amtsperiode nicht verhinderte.

Bemühungen des Washington Post-Rechercheurs, den Grund der überraschenden Nachsicht für den öffentlich Hand an sich legenden Schlosnagle zu erhellen, blieben unbefriedigend. Allenfalls ein »Wir haben eben alle so unsere Probleme« war den freundlichen Leuten von Friendsville zu entlocken.

Die Washington Post bemühte statt dessen als Erklärung für die überraschende Toleranz der Bewohner die Symbolik. Der Name des Flüßchen, das Friendsville durcheilt, sei indianischen Ursprungs. Youghiogheny, ausgesprochen Yokageni, bedeute: »das Wasser, das bergauf fließt«.

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