»Diese Deutschen sind ja solche Teufel«
2. Fortsetzung und Schluß Der Sturz Morgenthaus
Auf der Konferenz in Jalta beschlossen die Siegermächte USA, Großbritannien und Sowjetrußland, gemeinsam die »Oberhoheit über Deutschland« auszuüben. Die drei Nationen sollten »zur Aufrechterhaltung des Friedens und der Sicherheit notwendig erscheinende Maßnahmen treffen«.
»Es ist unser fester Wille«, so ließen Roosevelt, Churchill und Stalin am 12. Februar 1945 verlauten, »den deutschen Militarismus und Nazismus zu zerschlagen und zu gewährleisten, daß Deutschland nie wieder in der Lage sein wird, den Weltfrieden zu stören.
»Wir sind entschlossen, die gesamte deutsche Industrie, die für die militärische Produktion eingesetzt werden könnte, zu beseitigen oder zu kontrollieren, alle Kriegsverbrecher einer gerechten und schnellen Strafe zuzuführen und für die von den Deutschen verursachten Zerstörungen Reparationen zu fordern.«
Als Roosevelt am 28. Februar 1945 wieder in Washington eingetroffen war, beauftragte er US-Außenminister Stettinius, die politischen Vereinbarungen der Konferenz von Jalta
* Mit dem Sowjetgeneral Below (l.), dem britischen Feldmarschall Wilson (2. v. r.) und dem US-General Kuter, Februar 1945.
© 1967 John M. Blum und The Estate of Henry Morgenthau jr. Der ungekürzte Text erscheint Im Februar 1968 unter dem Titel »Deutschland -- ein Ackerland« im Droste Verlag, Düsseldorf.
durchzuführen. Finanzminister Morgenthau aber witterte darin die Gefahr, bei der weiteren Deutschland-Planung werde das Außenministerium eine Vormachtstellung einnehmen.
Er war keineswegs gewillt, den Kampf aufzugeben.« Ich bin erfreut, mit Außenminister Stettinius zusammenzuarbeiten«, erklärte er Präsident Roosevelt am 14. März, aber schon am nächsten Tag sah er sich durch einen Bericht von John McCloy, Unterstaatssekretär im Kriegsministerium, in seinen Befürchtungen bestätigt.
Morgenthau notierte sich: »McCloy rief mich heute früh ganz aufgeregt an. Ein Dokument war heimlich in seine Hände gelangt, das im Außenministerium vorbereitet worden ist und dem der Präsident gestern zugestimmt hat. Es handelt sich um einen Ersatz für die (vom amerikanischen Generalstab ausgearbeitete) Direktive JCS 1067 (über die US-Besatzungspolitik) und sieht laut McCloy unbegrenzte Vollmachten für eine Zentralgewalt in Deutschland vor.
»McCloy regte sich so sehr darüber auf, weil Stettinius dem Präsidenten gesagt hatte, das Kriegsministerium habe dieses Dokument gesehen und gebilligt, was gar nicht stimmte. Offensichtlich wollte er, daß ich Krach schlage. Das werde ich nicht tun; (Kriegsminister) Stimson muß in dieser Sache die Führung übernehmen.«
Das Schriftstück des Außenministeriums war der »Entwurf einer Direktive über die Behandlung Deutschlands« vom 10. März 1945, den der Präsident ohne Konsultation des Finanz- oder des Kriegsministeriums unterzeichnet hatte.
In diesem Schriftstück legte das Außenministerium die Beschlüsse von Jalta auf seine Art aus, verwarf die Direktive JCS 1067 und widersprach Morgenthaus Interpretation des Jalta-Abkommens. Die »Entwurf«-Autoren verzichteten auf die Zerstückelung Deutschlands und setzten voraus, daß die inter-alliierte Kontrollmaschinerie für Deutschland die Funktionen einer Zentralregierung in Deutschland übernimmt.
Die Autorität des Kontrollrats sollte im ganzen Reich an erster Stelle stehen. In den Besatzungszonen seien die Beschlüsse des Kontrollrats durchzusetzen, die autonome Macht der jeweiligen Zonen-Oberbefehlshaber sei zu begrenzen.
Während Morgenthau mit den Passagen über die Entnazifizierung grundsätzlich einverstanden war, vermißte er Bestimmungen über die Zerstörung der deutschen Schwerindustrie. Vielmehr wurde die alliierte Militärregierung angewiesen, für »einen Mindestlebensstandard des deutschen Volkes« zu sorgen.
Als Morgenthau durch seinen Unterstaatssekretär White, der mit Vertretern des Kriegs-, des Marine- und des Außenministeriums in einem interministeriellen Deutschland-Ausschuß (IPCOG Informal Policy Committee on Germany) saß, nähere Einzelheiten über den Entwurf des Außenministeriums erfuhr, beschloß der Finanzminister, gegen den Entwurf anzugehen und dabei jene »Führung zu übernehmen«, die er noch kurz zuvor Stimson hatte überlassen wollen.
»Ich hatte ein sehr offenes Gespräch mit Stettinius«, erzählte Morgenthau am 17. März 1945 McCloy. » Ich habe Stettinius schrecklich ins Gewissen geredet. Wie er sagte, hat man ihm den Entwurf unmittelbar nach seiner Rückkehr (aus Jalta) gegeben; er sei noch so müde gewesen und wisse in Wirklichkeit gar nicht, was darin steht.«
Morgenthau: »Als ihn jemand fragte, ob der Präsident den Entwurf gelesen habe, antwortete Stettinius nicht. Ich will daher in einem sehr sorgfältigen Bericht nachweisen, in welchen Punkten diese Auslegung des Jalta-Protokolls von der Direktive 1067 völlig abweicht.«
McCloy hingegen berichtete, Stimson habe den Präsidenten aufgesucht und ihm erklärt, er wolle sich nicht wieder mit der Deutschland-Frage befassen; sein Ministerium habe ein Dokument, eben die Direktive JCS 1067, ausgearbeitet, das nun ohne Konsultation des Kriegsministeriums geändert worden sei. In Zukunft werde er sich nur um Fragen der Militärverwaltung Deutschlands kümmern.
Roosevelt hatte daraufhin zu Stimson gesagt, er dürfe dem Entwurf des Außenministeriums nicht zuviel Bedeutung beimessen. So begann denn McCloy im Kriegsministerium, die Direktive JCS 1067 unter Berücksichtigung der Beschlüsse von Jalta zu überarbeiten.
McCloy versprach Morgenthau, alle Vorschläge des Finanzministeriums zu prüfen. McCloy: »Angesichts der Beziehungen zum Außenministerium ist dies eine recht delikate Angelegenheit, aber ich glaube, daß wir jetzt, nachdem die sich im State Department selbstherrlich diesen Scherz leisteten, ein Recht haben, verstimmt zu sein.
»Wir haben ein Recht zu reden«, ermunterte ihn Morgenthau. »Das ist alles abscheulich, eine Schande.«
Auch der sowjetische Botschafter Andrej A. Gromyko ermutigte Morgenthau in einem Tischgespräch am 19. März, gegen die Abweichung von den Jalta-Beschlüssen zu protestieren. »Er sagte mir«, hielt Morgenthau in seinem Tagebuch fest, »in Jalta hätten sich die Russen und die US-Regierung in der Frage der Reparationen darüber geeinigt, daß die Deutschen über einen längeren Zeitraum 20 Milliarden Dollar in Form von Waren zahlen müßten.
