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SUDAN »Die Uhren ticken anders«

Ex-Premier Sadik al-Mahdi, 65, letzter demokratisch gewählter Regierungschef, über ein mögliches Ende des Bürgerkriegs. Der von einer Junta regierte arabischislamische Norden des Landes kämpft gegen Rebellen im christlich-animistischen Südsudan. Seit 1983 starben dabei über 1,5 Millionen Menschen.
aus DER SPIEGEL 12/2001

SPIEGEL: Die Militärregierung hat den Islamistenführer Hassan al-Turabi verhaften lassen. Läuft die Ära der religiösen Extremisten im Sudan ab?

Mahdi: Zumindest wurde jetzt ein gefährlicher Agitator kaltgestellt. Dennoch - Justiz ohne Richterspruch darf es nicht geben.

SPIEGEL: Turabi werden heimliche Verhandlungen mit dem Rebellenführer des aufständischen Südsudan vorgeworfen. Er habe angeblich das Vaterland und den Islam verraten.

Mahdi: Das war zwar eigenmächtig, aber ein Verrat war es nicht. Wir müssen schließlich ein friedliches Ende des Bürgerkriegs herbeiführen.

SPIEGEL: Präsident Umar al-Baschir, der zugleich Armeechef ist, denkt offenbar nicht an Verhandlungen.

Mahdi: Trotzdem muss es sie geben. Eine Gewaltlösung ist weder möglich noch akzeptabel.

SPIEGEL: Werden die Offiziere seiner Junta einer Friedenslösung zustimmen?

Mahdi: Die Schreckensherrschaft der Islamisten ist vorbei, die Uhren ticken heute anders. Die Bürger müssen keine Angst mehr haben vor Polizei und Geheimdienst. Ich bin aus dem Exil zurückgekehrt und widme mich meiner Parteiarbeit. Das Regime wagt nicht mehr, die Leute mundtot zu machen.

SPIEGEL: Aber es sitzt noch an den Schalthebeln.

Mahdi: Nicht mehr lange. Bald wird es wieder freie Wahlen geben.

SPIEGEL: Wirklich freie Wahlen oder ein Volksentscheid könnten dazu führen, dass die Bevölkerung im Süden aus dem Staatsverband ausschert.

Mahdi: Wir werden ihren Willen respektieren. Aber vielleicht wollen die Südsudanesen ja gar keine Teilung mehr, sobald echte Demokratie herrscht.

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