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Parteispenden »Diebische Freude«

aus DER SPIEGEL 32/1996

SPIEGEL: Konnte Ihnen die SPIEGEL-Serie über die Usancen der CSU unter Franz Josef Strauß noch ein Aha-Erlebnis verschaffen?

Förster: Man muß anhand der jetzt aufgetauchten Akten davon ausgehen, daß sich hier nicht nur eine Partei als solche bereichert hat, sondern daß offenbar Gelder auch in Töpfe des Vorsitzenden Strauß geflossen sind.

SPIEGEL: Den frommen Brüdern der Steyler Mission in Sankt Augustin, die beim steuersparenden Spendensammeln mit von der Partie waren, sind Sie seinerzeit noch selbst nachgestiegen. Hätten Sie es sich träumen lassen, daß auch die Kolpingsfamilie in Köln beim Geldwaschen behilflich war, wie die CSU-Akten ausweisen?

Förster: Auf die Kolpingsfamilie sind wir nicht gestoßen. Aber wir waren immer der Meinung, es kann jeder sein. Das Prinzip war ja, daß auch für die Wäscher etwas abfiel. Da werden auch die Frommen schwach.

SPIEGEL: Ihre Ermittlungsarbeit wurde von Politikern und Beamten aller Couleur massiv behindert. Als Sie schließlich versetzt werden sollten, haben Sie den Dienst quittiert. Mit welchen Gefühlen blickt der nun erfolgreiche Steueranwalt Klaus Förster zurück?

Förster: Es war damals eine höchst spannende und besonders verantwortungsvolle Tätigkeit. Denn wir mußten peinlich darauf achten, daß wir ohne Ansehen der Person oder Institution ermitteln. Das wurde wohl von vorgesetzter Seite etwas anders gesehen.

SPIEGEL: Sie sind von vielen Seiten fürs Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen worden. Haben Sie je erfahren, wie das Prüfverfahren ausgegangen ist?

Förster: Es ist offensichtlich sehr lange geprüft worden. Ich hätte allerdings eine diebische Freude gehabt, es ablehnen zu können, wenn es mir denn angeboten worden wäre.

SPIEGEL: Warum?

Förster: Das hängt mit der hanseatischen Tradition meiner Heimatstadt Lübeck zusammen. Ich habe das dann bei einer Ehrung durch die Grünen auch öffentlich gesagt. Und danach hat man den Ordensfall Förster wohl erleichtert zu den Akten gelegt.

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