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Dienstag, 21. April

aus DER SPIEGEL 17/1998

20.15 - 22.15 UHR RTL

Der Clown

Der erste Film mit dem verdeckten Ermittler Max Zander (Sven Martinek) von 1996 ließ die Gralshüter der TV-Qualität verzweifeln: Die RTL-Action-Oper übertrumpfte an einem Sonntagabend Adolf Winkelmanns düstere Messe über die Ost-Mafia »Der letzte Kurier"(mit Sissi Perlinger). Nun setzt der Kölner Sender mit diesem Eröffnungsfilm als Auftakt einer sechsteiligen Serie das Genre fort. Die heutige Pilotsendung erfüllt sicher nicht die Adolf-Grimme-Kriterien für tadellose Drehbuchlogik (Matthias Herbert). Dafür lassen es die Regisseure Cornelia Walter und Hermann Joha tüchtig crashen und krachen. Standard im Fernsehen kommt heute auch von Stunt.

20.15 - 22.20 UHR RTL 2

Schlagzeilen - Je härter, desto besser

Daß auch Journalisten Menschen sind, glauben nicht einmal Journalisten selbst. Deshalb kritisierten sie Ron Howards Hollywood-Komödie (1993). Michael Keaton, als Reporter eines New Yorker Boulevardblattes, recherchiert nämlich altmodisch wacker hinter allen Storys und Falschmeldungen hinterher, obwohl ihm das Krach mit seiner hochschwangeren Gattin (Marisa Tomei) und Fußtritte seiner Chefin (Glenn Close) einbringt, die eine grandiose Furie spielt.

22.30 - 23.15 UHR WEST III

Das Hirn frißt Staub

Der »Videoessay« von Ulrike Filgers widmet sich interessanten Fragen: Welche neuen Konflikte treten auf, wenn sich das Wissen der Menschheit ins Computernetz verlagert? Allein den Buchbestand der letzten tausend Jahre zu digitalisieren würde 600 Jahre in Anspruch nehmen. Das Internet hat zudem das Riesenproblem, daß es nicht sinnvoll vergessen kann. Mit der Geschichtlichkeit des elektronischen Netzes hat sich noch niemand beschäftigt. Durch den Wechsel der Software-Generation werden heute ohne Planung Daten vernichtet. Den Frankfurter Medienwissenschaftler Hartmut Winkler erinnert das an den Brand der antiken Bibliothek von Alexandria. Klaus-Dieter Lehmann, Direktor der Deutschen Bibliothek in Frankfurt, weist auf die Fälschungsmöglichkeiten im Netz hin: Wann ist eine wissenschaftliche Arbeit ein nicht mehr änderbares Dokument? »Der letzte macht das Netz aus«, entläßt die Autorin dieses Films die Zuschauer.

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