»Ich fragte ihn geradewegs, ob sie beabsichtigten, die deutsche Industrie aufzubauen, damit die Deutschen Reparationen leisten könnten, und er erwiderte: »Natürlich nicht!' Ich erkundigte mich: »Falls Deutschland Elektroenergie für Reparationsleistungen braucht, möchten Sie dann, daß wir
* Britische Wache am Eingang eines Werks der Ruhrchemie A. G. in Oberhausen.
Generatoren nach Deutschland schicken, um Kraftwerke zu bauen?« Er: »Nein'.
»Er berichtete mir, man sei übereingekommen, Deutschland zu spalten, England jedoch habe eingewendet, es habe noch nicht genügend Zeit gehabt, diese Frage zu prüfen. Ich sagte, es gebe einige Leute, die da glaubten, alle Besatzungszonen in Deutschland sollten gleichmäßig behandelt und eine strenge Zentralgewalt müsse errichtet werden. Er meinte: »Welchen Sinn hat das? Wenn wir die Zerstückelung Deutschlands wollen, dann sollten wir die Sache gleich richtig anpacken.«
Der Minister deutete diese Bemerkungen als volle Unterstützung des Morgenthau-Plans und wies Harry White an jenem Nachmittag an, in dem Gegen-Memorandum des Finanzministeriums die Kritik an dem »Entwurf« des Außenministeriums noch schärfer zu formulieren; es müsse darauf hingewiesen werden, daß jedenfalls das Finanzministerium von der Voraussetzung ausgehe, Deutschland solle zerstückelt werden.
White wandte ein, Morgenthau würde sich auf einen gefährlichen Kurs begeben, wenn er nicht genau wisse, ob Deutschland geteilt werden solle. Aber Morgenthau gab lediglich zurück, er sei seiner Sache sicher.
Am 20. März 1945 legte White je ein Memorandum für das Außenministerium und für den Präsidenten vor, die Morgenthau unterschrieb.
In dem Memorandum für das Außenministerium wurde die Dezentralisierung der Verwaltung statt der (vom State Department geförderten) Integrierung Deutschlands und die Beseitigung der deutschen Schwerindustrie gefordert; außerdem kritisierte das Finanzministerium, die Vorstellungen des Außenministeriums über die deutsche Industrie widersprächen dem »Quebecer Abkommen« (Morgenthau-Plan),
Ferner behauptete das Finanzministerium. aus den Beschlüssen von Jalta gehe »eindeutig hervor, daß die Alliierten zur Eintreibung der Reparationen keinerlei Maßnahmen treffen sollten, die Deutschlands Wirtschaft rehabilitieren und stärken«. Falls bereits die Teilung Deutschlands beschlossen worden sei, so werde der Entwurf des Außenministeriums »die Grundlagen dieser Politik erschüttern«.
Das Finanzministerium schlug abschließend vor: »Die Direktive JCS 1067 wird zunächst nicht geändert und den US-Streitkräften in der ersten Phase der Besatzungszeit als politische Richtschnur dienen. Die Armee hat mitgeteilt, daß die Bestimmungen von JCS 1067 sie in die Lage versetzen, unmittelbar nach der Niederlage Deutschlands notwendige Maßnahmen einzuleiten.«
In seinem Memorandum für Roosevelt schrieb Morgenthau: »Aus vielen Gesprächen mit Ihnen über die Behandlung des besiegten Deutschlands habe ich die Gewißheit erlangt, daß der Inhalt dieses Entwurfs (des Außenministeriums) voll und ganz Ihren Ansichten widerspricht.« Er zählte auf: > »In dem Entwurf wird die Forderung erhoben, der Alliierte Kontrollrat solle »soweit wie möglich zentrale Einrichtungen zur Verwirklichung seiner Politik einsetzen«, und zu diesem Zweck sollten »zentrale deutsche Stellen so schnell als möglich wieder geschaffen werden.
> »Deutschland wird eine Metall-, Maschinenbau- und chemische Industrie mit kontrolliertem Export zugestanden; verboten werden nur jene Industriezweige, die zur Herstellung von »Flugzeugen, synthetischem Öl, synthetischem Gummi und Leichtmetallen« dienen. > »In dem Entwurf heißt es, Finanzen und Wirtschaft müßten »grundsätzlich zentral gesteuert« werden und es sei erforderlich, daß die Alliierten die deutsche Wirtschaft »lenken, kontrollieren und verwalten', um Reparationen einzutreiben.« Dazu Morgenthau: » Die Durchführung der obengenannten Bestimmungen würde den Aufbau einer starken deutschen Zentralregierung bedeuten und die deutsche Wirtschaft erhalten, ja sogar festigen. Ich bitte dringend darum, den Außenamts-Entwurf vom 10. März nach folgenden Prinzipien zu überarbeiten:
> »Der Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft ist eine Sache der Deutschen. Wir sollten weder die Eintreibung von Reparationen noch andere Pflichten auf uns nehmen, sondern einzig und allein für die Sicherheit der Besatzungstruppen sorgen.
> »Wir sollten soweit als möglich die deutsche Schwerindustrie einschränken und das Kriegspotential in Deutschland beseitigen. Die Besatzungsstreitkräfte sind nur insofern für die Lebensmittelversorgung des deutschen Volkes verantwortlich, als Hungersnot, Krankheiten und Unruhen die Ziele der Besatzung beeinträchtigen könnten. > »Die Politik der einzelnen Besatzungszonen sollte über den Kontrollrat koordiniert, die eigentliche deutsche Verwaltung jedoch dezentralisiert werden.«
McCloy stimmte Morgenthau in wesentlichen Punkten zu und fand, daß dessen drei Grundsätze die Lage klären würden. Gleichwohl mußte er Morgenthau daran erinnern, daß Kriegsminister Stimson das Quebecer Abkommen abgelehnt habe. Deshalb warnte er Morgenthau davor, Roosevelt das Memorandum des Finanzministeriums unterschreiben zu lassen, bevor das Kriegs- und das Außenministerium dazu gehört worden waren.
Morgenthau konnte denn auch dem Unterstaatssekretär Joseph Grew vom Außenministerium berichten: »Der Präsident will den Entwurf, den er und Ed (Stettinius) am 10. März unterschrieben haben, zurückziehen. Er möchte, daß wir uns alle darüber einigen, was in Zukunft zu tun ist. Nun schwebt ihm vor, daß der Deutschland-Ausschuß etwas vorbereitet, was an die Stelle des Dokuments vom 10. März tritt; er konnte sich überhaupt nicht daran erinnern, daß er es jemals gesehen oder gar unterschrieben hat.«
»Ist ja sonderbar«, antwortete Grew. Obwohl Morgenthau dem Unterstaatssekretär Grew nichts erwiderte, war er »sehr niedergeschlagen«.
