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DIESE WOCHE IM FERNSEHEN

aus DER SPIEGEL 35/1977

Montag, 22.8.

20.15 Uhr. ARD. Panorama

Geplante Themen: die Flucht des ehemaligen SS-Obersturmbannführers Kappier, die Jugendpolitik in Hessen seit dem CDU-Kommunalwahlsieg« der »Sinn von Zivilschutz« und der neue Hunger- und Durststreik von BM-Häftlingen.

20.15 Uhr. ZDF. Die Anarchisten (1) In der zweiteiligen Sendung will Walther Schmieding »den historischen Unterschied« zwischen Terroristen und Anarchisten klarmachen. Zugleich werden die »Sündenfälle« des Anarchismus aufgezeigt: »seine Berührungen« mit dem Terrorismus, die seine Ursprungsidee eines antiautoritären Sozialismus »zunehmend diskreditierten«. Ausführlich geht Schmieding auf eine legendäre Gruppe russischer Attentäterinnen und höherer Töchter aus der Zarenzeit (Photo) ein: »Die Urbilder unserer modernen Terroristinnen?« Fortsetzung: 28. August, 21.40 Uhr.

21.15 Uhr. ZDF. Die Schattenlinie

Joseph Conrads hintergründig-exotischen Seefahrts-Roman um die Lebenskrise eines jungen Kapitäns hat der polnische Starregisseur Andrzej Wajda ("Asche und Diamant") 1976 verfilmt. Die britisch-polnische Koproduktion sei, so Kritiker, von »hoher Qualität«, aber »zu langatmig«.

21.45 Uhr. ARD. Partner oder Feind? »Das große Wort unserer Zeit heißt Gesellschaft, nicht Partnerschaft«, konstatieren der Münchner Journalist Georg Walschus und Philosophie-Professor Anton Neuhäusler in ihrem TV-Essay über die Frage: »Sind wir unfähig zur Partnerschaft?«

Dienstag, 23. 8.

19.30 Uhr. ZDF. Lockruf des Goldes (1)

Wiederholung der faden vierteiligen Jack-London-Verfilmung nach einem Script des »Seewolf«-Bearbeiters und Produzenten Walter Ulbrich.

21.00 Uhr. ARD. Broddi

»Schwerpunktfilm« des DDR-Fernsehens von dem in der DDR renommierten Autor Benito Wogatzki. Broddi ist ein Vorzeigeproletarier, der aber mit der Welt und seinem Mädchen nicht zurechtkommt und eine konfuse Vergangenheit hinter sich hat: Seine Mutter, die »spindeldürre Küchenhilfe Brunhilde«, hat ihm nur die »breitgedrückte Nase« hinterlassen, nach Heimerziehung eilt er »freiwillig zu den Soldaten, weil er hier regelmäßig Geld und Kleidung sowie Kameraden zugeteilt bekam«. Regie: Ulrich Thien.

21.15 Uhr. ZDF. Kennzeichen D Ein Porträt zu Erich Honeckers 65. Geburtstag (am 25. August) und ein Kommentar, warum der schleswig-holsteinische Innenminister Titzck öffentlichen Bediensteten Betriebsausflüge in die DDR verboten hat.

22.00 Uhr. ZDF. Aspekte

Die Winifred-Wagner-Enkel werden mit den Aussagen ihrer Großmutter über Hitlers »Herzenstakt und einzigartige Persönlichkeit« konfrontiert, die sie in Hans Jürgen Syberbergs Wagner-Film machte (Photo). Außerdem: die Stuttgarter Oskar-Schlemmer-Ausstellung und »Kunst im Knast«.

Mittwoch, 24. 8.

20.15 Uhr. ARD. Miterlebt: Babylon Airport

Feature von Wilhelm Bittorf über den Frankfurter Rhein-Main-Flughafen.

20.15 Uhr. ZDF. Bilanz

Das Wirtschaftsmagazin befaßt sich mit der Frage: »Mehr Wachstum -- aber wie?« Dazu Filmbeiträge und ein Live-Interview mit dem wirtschaftspolitischen FDP-Sprecher Graf Lambsdorff. Moderator: Wolfgang Schröder.

20.15 Uhr. Nord III, West III und Hessen III. Der Tolpatsch (sw)

Amerikanischer Film-Jux (1953) mit Jerry Lewis und Dean Martin. Regie: Norman Taurog.

21.15 Uhr. ZDF. Auch die Engel essen Bohnen

Die Persiflage (1972) auf alte US-Gangsterfilme drehte E. B. Clucher, dessen slapstickhafte Italo-Western Welterfolge sind. Sein Hauptdarsteller: der in Prügelorgien virtuose Bud Spencer (Photo, mit Giuliano Gemma, r.).

Donnerstag, 25. 8.

20.15 Uhr. ARD. Fernseh-Konzert

Live-Übertragung des Gala-Abends zur Eröffnung der Berliner Funkausstellung.

