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Die »wilden« fünfziger Jahre

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aus DER SPIEGEL 32/1985

Die fünfziger Jahre werden aufgebrüht, als hätte es sie nie gegeben: den seichten »American way of life«, den Konsumrausch und die verlogene »Wir bringen es zu was«-Mentalität, den neuen Wohlstandsmief in der aus dem Lot geratenen Plastikwelt und die schweißtreibende Kunststoffwäsche. Fernab in der niederösterreichischen Provinz, im Renaissanceschloß Schallaburg bei Melk, werden die angeblich »wilden« Jahre noch bis Ende Oktober inszeniert. »Zum Anfassen«, so wollen es die Veranstalter der Ausstellung, sind für den Besucher das original Kinofoyer der fünfziger Jahre und der Besatzerjeep, die Nierentisch-Idylle und das Warenangebot im Konsum-Laden. Vater fährt Motorroller, während Töchterchen auf mörderischen Stöckelschuhen stelzt und bald »neue Frau« sein wird: »Anständig und sexy, Häschen und souverän, opferbereit und immer gut aussehend«, wie der Ausstellungskatalog ironisch vermerkt. »Spott und Bewunderung«, kommentierte die »Frankfurter Rundschau« die Ausstellung, bemächtigten sich einer Zeit, »der nichts schlechter bekommt, als zum Mythos erklärt zu werden«.

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