Ihn bedrückte der offenbar schlechte Gesundheitszustand des Präsidenten. Zugleich mißfiel ihm freilich, daß Anna und John Boettiger, Roosevelts Tochter und Schwiegersohn, sich ständig in der Nähe des Präsidenten aufhielten.
Morgenthau vertraute McCloy an: »Das ist irgendwie beklemmend. Ich gab dem Präsidenten die Dokumente, die wir vorbereitet haben. Er las sie sehr sorgfältig durch, stimmte voll und ganz zu. Boettiger war dabei und hielt mich davon ab, meine Sache vorzutragen.
»Boettiger spricht jetzt allen Ernstes davon, wir müßten den Deutschen klarmachen, wieviel sie essen, wieviel Kohle sie fördern sollen und dergleichen mehr. Ich erklärte Boettiger in Anwesenheit des Präsidenten, General Hilldring vom Kriegsministerium habe gesagt, als Berufssoldat sei er mit der Direktive 1067 zufrieden und General Eisenhower sei ebenfalls einverstanden.
»Boettiger blieb aber dabei, die Leute auf der unteren Ebene würden das nicht verstehen; die Beschlüsse ließen sich nicht durchführen. Boettiger wollte, daß der Präsident die drei Kabinettsmitglieder zusammenruft.
»Ich sagte: »Nein, wir haben ja ein Komitee. Dieses Komitee solle sich an die Arbeit machen und Empfehlungen an die drei Kabinettsmitglieder ausarbeiten; von dort aus gingen die Vorschläge dann an den Präsidenten. Er (Roosevelt) war durchaus bereit, ein solches Dokument zu unterschreiben.«
Am 21. März 1945 trat der interministerielle Deutschland-Ausschuß zusammen und begann ein Schriftstück auszuarbeiten, das den Entwurf des Außenministeriums vom 10. März ersetzen sollte. Der Vertreter des State Department, Unterstaatssekretär William Clayton, wollte freilich das Komitee veranlassen, nur eine Auslegung der Direktive vom 10. März zu formulieren, aber McCloy verlangte eine neue Direktive.
Die Diskussion konzentrierte sich im wesentlichen auf die Forderung der Armee, im besetzten Deutschland benötige man eine flexible Militärregierung. Das Außenministerium gab praktisch in jedem Punkt nach.
Aber als der Vertreter des Finanzministeriums, Frank Coe, vorschlug, das Komitee solle in einer gemeinsamen Erklärung die Dezentralisierung Deutschlands befürworten, erklärte McCloy, Kriegsminister Stimson habe an dieser Sache nur ein administratives Interesse. Coes Empfehlung wurde abgelehnt.
Die Wirtschaftsfragen behandelte der Ausschuß erst in den letzten zehn Minuten der Sitzung, was für eine nützliche Diskussion zuwenig war. Nach Coes Meinung wurde dem Alliierten Kontrollrat in dem neuen Schriftstück mehr Bewegungsfreiheit eingeräumt als in dem Memorandum vom 10. März.
»Das würde mir genügen«, kommentierte Morgenthau. Überrascht erwiderte Coe, er habe gedacht, der Minister lehne jegliche deutsche Zentralgewalt ab.
Darauf Morgenthau: »Ich verlasse mich auf die Generale, denn im Kontrollrat wird ein russischer General, ein amerikanischer und auch ein französischer General sitzen.« Der Minister ließ durchblicken, diese drei Generale könnten gemeinsam jeden britischen Versuch zur Wiederherstellung der deutschen Wirtschaft vereiteln.
Am folgenden Nachmittag mußte Morgenthau jedoch wieder zurückstecken. McCloy kam ins Finanzministerium und erzählte Morgenthau, er habe bei einer Besprechung im State Department ein Schriftstück gesehen: die Antwort des Außenministeriums auf die Memoranden des Finanzministeriums vom 20. März. McCloy meinte, in dem Schriftstück werde das Finanzministerium völlig unfair behandelt. Das State Department befürworte außerdem ausdrücklich die Zentralisierung Deutschlands.
Morgenthau war über die Nachricht verärgert. »Sie spielen ein abgekartetes Spiel gegen uns«, sagte der Minister zu White, »McCloy stellt sich nämlich auf den Standpunkt, er dürfe mit uns über die wirtschaftlichen Fragen nicht sprechen. Boettiger verlangt das.«
Vom Außenministerium hatte allerdings Morgenthau die hinterhältige Behandlung erwartet, die ihm zuteil wurde. Im weiteren Verlauf des Nachmittags rief AA-Unterstaatssekretär Joseph Grew an und teilte mit, er sende dem Finanzministerium die Antwort des Außenministeriums zu, »die meiner Meinung nach dazu angetan ist, unsere Vorstellungen einander anzugleichen«.
Dieses Schriftstück war noch unterwegs, da fuhr Grew (mit seinem AA-Kollegen Clayton) zum Weißen Haus und bat Roosevelt« das Schriftstück des interministeriellen Deutschland-Ausschusses zu billigen, in dem die einheitliche Verwaltung Deutschlands gefordert wurde. Morgenthau wäre wahrscheinlich der Schritt Grews verborgen geblieben, hätte ihm nicht McCloy, der auf Roosevelts Bitte im Weißen Haus gewesen war, die Geschichte erzählt.
McCloy berichtete Morgenthau am Telephon, Roosevelt habe »gesagt, manches gefalle ihm an dieser Sache noch nicht; der Gedanke einer zentralen Verwaltung werde allzusehr betont. Er gebe jedoch zu, der öffentliche Dienst müsse gewissermaßen von oben kontrolliert werden. Darunter verstand er das Fernmelde- und Transportwesen und die dazu notwendigen Dienstleistungen. Er sagte, wie er die Sache leiten würde«.
»Sprach er von einem Komitee dreier Deutscher (die an der Spitze der Verwaltung stehen sollten)?« fragte Morgenthau.
»Ja«, erwiderte McCloy. »Ein Dreierkomitee, und wenn es sich nicht anständig benimmt, wird er es absetzen und morgens erschießen. Dann sagte er: »Kurzum, Sie müssen diese Kontrollen in einem gewissen Umfang ausüben, Sie sollten sie aber möglichst auf ein Minimum beschränken. Er wollte eine politische Dezentralisierung, soweit wie möglich auch eine wirtschaftliche Dezentralisierung; allerdings erkannte er an, daß eine gewisse Zentralgewalt erforderlich sei.
»Clayton wollte noch darauf hinweisen, daß man doch weitgehend eine Zentralverwaltung einrichten sollte. Der Präsident antwortete, das könnte schon notwendig sein, aber er wisse es nicht; man würde einfach einmarschieren, sehen und abwarten müssen.
»Darauf meinte Grew: »Ich glaube, wir sind der Sache schon wesentlich näher gekommen. Sie sind also im allgemeinen mit dem Schriftstück, das Ihnen Stettinius unterbreitet hat, einverstanden?"«
»Mein Gott«, unterbrach Morgenthau den Telephon-Bericht McCloys.
