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SHOWS »Die Stunde des TV-Movies schlägt wieder«

Ex-RTL-Chef und Medienberater Helmut Thoma, 62, über den Niedergang des Reality-TV
aus DER SPIEGEL 29/2001

SPIEGEL: Herr Thoma, RTL II hat das Ende von »Big Diet« verkündet. Was ist los?

Thoma: »Big Brother« war seit Jahrzehnten eine der wenigen großen Neuigkeiten im Fernsehen. Solche TV-Ereignisse muss man einzeln stehen lassen. Der Glaube, man könne ganze Sender mit billiger Reality füllen, hat zum Niedergang dieses Genres geführt.

SPIEGEL: Haben sich Reality-Shows damit als Genre für immer erledigt?

Thoma: Nein. Es gibt Wege, dieses Format wieder spannend zu machen. Die neuen Reality-Shows in den USA zum Beispiel gehen in Richtung Spielshows. Da müssen die Kandidaten ungeheure Sachen machen, vor denen sie eigentlich Angst haben, etwa Fallschirmspringen.

SPIEGEL: Wie wichtig sind die Moderatoren bei solchen Shows?

Thoma: »Big Diet« ist ein schönes Beispiel dafür, wie wichtig sie sind. Die Idee, mit Margarethe Schreinemakers eine Moderatorin aus dem alten Bereich zu holen, hat dem Start der Sendung sicherlich nicht gut getan. Jenny Elvers konnte daran auch nichts mehr ändern. Wenn einmal der Wurm drin ist, ist es ganz, ganz schwer, so eine Sendung wieder hochzukriegen.

SPIEGEL: Wird das Quiz resistenter sein?

Thoma: Quiz wird genauso wieder zurückgehen. Das ist wie in der Mode. Die Röcke sind auch mal kürzer, dann wieder länger. Aber genauso wie für Röcke gibt es auch für Ratesendungen eine Grenze. Irgendwann ist alles gefragt und alles gesagt. Das Spannungselement besteht ja nur aus der Frage: Weiß er es oder nicht, und natürlich weiß ich es im Fernsehsessel zu Hause und kann dann sagen »Ich bin der Größte« oder auch nicht.

SPIEGEL: Sie halten es also für sinnvoll, dass Günther Jauch so eine lange Pause macht?

Thoma: Ja. Alles, was man zu oft bekommt, wird mit der Zeit langweilig. Deshalb muss man so etwas sehr selektiv einsetzen.

SPIEGEL: Sehen Sie die Gefahr, dass die TV-Movies durch die Shows verdrängt werden?

Thoma: Momentan ist das so, weil sich alle auf diese kostengünstigen und quotenstarken Formate stürzen. Aber der Weg führt auf jeden Fall zurück. TV-Movies, Serien, Mehrteiler sind die variationsfähigsten Programme, sie sind die Basis des Fernsehens. Wenn die Sonderformate zurückgehen, dann schlägt die Stunde des TV-Movies wieder.

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