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HUMOR »Die Würde wird gewahrt«

aus DER SPIEGEL 2/2003

Kabarettist und Schauspieler Wolfgang Stumph, 56, ("Salto Postale") über seine neue ZDF-Sendung »Oskar, der Klomann«, die auf der Toilette des Berliner Reichstags spielt und am 26. Januar gesendet wird. -------------------------------------------------------------------

SPIEGEL: Herr Stumph, Sie haben nach dem Ende der Comedy »Salto Kommunale« eine längere Pause als Komiker beim ZDF eingelegt. Warum?

Stumph: Ich hatte mit der 50. Sendung freiwillig aufgehört und den damaligen Intendanten Stolte mit der Bemerkung provoziert, eine neue Sendung würde mich nur reizen, wenn sie aktueller, frecher und politischer wäre. Dabei trug ich die Idee vom Klomann im Reichstag vor. Aber vom ZDF kam nichts. Ich wollte schon zu einem anderen Sender gehen.

SPIEGEL: Dann wurde Markus Schächter zum ZDF-Intendanten gewählt.

Stumph: Und alles kam anders. Er sagte, wir machen das. Weil ich den Mund vollgenommen hatte, habe ich das Ding jetzt am Hals.

SPIEGEL: Der komische Toilettenmann im Reichstag hat dem Publikum noch gefehlt. Sie kennen die stille Örtlichkeit aus eigener Anschauung?

Stumph: Ja. Wir haben im vergangenen Jahr aus dem Reichstag gesendet. Wir hatten zwei Kameras dabei - und schlitzohrig wie ich bin, habe ich die Klos abgefilmt.

SPIEGEL: Vorsicht. Denken Sie an Ulrich Meyer, der für seine »Akte 2000« nach Kokainspuren im Reichstagsklo fahnden ließ. Er und ein Kollege bekamen Hausverbot.

Stumph: Wer beim ZDF mit einer Satire durchgekommen ist, der kennt die Grenzen des öffentlich-rechtlich Erlaubten. Die Würde wird gewahrt. Bei mir lässt niemand die Hosen herunter.

SPIEGEL: Sondern?

Stumph: Ich gründe eine Ich-AG im Zentrum der Macht, eine Pachttoilette im Bundestag. Ich habe als Klomann meinen Arbeitsplatz zwischen den Türen, zwischen, wie die Grünen sagen würden, Abgeordnetinnen und Abgeordneten. Auf dem Bildschirm vor mir wird aus dem Plenum die Debatte übertragen. Geht ein Politiker aus dem Saal, dann taucht er, von einem Schauspieler mit gleicher Figur und gleichem Outfit dargestellt, bei mir vor Ort auf. Mein Raum ist im Studio nachgebaut. Wir unterhalten uns.

SPIEGEL: Und wer spricht?

Stumph: Entweder Parodisten, oder es wird der Text drübergelegt, den die Politiker in einer Rede gesprochen haben.

SPIEGEL: Das klingt nach einer weiteren Auftrittsgelegenheit für den Kanzlerparodisten Elmar Brandt?

Stumph: Schröder wird kommen, aber nicht Brandt. Ich gehe nicht auf die Schiene der Beleidigungen. Meine Gürtellinie ist höher, als man gemeinhin in der Sitcom die Hosen trägt.

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