»Und der Präsident erwiderte«, fuhr McCloy fort, »,Ja, ich glaube schon. Dann besann er sich wieder und sagte: »Oh, Sie meinen den Entwurf vom 10. März? Nein, das muß neu geschrieben werden.«
»Ach«, warf Morgenthau ein, »das ist ja wunderbar.«
»Ja«, entgegnete McCloy. »Dann sagte Clayton: »Ich frage mich, ob es wirklich wünschenswert ist, diesen Entwurf neu zu schreiben. Mit dem Schriftstück, das wir heute morgen im Außenministerium vorbereitet haben, werden Sie meines Erachtens einverstanden sein, Herr Präsident. Er (Roosevelt) erklärte: »Gut, lassen Sie mich ein wenig darüber nachdenken. Das war alles, was er sagte.«
Nach der Besprechung im Weißen Haus, so berichtete McCloy weiter, sei Will Clayton zu ihm gekommen. Clayton: »Verstehen Sie doch bitte, ich bin diesen Fragen völlig unvorbereitet konfrontiert worden. Jetzt begreife ich allmählich Zusammenhänge, die ich vorher nicht erkannt habe, und ich sage ganz ehrlich: Ich bin heute davon überzeugt, daß der Entwurf vom 10. März ein Fehler ist.«
»Mir fällt ein Stein vom Herzen«, rief Morgenthau. Dennoch wollte Mc-Cloy den Finanzminister warnen, die Lage nicht zu verkennen. Er erinnerte sich noch an andere Bemerkungen des Präsidenten.
Roosevelt: »Ich möchte keineswegs, daß Sie die deutsche Industrie beseitigen. Geben Sie der deutschen Industrie ein anderes Vorzeichen, aber ich möchte nicht, daß sie beseitigt wird. Ich bin nicht dafür, daß man Salz in die Bergwerke schüttet und solche Sachen macht. Die deutsche Industrie soll so weit erhalten bleiben, wie es notwendig ist, damit die Deutschen sich selber versorgen können und nicht uns zur Last fallen. Ich glaube, das bedeutet: Man muß einen wesentlichen Teil der deutschen Industrie erhalten.«
Trotz dieser zusätzlichen Hinweise war Morgenthau »sehr glücklich« und dem Informanten McCloy besonders dankbar. »Es mag vielleicht töricht klingen«, gestand der Minister, »wenn ich Ihnen danke; aber ich bin nicht gewohnt, daß man mich anständig behandelt. Das ist ganz ungewöhnlich, und ich danke Ihnen. Es ist eine angenehme Überraschung.«
Will Clayton war ebenfalls der Intrigen müde. Am 23. März 1945 legte er die Direktive des Deutschland-Ausschusses dem Finanzministerium vor, und dort einigten sich Clayton, Morgenthau und McCloy über ein neues Schriftstück. Es war im Kriegsministerium entworfen worden und trug die Überschrift: »Zusammenfassende Darstellung der amerikanischen Nachkriegspolitik gegenüber Deutschland«.
Wie McCloy es gewünscht hatte, wurden in diesem Schriftstück die Auffassungen der Ministerien einander angeglichen und die Meinung des Präsidenten miteinbezogen. Noch am gleichen Tag billigte Roosevelt das Dokument: »OK. F.D.R. Ersatz für das Memorandum vom 10. März 1945.« Morgenthau, McCloy und Clayton unterzeichneten ebenfalls.
»Der Kontrollrat«, so hieß es in der Direktive vom 23. März, »ist als oberstes Organ für die politischen Entscheidungen zuständig, die ganz Deutschland betreffen. Die vom Kontrollrat beschlossene Politik wird jeweils von den Militärgouverneuren in den einzelnen Zonen durchgeführt. Bei Fragen, die ausschließlich das eigene Besatzungsgebiet betreffen, übt der Oberbefehlshaber der Zone in Übereinstimmung mit Weisungen seiner Regierung die Macht aus.«
Das Memorandum spiegelte auch die Auffassungen Roosevelts wider. Da stand: »Die Verwaltung in Deutschland sollte darauf gerichtet sein, die politische Struktur zu dezentralisieren und die örtlichen Gewalten zu fördern. Die deutsche Wirtschaft soll ebenfalls dezentralisiert werden, bis auf wenige Ausnahmen; für diese Sonderfälle darf der Kontrollrat eine zentrale Überwachungsbehörde genehmigen oder einführen. Unter die Ausnahmeregelung fallen lebensnotwendige öffentliche Dienstleistungsbetriebe wie Eisenbahn, Post- und Fernmeldewesen sowie Energieversorgung; Finanzen und auswärtige Angelegenheiten; Produktion und Vertrieb lebensnotwendiger Waren.«
Danach kam ein Absatz, der auf Betreiben John Boettigers eingefügt worden war: »Die rücksichtslose Kriegführung der Deutschen und der fanatische Widerstand der Nazis haben die deutsche Wirtschaft zerstört und ein Chaos und unvermeidliches Leid hervorgerufen. Die Deutschen müssen für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden.«
Das Memorandum folgte dann der Linienführung des Morgenthau-Plans: »Die deutsche Wirtschaft darf nur soweit als notwendig (einheitlich) kontrolliert werden, um industrielle Abrüstung und Entmilitarisierung, Reparations- und Hilfsleistungen für die befreiten Gebiete zu ermöglichen ... und um Hungersnot, Krankheiten oder Unruhen zu vermeiden. Bei der Realisierung des Reparationsprogramms wird nichts unternommen, was dazu dienen könnte, in Deutschland einen höheren Lebensstandard als in den Nachbarstaaten zu begründen.
»Alle wirtschaftlichen und finanziellen Unternehmungen Deutschlands im Ausland einschließlich der Exporte und Importe sollen überwacht werden, um das Entstehen eines neuen deutschen Kriegspotentials zu verhindern. Die laufenden Reparationen dürfen weder zum Wiederaufbau oder zur Entwicklung der deutschen Schwerindustrie führen noch die Abhängigkeit anderer Länder von der deutschen Wirtschaft fördern.«
Morgenthau freute sich, daß die Direktive Bestimmungen über die Auflösung der Nazi-Partei und ihrer Gliederungen« über die Entfernung nazistischer und militaristischer Doktrinen aus dem deutschen Erziehungswesen und über die Aufhebung der Rassen-Gesetze des Hitler-Regimes enthielt.
Der Finanzminister konnte auch seinen Einfluß in einer Bestimmung wiedererkennen, wonach »alle Mitglieder der Nazi-Partei, die sich mehr als nominell betätigt haben, aus öffentlichen Ämtern und aus verantwortlichen Positionen in der Privatwirtschaft« zu entfernen seien.
Henry Morgenthau war zufrieden. Das sei, meinte er zu seinen Mitarbeitern, »der erste Schritt zu einer Art Frieden, der meiner Meinung nach von Dauer sein wird. Daß wir die Leute vom Außenministerium veranlaßt haben, ihren Entwurf vollständig zu ändern, war sehr erfreulich. Sie versuchten, den Präsidenten umzustimmen, aber es gelang ihnen nicht. Früher oder später muß der Präsident einmal Ordnung schaffen in seinem Haus«.
Aber Franklin Delano Roosevelt kam nicht mehr dazu. Seit seiner Rückkehr von Jalta hatte er alt und krank gewirkt. Als er sich auf einen längeren Erholungsaufenthalt in Warm Springs im US-Staat Georgia vorbereitete, bat ihn Morgenthau um Zustimmung zu einem Projekt, an dem einige seiner Gehilfen arbeiteten: einem Buch über Deutschland, mit dem der Minister die amerikanische Öffentlichkeit für den Morgenthau-Plan gewinnen wollte.
