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Briefe

Die Stimme der Jugend
aus DER SPIEGEL 6/1947

Die Stimme der Jugend

Ich spreche für die Jugend. Ich bin mit 18 Jahren in den Krieg gezogen und habe mit dem MG geschossen wie jeder amerikanische Soldat auch. Ich hatte den Krieg vom ersten Tag an satt. Ich haßte den Zwang, aber ich sah keinen Ausweg.

Wenn nun Herr Reiner am »Spiegel« bemängelt, daß kaum ein Wort von Schuldbewußtsein und Reue darin stehe, so scheint er mir erst einmal den Charakter eines »News Magazins« gründlich zu verkennen, das wohl demokratisch, aber nicht moralisch angelegt sein soll. Zweitens aber verkennt Herr Reiner die Situation der deutschen Jugend. Wir Jungen sind uns klar darüber, daß wir die Suppe mit auslöffeln müssen, die die Aelteren sich und uns eingebrockt haben. Aber wir halten die demokratischen Erziehungsversuche der Alliierten für fruchtlos, solange die Taten der Alliierten so eindeutig sind.

Wenn ihr Amerikaner uns bestrafen wollt, so tut es, ihr habt die Macht dazu. Aber denkt daran, daß nicht nur wir schuld daran sind, wenn ihr fürchtet, mit einem »Wiedererwachen« rechnen zu müssen.

Emden

HERMANN FREDRICHSEN

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