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Briefe

Die Täter tragen weiße Kittel
aus DER SPIEGEL 19/2007

Die Täter tragen weiße Kittel

Nr. 18/2007, Titel: Doping - Dickes Blut - Die Bekenntnisse eines Insiders aus dem Team Telekom

Immer nur werden die Sportler an den Pranger gestellt, nie aber die Veranstalter von Radrennen selbst. Der Fußballprofi klagt schon, wenn er drei Spiele in der Woche hat, ein Leichtathlet würde niemals jeden zweiten Tag einen 10 000-Meter-Lauf absolvieren, ein Triathlet genehmigt sich nach einem Ironman eine längere Pause - und was verlangt man von den Radprofis? Bei der Tour de France sollen sie drei Wochen lang jeden Tag eine Extremleistung zeigen. 200 Kilometer inklusive dreier Pässe, und am nächsten Tag geht es weiter. So was geht ohne Doping nicht. Der Mensch ist keine Maschine. Wo bleibt die Fahrergewerkschaft, die gegen diesen Wahnsinn im Radsport aufbegehrt?

NUßDORF (BAYERN) HERMANN FUCHS

Diese, den Organismus manipulierenden Mittel, haben längst den Breitensport erobert. In vielen Fitness-Studios findet man entsprechende Präparate, die einem etwa einen schnelleren Muskelaufbau versprechen. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender sollten, bis der Sumpf trockengelegt ist, keine Radsport-Veranstaltungen mehr übertragen. Ein schmutziger Sport darf nicht auch noch von den Gebührenzahlern unterstützt werden.

DRESDEN ANDREAS MEIßNER

Warum gibt man in einer verseuchten Sportart das Doping nicht frei? Keiner dieser »Spritzensportler« wird jemals wieder einen Sponsor finden. Sportler, die sich wissentlich gesundheitlich schädigen oder geschädigt haben, müssen zusätzlich aus allen Versicherungen (Krankenkasse, Lebensversicherung et cetera) ausgeschlossen werden.

BETTINGEN (BAD.-WÜRTT.) MARTIN HETTINGER

Tour de souffrance, Tour der Leiden, nennen Franzosen die jährliche Radrundfahrt durch ihr Land. Fast 200 Radfahrer, zumeist aus Gegenden, »in denen die Sonntage langweilig sind«, nehmen teil und sind bereit, sich drei Wochen lang täglich bis zur totalen Erschöpfung zu quälen. Diesen Leuten auch noch verbotene Substanzen zu verkaufen, die die Grenzen der Leistungsfähigkeit kurzfristig ausweiten, ist nicht schwer. Schädliche Nebenwirkungen, wenn überhaupt bekannt, werden ignoriert. In diesem System erkennt man an den farbigen Trikots die Opfer. Die Täter tragen weiße Kittel.

OLDENBURG (NIEDERS.) EIKE MÖNNICH

Ihr Artikel und das Interview zeigen, dass es nur zwei konsequente Antworten auf die Seuche Doping gibt: Entweder der Gesetzgeber führt derart drastische Strafen ein, dass keiner mehr den Preis dafür zahlen will, am besten auch für nachträglich aufgedeckte Fälle. Oder aber man legalisiert es. Vorteil: Man könnte - wie in der Formel 1 - zwei Wertungen einführen: eine Fahrerwertung und eine Konstrukteurswertung.

STUTTGART VALENTIN WEMBER

Unfassbar! Richtig erschrocken bin ich aber über meine eigene Naivität, denn mit vielen in Ihrem Artikel genannten deutschen Radsportlern bin ich als Amateur Mitte der achtziger Jahre Rennen gefahren. Ich habe trainiert und trainiert, und wenn es in den damals noch über 1000 Kilometer langen Bundeslandrundfahrten circa zehn Tage lang richtig zur Sache ging, habe ich schon nach wenigen Etappen oft nur noch die Hinterräder der Konkurrenz gesehen - obwohl die doch eigentlich auch nur »mit Wasser gekocht« haben. Ich Dummerchen! Aber ich hatte, vielleicht zu meinem Glück, 1986 einen schweren Radunfall, der meine »Karriere« abrupt beendet hat. Denn ich glaube, ich hätte den Wechsel von meinen geschätzten »Multivitamin-Brausetabletten« auf die Chemo-Erfolgsspur nicht mitmachen wollen.

MEINE (NIEDERS.) MARCO SCHMIEDEL

Doping hin oder her: Wir werden uns wohl oder übel an »Fallbeispiele« wie Jan Ullrich gewöhnen müssen - an immer mehr Sportler, die für Wohlstand und Berühmheit bereit sind, als rückgratlose Marionette derer zu dienen, die skrupellos darüber bestimmen, ob dieser Traum wahr wird oder nicht. Und daran wird sich nichts ändern, solange Plazierte jenseits von Gold, Silber und Bronze beim Großteil aller Sportfans als Verlierer gelten!

ISENBÜTTEL (NIEDERS.) RÜDIGER REUPKE

Bei jedem Schwerstverbrecher gilt in Deutschland zunächst die Unschuldsvermutung, bei Radsportlern nicht? Es sind nicht die Radsportler, die am meisten dopen, es sind nur diejenigen Sportler, bei denen am meisten darüber berichtet wird.

HAMBURG SILKE HÖLZER

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