Über Eleanor Roosevelt ließ der Präsident fragen: »Warum jetzt ein Buch?« Als sie ihm erklärte, daß der Minister mit der Veröffentlichung bis zum Ende des Krieges in Europa warten wolle, bestimmte Roosevelt: »In Ordnung. Dann soll er weitermachen.«
Roosevelt dachte noch einmal darüber nach, dann bat er -- am 28. März -- Morgenthau, die Sache zu vertagen. Roosevelt schrieb: »Der von Ihnen vorgelegte Plan geht von einer lobenswerten Absicht aus, aber ich finde, daß es sehr schwer ist, genau zu wissen, was man sagen soll. Es kommt auch entscheidend darauf an, den richtigen Zeitpunkt zu wählen.«
In den nächsten vierzehn Tagen hatte Morgenthau kaum Gelegenheit, über Deutschland-Fragen zu diskutieren. Der Minister mußte nach Florida reisen, wo seine Frau Elinor mit einem »Herzleiden«, wie er es nannte, im Krankenhaus lag. Morgenthau war sehr aufgewühlt und hoffte, seine Lebensgeister wieder auffrischen zu können.
Erst am Abend des 11. April 1945, als er Roosevelt auf dessen Einladung in Warm Springs besuchte, konnte er dem Präsidenten den Zweck seines Buches erklären. Bevor er an jenem Abend zu Bett ging, diktierte er einen langen Bericht über seinen Besuch:
»Als ich eintrat, saß der Präsident in einem Sessel; seine Füße ruhten auf einem großen Schemel. Über seine Beine hatte er einen Spieltisch gezogen. Er mischte Cocktails. Ich war entsetzt, als ich ihn erblickte; er sah furchtbar gealtert und sehr abgemagert aus. Seine Hände zitterten so sehr, daß er die Gläser umwarf. Ich hielt jedes Glas, als er den Cocktail eingoß.
»Ich bemerkte, daß sein Erinnerungsvermögen schlecht war. Er verwechselte dauernd die Namen. Ich habe noch nie gesehen, daß er so viel Schwierigkeiten hatte, sich von seinem Rollstuhl zu erheben, um sich auf einen normalen Stuhl zu setzen. Ich litt Todesängste, als ich ihn beobachtete.
»Zu Beginn meiner Unterhaltung mit dem Präsidenten sagte ich: »Herr Präsident, ich beschäftige mich sehr intensiv mit der Deutschland-Frage, und ich möchte, daß Sie darüber Bescheid wissen. Aber ich möchte nicht, daß wir uns mit all diesen Dingen beschäftigen, wenn es Ihnen nicht angenehm ist ...'
»Er sagte nichts, und ich fuhr daher fort. Ich kam auf das Buch zu sprechen, das ich vorbereite. Ich zeigte dem Präsidenten die Photokopie des Briefes, den er an mich geschrieben hatte. Der Präsident sagte: »Woher haben Sie das? Das habe ich vorher noch nie gesehen. Darauf ich: »Ich mache Sie darauf aufmerksam, weil ich gern wissen möchte, was er bedeuten soll.
»Er sagte: »Ich weiß nicht, was das bedeuten soll. Jemand sagte mir, Sie möchten jetzt gleich ein Buch herausgeben, und ich hielt das für einen Fehler. Ich entgegnete: »Nein, ich möchte nach dem Tag des Sieges ein Buch herausgeben. Ich möchte zum Beispiel ein Kapitel darüber schreiben, wie 60 Millionen Deutsche sich selbst ernähren können.' Er: »Ich habe gesagt, daß Sie es können.'
»Ich erklärte, ich würde ihm das Buch gern zeigen, wenn es fertig ist, und ich hoffte, er würde das Vorwort schreiben. Er sagte: »Ich glaube, das ist gut. Machen Sie mal weiter. Ich halte das für eine großartige Idee. Ich habe auch viele Ideen. Ich möchte gern etwas über meine Unterhaltungen mit (dem Reichsbankpräsidenten Dr. Hjalmar) Schacht einfügen.'
»Dann erzählte er mir, Dr. Schacht habe ihn aufgesucht und am Schreibtisch des Präsidenten über sein armes Land geweint. Er erinnerte sich, Schacht sei drei- oder viermal gekommen und habe erklärt, die Deutschen würden Pleite machen, aber das habe sich nicht bewahrheitet. Diese Geschichte habe ich schon mindestens dreimal vom Präsidenten gehört, er scheint sie gern zu erzählen.
»Ich fragte den Präsidenten, ob ich mich für die zukünftige Behandlung Deutschlands interessieren solle. Er antwortete mir nicht direkt. Ich sagte: »Sehen Sie. Herr Präsident, ich werde hart kämpfen, es geht dabei um folgendes. Eine schwache deutsche Wirtschaft bedeutet, daß Deutschland politisch schwach und nicht in der Lage sein wird, einen neuen Krieg zu beginnen.'
»Der Präsident beteuerte: »Ich stimme Ihnen voll und ganz zu.' Ich ließ ihn nicht darüber im unklaren, was ich vorhatte. Ich wiederholte es zwei- oder dreimal.
»Die Unterhaltung war gerade zu Ende gegangen, da traten die Damen ein. Ich verabschiedete mich vom Präsidenten und seinen Begleiterinnen. Als ich sie verließ, saßen sie beisammen, lachten und unterhielten sich. Ich muß sagen, der Präsident schien glücklieb zu sein und sich zu amüsieren.«
Am nächsten Morgen starb Franklin Delano Roosevelt. Die Amerikaner trauerten um ihn, für Henry Morgen-
* Bei der Vereidigung in Washington, April 1945.
thau aber bedeutete der Tod des Präsidenten eine Katastrophe. Er hatte seinen Gönner, seinen Chef und seinen engsten Freund verloren -- und nicht zuletzt die Unterstützung, ohne die er seinen Deutschland-Plan nicht durchsetzen konnte.
In einem besonderen Sinn war der Abend des 11. April 1945 der letzte Abend in Morgenthaus politischer Karriere und der letzte Abend in Franklin Roosevelts Leben. Nach dem 11. April gab es für den Politiker Morgenthau nur noch einen langwierigen und peinlichen Abgang.
Morgenthau gab sich gern dem Glauben hin, seine Deutschland-Politik sei von Franklin Roosevelt unterstützt worden. Harry 5. Trumans Haltung war weniger klar.
Der neue Präsident hörte sich zwar in den ersten Wochen seiner Amtszeit Morgenthaus Erklärungen über Deutschland freundlich an, dennoch neigte er dazu, in diplomatischen und militärischen Fragen das Außen- und das Kriegsministerium zu konsultieren, und die Deutschland-Frage gehörte in erster Linie zum diplomatisch-militärischen Bereich.