21.05 Uhr. Nord III, West III und Hessen III. El Bruto, Der Starke (sw) Bunuels volkstümliches mexikanisches Sozialdrama von 1952.

21.15 Uhr. ZDF. Dreizehn Programme?

ZDF-Redakteur Hans Heiner Boelte hat mit Umfragen zu klären versucht, ob deutsche Zuschauer mehr TV-Programme wollen und bringt Vergleiche aus Nachbarländern.

21.45 Uhr. ARD. Bilder aus der Wissenschaft

Das Magazin zeigt »Bilder aus dem Mutterleib«, nach neuen Methoden der Fetoskopie aufgenommen, und berichtet über »die ethischen Probleme vorgeburtlicher Diagnostik«. Leitung: Albrecht Fölsing.

22.00 Uhr. ZDF. Ausgetreten. Wege (sw)

In seinem politischen Melodram will Phillippe Nahoun, einst Chefredakteur von Sartres Zeitung »Libération«, Vergangenes aktualisieren: »Wir erleben heute die gleichen historischen Weichenstellungen, Entscheidungsmöglichkeiten, Wahlchancen wie damals« -- ein Jahr vor dem französischen Volksfrontsieg, im Juli 1935, geraten Sozialisten, Kommunisten und ein faschistisches Rollkommando in blutige Auseinandersetzungen, in die eine kleinbürgerliche Familie verwickelt ist.

Freitag, 25.8.

20.15 Uhr. ARD. Das Gespenst von Canterville

Oscar Wildes Satire in einer TV-Verfilmung mit David Niven. Regie: Robin Miller.

21.30 Uhr. ZDF. »... wie abgerissen« Ein »Autoren-Kabarett« von Dieter Hildebrandt und Werner Schneyder.

22.25 Uhr. ARD. Im Scheinwerferlicht Jeanne Moreau bewältigt in ihrem Debüt als Spielfilmregisseurin (1976) Vergangenheit. In der Hauptrolle reflektiert die Diva (Photo, mit Francois Simon) ihr Vedetten-Dasein und ließ verschlüsselt Intimes mit einfließen: So ihre Affäre mit Peter Handke. Im Film heißt der (von Bruno Ganz dargestellte) Dichter Heinrich Grün (nach Gottfried Kellers »Grünem Heinrich«, Handkes Lieblingslektüre) und sagt auf einer Seine-Brücke zur Moreau: »Du bist die Frau meines Lebens, und ich bin der perfekte Mann für dich.« Deutsche Erstaufführung.

Samstag, 27.8.

20.15 Uhr. ARD. Die Verdammten der Meere (sw)

Englische Matrosen-Geschichte (1962) mit Peter Ustinov als Regisseur und Hauptdarsteller.

22.30 Uhr. ARD. Je später der Abend Gäste der Münchenhagen-Talkshow, die diesmal bei der Berliner Funkausstellung aufgezeichnet wird: Werner Höfer und Brigitte Mira (Photos).

23.15 Uhr. ZDF. Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert

Bei den Moskauer Filmfestspielen 1971 preisgekrönter Italo-Thriller über einen sozialistischen Polizeikommissar, der einen Mafia-Boß erschießt. Regie: Damiano Damiani.

Sonntag, 28.8.

10.30 Uhr. ZDF. Singen für den Feind Zahlreiche Pariser Show-Künstler -- so Edith Piaf, Maurice Chevalier und Fernandel -- sollen den Nazis im besetzten Frankreich »in die Hände gearbeitet« haben: Diese (umstrittene) These vertritt der französische Journalist André Halimi in seinem Dokumentarfilm, den das ZDF mit einem Kommentar von Carlo Schmid sendet.

12.00 Uhr. ARD. Der Internationale Frühschoppen

Werner Höfer diskutiert mit Melvin Lasky (USA), Michael Meyer (Frankreich), Katarina Larsson (Schweden), Janos Hajdu (Ungarn) und Dieter Gütt (Bundesrepublik) zum Thema: »Braucht die Welt den häßlichen Deutschen?« Novum in der Höfer-Runde: Zuschauer können künftig nach der Sendung mit den Gesprächsteilnehmern telephonisch debattieren. 21.40 Uhr. ARD. Der Kasten, aus dem Köpcke kommt

Zur Berliner Funkausstellung ein Rückblick auf 25 Jahre deutsches Fernsehen. Durch die Sendung führen TV-Autor Winfried Göpfert und Walter Bruch, der Erfinder des PAL-Farbfernsehsystems.

22.25 Uhr. ARD. Kritik am Sonntagabend

Themen von Dieter Zilligens »Bücherjournal": die Memoiren von Tennessee Williams und von Simone Signoret, »Das Leben nach dem Tod« von Raymond A. Moody und der Schelmenroman aus den Pariser Slums ("Du hast das Leben noch vor dir"), dessen Verfasser, Emile Ajar, interviewt wird.

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