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DIENSTAG 6.8.

aus DER SPIEGEL 32/1996

20.45 - 21.45 Uhr Arte

Die Regenbogenkinder

Die legendäre Tänzerin und Sängerin Josephine Baker (1906 bis 1975) schockierte in prüderen Zeiten das Publikum mit einem Rock aus Bananen. Doch zugleich adoptierte sie aus allen Teilen der Welt zwölf Kinder, um sich so über die Schranken von Religion, Rasse und Nationalität hinwegzusetzen. Als »Regenbogenkinder« wurde die multikulturelle Rasselbande berühmt. 1994 versammelte Regisseur Sebastian Hirt die Geschwister im Schloß »Les Milandes«, wo die Baker-Boys und -Girls in pompösem Luxus aufwuchsen. Obwohl sie mit Kindern von Prominenten und Adligen Eliteschulen besuchten, landeten alle Adoptierten in der Normalität: als Angestellte oder Gärtner etwa.

22.25 - 0.20 Uhr 3Sat

Die letzte Vorstellung

Regisseur Peter Bogdanovich läßt seine filmische Vergangenheitsbeschwörung (USA 1971) Anfang der fünfziger Jahre im Städtchen Anarene, Texas, spielen. Dort, zwischen High-School, schwachem Football-Team, Billard-Saloon, Café und einzigem Kino, wird der junge Sonny Crawford (Timothy Bottoms) widerwillig, doch unaufhaltsam erwachsen. Mehr als den eigenen Vater bewundert Sonny den Kino- und Saloonbesitzer, der sich Sam nennt und später dahinstirbt. In die Liebesschule geht Sonny unter anderem bei der unbefriedigten Gattin eines Footballtrainers und beim reichsten Mädchen am Ort, weswegen ihm sein bester Freund ein Auge ausschlägt. Glück, so konstatiert der Skeptiker Bogdanovich ohne allen Zynismus zwischen seinen zarten Grau-Bildern, ist so unerschwinglich wie die Freiheit.

23.20 - 1.55 Uhr Vox

Wolfsmilch

Er triefäugig und unrasiert, sie hager, das Haar strähnig. Zwei große Hollywood-Stars, Jack Nicholson und Meryl Streep, sind tief hinabgestiegen in die Existenz eines kaputten, nach Fusel stinkenden Pennerpärchens, das Ende der dreißiger Jahre in Albany bei New York herumstreunt. »Wolfsmilch«, der Film des argentinischen Regisseurs Hector Babenco (1987) nach dem Roman von William Kennedy, war dem amerikanischen Publikum trotz Anerkennung für die Verwandlungsgabe der Stars zu düster, schmuddelig und künstlerisch zu anspruchsvoll.

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