Truman erinnerte sich später, daß er vom ersten Augenblick an in der Deutschland-Frage Stimsons Standpunkt teilte; allerdings ließ er Morgenthau darüber in Unkenntnis. Auch zögerte der Präsident, einen neuen Außenminister zu ernennen, obwohl er sich bereits entschieden hatte, Stettinius durch den ehemaligen Südstaaten-Gouverneur James F. Byrnes zu ersetzen, der ein offener Gegner Morgenthaus war.
Trumans Zurückhaltung ermutigte Morgenthau, weiterhin seine eigenen Ziele in der Deutschland-Frage anzusteuern. Im Frühjahr 1945 konzentrierte sich der Streit zwischen den Washingtoner Ministerien auf das Reparationsproblem und auf die endgültige Formulierung der Besatzungsdirektive JCS 1067.
Das Finanzministerium wollte den Abtransport deutscher Reparationsgüter in Länder der Alliierten beschleunigen, Unterstaatssekretär Robert Lovett vom Kriegsministerium aber lehnte diese Politik ab, weil sie dazu diene, Deutschland einen »ländlichen« Charakter zu geben.
Er wollte die Verwaltung des besetzten Deutschlands nicht stören lassen und war daher der Meinung, die zuständige Reparationskommission der Alliierten dürfe »den Abtransport von Anlagen, Ausrüstungen oder Waren nur planen, wenn der Kontrollrat beschließt, daß sie nicht zur Unterstützung und zum Schutz der Besatzungstruppen oder zur Verhinderung von Krankheit und Unruhen gebraucht werden«.
Will Clayton vertrat im Auftrag des Außenministeriums einen ähnlichen Standpunkt. Er argumentierte: Es liege im amerikanischen Interesse, Maschinen, Betriebseinrichtungen und Ausstattungen in Deutschland zu lassen, um die deutsche Wirtschaft in Gang zu halten und Waren für den Export zu produzieren, damit Deutschland seine Importe bezahlen könne.
Morgenthau äußerte am 20. April 1945 zu Stettinius, das Außenministerium scheine dem Finanzministerium noch immer »böse« zu sein. Der mit Reparationsfragen befaßte Präsidenten-Berater Bernard Baruch erschien ihm dagegen »unglaublich gut«.
Baruch war soeben aus England zurückgekehrt und trat nach Morgenthaus Urteil nun »weit entschiedener für die Dezentralisierung Deutschlands ein als vor seiner Abreise. Er möchte unbedingt helfen. Er nahm an, die Engländer hätten sich aus Furcht vor Rußland noch nicht entschieden, ob es wichtiger sei, Deutschland aufzubauen oder den deutschen Exporthandel zu übernehmen, der ihnen durch die Entindustrialisierung Deutschlands zufallen könnte«.
Da Morgenthau wußte, welchen Einfluß Baruch auf Truman ausübte, wandte sich Morgenthau auch an den Präsidenten. Truman: »Ich sage Ihnen vertraulich, daß ich davon absehe, (den Reparations-Experten) Lubin zur bevorstehenden alliierten Konferenz über Reparationsfragen zu schicken. Er hat nicht genügend Einfluß. Ich werde einen anderen schicken, einen fabelhaften Mann. Sie werden zufrieden sein.«
Der »andere« war Edwin W. Pauley, ein alter Freund Trumans, Ölmanager aus Kalifornien und einer der führenden Figuren der Demokratischen Partei. Zu Morgenthaus Erleichterung überließ Pauley die Reparationsfragen dem interministeriellen Deutschland-Ausschuß, in dem das Finanzministerium vertreten war.
In den Ausschuß verlagerte sich nun auch die Erörterung über die Schlußredaktion der Direktive JCS 1067. Dabei reagierte Morgenthau weit günstiger als seine Untergebenen auf die maßvollen Argumente John J. McCloys, der wieder das Kriegsministerium vertrat. Damit näherte sich der Minister auch dem Standpunkt Claytons und des Außenministeriums.
In erster Linie ging es um die Verhaftung von Mitgliedern der NSDAP. Das Finanzministerium wünschte, in der Direktive JCS 1067 solle festgelegt werden, daß bedeutende Industrielle wie Krupp oder willfährige Diener Hitlers wie Franz von Papen keine Sondervergünstigung erhielten. Das Finanzministerium bestand auch auf der Verhaftung aller Führer der SS und anderer Nazi-Organisationen.
Das Kriegsministerium hingegen erklärte, General Eisenhower werde gar nicht die Möglichkeit haben, alle diese Missetäter -- etwa zwei oder drei Millionen -- einzusperren. »Wir sagen nicht etwa, daß wir sie nicht verhaften werden«, argumentierte McCloy. »Aber man muß doch dem Oberbefehlshaber in Deutschland etwas Handlungsfreiheit geben. Wer ein Land verwaltet, kann nicht einfach nur Beschlüsse am grünen Tisch fassen.«
Morgenthau stimmte der Formulierung McCloys zu, Eisenhower müsse das Recht haben, dem US-Generalstab einen Haftaufschub bei Personen zu empfehlen, deren Dienste für die Besatzungsmacht lebensnotwendig seien, aber der Minister setzte sich nach wie vor entschieden für eine strenge Bestrafung hoher Nazis in Industrie oder Diplomatie ein.
McCloy erwiderte, die Armee stecke Leute wie Papen lieber in eine Villa als in ein Gefängnis; so könne man ihnen wertvOlle militärische und politische Informationen entlocken. McCloy: »Das sollte Eisenhower entscheiden.«
Er beschwichtigte Morgenthau: »Ich habe unter Papen gelitten, ich kenne seine Gemeinheit. Ich möchte nicht in den falschen Verdacht kommen, daß ich hohe Nazis in Schutz nehmen will.«
Morgenthau ließ sich überzeugen und stimmte zu, daß es Eisenhower überlassen bleibe, führende Nationalsozialisten, die »für Nachrichtenermittlung und andere Zwecke« wichtig seien, von der harten Behandlung auszuschließen.
Nun wurde erörtert, ob Amerika in Deutschland eine Inflation fördern sollte. Morgenthau: »Das Finanzministerium der Vereinigten Staaten wünscht ein Minimum an Inflation in Deutschland.« Er forderte, es dürften keine Maßnahmen zum Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft getroffen
* Mit Propagandaminister Goebbels (r.) und Gauleiter Terboven (3. v. r.) In den Krupp-Werken.
werden. Clayton und McCloy akzeptierten Morgenthaus Forderung.
Sie erklärten sich auch bereit, einen vom Finanzministerium entworfenen Satz in die Direktive JCS 1067 aufzunehmen: »Bemühungen um Verhinderung und Einschränkung der Inflation dürfen keinen zusätzlichen Grund für einen Warenimport bilden. Sie dürfen auch nicht den Abtransport, die Zerstörung oder die Verminderung der Produktionsstätten im Zuge des Reparations- und Entmilitarisierungsprogrammes behindern.«
Dann unterhielten sie sich über den Grundbesitz in Preußen. McCloy bestand auf einer »grundlegenden Bodenreform. Der Agrarbesitz ist meines Erachtens der Kern der ganzen verfluchten preußischen Wirtschaft«. Clayton aber hatte Bedenken, die kategorische Erklärung abzugeben, die Vereinigten Staaten billigten eine Landenteignung ohne jede Entschädigung.
Er glaubte auch, der Kommandierende General der amerikanischen Besatzungstruppen werde nicht sofort die preußischen Güter enteignen können, da deren Ernten gebraucht würden, bis die Armee das deutsche Ernährungsproblem gelöst habe.
Widerwillig billigte Morgenthau Claytons Ansicht und stimmte der Formulierung des AA-Vertreters zu, der Kommandierende General solle »die deutschen Behörden anweisen, mit Hilfe der großen Agrargüter die Unterbringung und Ansiedlung von Deutschen zu erleichtern und die landwirtschaftlichen Erträge zu erhöhen«.
Clayton war mit dem Passus der Direktive zufrieden, in dem die Mitglieder des Kontrollrats angewiesen wurden, »den Bau von Handelsschiffen, die Herstellung von synthetischem Öl und Gummi, Aluminium und Magnesium und anderen Produkten und Ausrüstungen sofort zu verbieten und zu verhindern
McCloy bezweifelte jedoch, ob es richtig sei, weitere Anlagen zur Produktion von synthetischem Gummi und Öl zu zerstören. Er erklärte, die Armee habe einige Werke zur Herstellung synthetischer Erzeugnisse »mit sehr großem Nutzen« eingesetzt, und er sah keinen Nachteil darin, »zum Zwecke unserer Besatzung« die Produktion fortzusetzen. Morgenthau befürchtete hingegen, die Deutschen würden auch nach der Besatzungszeit zu diesen Produktionsanlagen Zugang haben, wenn die Fabriken nicht sofort zerstört würden.
Morgenthau wandte sich jedoch ohne jedes weitere Argument von dem Thema ab, denn er war zufrieden, daß in der Direktive die Frage der deutschen Produktivität in seinem Sinne entschieden wurde. In Deutschland sollten nur einige Industrieanlagen verbleiben, damit das deutsche Volk die Besatzungsstreitkräfte versorgen und für sich selbst einen Lebensstandard unterhalb jenem seiner Nachbarländer erlangen konnte.
Morgenthau lobte die überarbeitete Version der Direktive JCS 1067: »Ich habe das Gefühl, daß all dies weit besser ist, als ich noch vor kurzem zu hoffen gewagt hatte. Das ist für mich durchaus zufriedenstellend.«
Bevor die anderen Mitglieder des Interministeriellen Deutschland-Ausschusses am 27. April 1945 dem Weißen Haus die überarbeitete Direktive übergaben, suchte Morgenthau Präsident Truman auf. Der Präsident war damit einverstanden, sich das Deutschland-Buch anzuschauen, mit dessen Vorbereitung Morgenthaus Mitarbeiter begonnen hatten.
Auch später noch stimmte Truman dem Deutschland-Planer Morgenthau zu. Am 2. Mai 1945 erklärte er laut Morgenthaus Tagebucheintragung »zwei- oder dreimal": »Ich vertraue Ihnen voll und ganz. Falls sich das einmal ändert, werde ich es Ihnen sagen.« Morgenthau: »Ich »hoffe, daß dieser Tag nie kommen wird.« Darauf Truman: »Ich bin sicher, daß er nie kommt.«
Zwei Tage später war Truman vorsichtiger.« Der Präsident bat mich nach der Kabinetts-Sitzung noch zu bleiben«, notierte sich Morgenthau am 4. Mai. »Er gab mir ein Kapitel (aus dem Deutschland-Buch) zurück und erklärte, er habe es zweimal gelesen und in der letzten Nacht zwei Stunden lang nicht schlafen können, weil er sich darüber Gedanken gemacht habe.
Er sagte: »Ich habe noch einmal das Abkommen von Jalta nachgelesen; wir -- Churchill, Stalin und ich -- müssen uns über einen Plan einigen. Das ist meine Sache. Sie müssen mir Zeit geben. Ich wünsche, daß Sie in dieser Angelegenheit nichts weiter unternehmen.«
Am 9. Mai setzte Morgenthau das Gespräch fort. In sein Tagebuch schrieb er: »Ich kam auf den Deutschland-Plan zu sprechen und meinte: »Ich hatte den Eindruck, mein Plan gefiele Ihnen. Er sagte: »Ja, im großen und ganzen bin ich dafür. Darauf ich: »Hier ist der Teil über die Landwirtschaft. Er wollte dieses Kapitel unbedingt haben und versicherte, er würde es lesen und prüfen.«
Morgenthau notierte: »Ich verließ ihn mit dem deutlichen Gefühl, daß ich diesem Mann gefalle und daß er mir vertraut. Er macht auf mich den Eindruck, als sei er ganz offen.«
Erst allmählich kam Morgenthau die schmerzliche Erkenntnis, welche Entfernung ihn von dem Präsidenten trennte. In der letzten Maiwoche 1945 kritisierte der Minister die Pläne des Obersten Bundesrichters Robert Jackson für das Gerichtsverfahren gegen deutsche Kriegsverbrecher.
Morgenthau meinte, Jackson gehe zu sehr auf die Feinheiten des Gerichtsverfahrens ein, er würde die Arbeit des alliierten Gerichts über Gebühr verlängern und Verurteilungen auf unbestimmte Zeit hinauszögern. Der Präsident war anderer Meinung: Jackson leiste gute Arbeit. Truman: »Ich möchte nicht einfach wie die Engländer ohne Prozeß vorgehen. Sogar die Russen wollen ihnen (den NS-Kriegsverbrechern) ein Gerichtsverfahren bieten.«
Morgenthau war über die Antwort ebenso beunruhigt wie über das Gerücht, Jimmy Byrnes würde zum Außenminister ernannt werden. Am 1. Juni fragte er Truman, ob das Gerücht zutreffe. »Ich kann mit ihm nicht auskommen«, lamentierte Morgenthau.
Truman aber beschrieb ihm, welche Schwierigkeiten er bei der Vorbereitung der Potsdamer Konferenz habe, auf der er mit Stalin und Churchill zusammentreffen sollte. Zudem wünschten die Führer der Demokratischen Partei anstelle von Stettinius einen besseren Parteimann; sie bestünden zwar nicht auf Byrnes, aber er, Truman, »prüfe die Situation«. Morgenthau zog für sich die Schlußfolgerung, das Gerücht über Byrnes entbehre nicht der Grundlagen.
Als ihm Truman das nächste Mal eine Bitte abschlug, machte der Präsident keine Ausflüchte. Die französische Regierung hatte Mitte Juni Morgenthau nach Paris eingeladen, Morgenthau aber wollte, wie er Joseph Grew erzählte, »nur nach Europa reisen, wenn der Präsident und das Außenministerium voll und ganz damit einverstanden sind«.
Am 13. Juni 1945 sprach Morgenthau mit Truman darüber. Er notierte sich: »Der Präsident wirkte sehr zerstreut und nervös; er rannte im Zimmer auf und ab. Er sagte: »Ich habe noch keine Zeit gehabt, darüber nachzudenken. Ich: »Die Franzosen meinen, es würde ihnen helfen, ihr Volk Demokratie zu lehren, und das ist wichtig für sie.
»Er betonte nochmals: »Ich muß das (Einladungsschreiben der französischen Regierung) erst einmal lesen. Ich will es mit nach Hause nehmen und studieren. Ich möchte darüber nachdenken. Ich erwiderte: »Ich habe darüber mit Grew gesprochen, das Außenministerium ist einverstanden. Er meinte: »Das weiß ich, aber ich habe da gewisse Dinge im Sinn. Ich kann dazu nur sagen, daß sein Gehirn in dieser Frage eindeutig blockiert ist.«
Am 18. Juni 1945 hatte der Präsident seinen Entschluß gefaßt. Morgenthau berichtet: »Als ich eingetreten war, legte der Präsident sogleich los: »Ich habe über Ihre Frankreich-Reise nachgedacht. Ich möchte nicht, daß Sie fahren. Ich wünsche, daß Sie hier bleiben. Ich möchte nicht, daß Sie und ich zur gleichen Zeit in Europa sind.
»Ich weiß nicht, wie er es eigentlich formulierte, aber ich gewann den Eindruck, daß er nicht wünscht, daß ich in Europa meine Nase in alles mögliche steckte. Der Präsident erklärte: .Ich möchte nicht, daß Sie auch außer Landes sind, wenn ich nicht da bin. Darauf ich: »Als Roosevelt zur Krim-Konferenz fuhr, sagte er vor dem Kabinett, falls etwas geschieht oder ein Notstand eintritt, sollte ich das Kabinett zusammenrufen. Truman meinte: »So ist es. Nach der Verfassung kommt Ihnen diese Aufgabe zu.
»Im Laufe der Unterhaltung erklärte der Präsident, er empfinde mir gegenüber wie ein Bruder. Und er wünschte, ich würde ihm gegenüber die gleichen Gefühle hegen. Ich: »Herr Präsident, Sie haben sich mir gegenüber großartig verhalten, und Sie haben meine Position sehr erleichtert. Er: »Ich tue das gern.
»Dann fragte ich: »Was würden Sie davon halten, wenn General Patton den Platz von (dem als Militärgouverneur in Deutschland vorgesehenen General) Lucius D. Clay einnehmen würde? Senator Kilgore meint, Clay sei nichts weiter als ein Faschist. Der Präsident lachte herzlich und entgegnete: »So pflegten wir ihn zu nennen, als wir noch im Senat saßen.«
Aber Truman vertraute Clay mehr. Ende Juni erfuhr Morgenthau, daß der Präsident die Empfehlungen des Finanzministeriums über die Zerstörung des deutschen Bergbaus verworfen hatte. Morgenthau zeichnete in seinem Tagebuch auf, Truman habe in einem Telegramm befohlen, die Kohleproduktion im Saarland und im Ruhrgebiet wiederaufzunehmen. Morgenthau: »Ich wünsche natürlich, daß ich über die Vorgänge unterrichtet werde.«
Doch niemand informierte ihn. Anfang Juli machte sich Truman in einem Gespräch mit Henry Stimson darüber lustig, wie sehr sich Roosevelt in Quebec auf Morgenthau verlassen habe. Morgenthau und Baruch, witzelte der Präsident, hätten eines gemeinsam: »Sie können es nicht lassen, sich in die Deutschland-Frage einzumischen.«
Truman wünschte sich denn auch nicht Morgenthau und Baruch, sondern den Kriegsminister Stimson als Begleiter zur Potsdamer Konferenz. Innerhalb von zwei Tagen sollte Morgenthau die letzte Konsequenz dieser Entscheidung kennenlernen.
Am 5. Juli 1945 suchte Morgenthau den Präsidenten auf und führte das letzte Gespräch mit ihm. Morgenthau: »Sehen Sie, Herr Präsident, Sie reisen jetzt ab, und es verdichtet sich immer mehr das Gerücht, ich hätte bei Ihnen ausgespielt. Ich möchte daher die Frage mit Ihnen erörtern, weil ich während Ihrer Abwesenheit eine große Verantwortung habe.«
Morgenthau notierte: »Er unterbrach mich und erklärte: »Oh, ich sage nach wie vor, daß Ihnen während meiner Abwesenheit die Amtsführung obliegen wird. Ich fragte geradeheraus weiter: »Ich möchte gern wissen, ob ich noch bis zum Tage des Sieges über Japan bleiben soll. Er: »Ich weiß nicht. Vielleicht möchte ich einen neuen Finanzminister.
»Da sagte ich: »Herr Präsident, wenn Sie irgendwelche Zweifel hegen, sollten Sie es jetzt wissen, und wenn Sie es noch nicht wissen« möchte ich jetzt gehen.
»Er: »Darüber möchte ich erst nachdenken.
»Ich: »Herr Präsident, aus einigen Bemerkungen schließe ich, daß Sie etwas im Sinn haben. Entweder wollen Sie mich behalten oder nicht, und das wissen Sie jetzt.
»Er: »Ich kann mich nicht entscheiden.
»Ich: »Gut, Herr Präsident, ich werde Ihnen mein Rücktrittsgesuch schreiben. Möchten Sie, daß ich noch bis zu Ihrer Heimkehr bleibe, oder soll mein Rücktrittsgesuch sofort in Kraft treten?«
»Er: »Ich möchte, daß Sie noch bleiben, während ich im Ausland bin.
* Die alliierten Militärgouverneure General de Tassigny (l.), Feldmarschall Montgomery (2), Marschall Schukow (3) und General Eisenhower (4) im sowjetischen Hauptquartier in Berlin, 5. Juni 1945.
»Ich: »Gut, ich schreibe Ihnen einen Brief. Möchten Sie, daß ich Ihnen den Entwurf für eine Antwort beifüge?« »Er: »Ja.
»Der Präsident sagte, er würde öffentlich erklären, ich bliebe im Amt, und ich entgegnete, das würde zwar ich glauben, aber leider nicht die Öffentlichkeit. Er meinte: »Sie überstürzen die Dinge. Das wiederholte er mehrmals. Dann sagte ich: »Gut, wenn Sie diese Erklärung nicht heute abend abgeben, werde ich gezwungen sein, es morgen zu tun. Darauf der Präsident: Er werde es noch heute abend bekanntgeben.
»Ich fand ihn sehr schwach und unentschlossen vor, aber ich hatte das bestimmte Gefühl, daß er sich mit dem Gedanken trug« mich auszubooten. Ich bin sehr froh, daß meine Vorahnung richtig war und daß ich den Zeitpunkt wählte.
»Dann fragte ich ihn, ob er den Morgenthau-Plan (nach Potsdam) mitnehmen wollte, und er entgegnete: »Oh, ich habe ihn gelesen, und ich kenne alle Punkte. Und ich halte ihn für sehr gut.«
Später erzählte Morgenthau seinen Mitarbeitern von dem Gespräch im Weißen Haus. Henry Morgenthau zog die Bilanz: »Ich wäre gern noch geblieben, aber das habe ich ihm nicht gesagt. Ich hätte gern noch bis zum Ende des Krieges ausgeharrt. Aber es waren gute zwölf Jahre, und wir haben fleißig gearbeitet.«
Am 5. Juli 1945 trat Morgenthau von seinem Posten zurück -- der Morgenthau-Plan wurde nie in seiner ganzen Härte ausgeführt. Ende