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DIESE WOCHE IM FERNSEHEN

aus DER SPIEGEL 28/1973

Montag, 9.7.

20.15 Uhr. ARD. Panorama

Moderator: Peter Merseburger. Geplant sind Beiträge über den DDR-Auslieferungsantrag im Fall Brückmann, die Arbeit des Steiner-Untersuchungsausschusses und über »den gemeinnützigen Anspruch der Neuen Heimat«. Ferner ein Bericht über eine Röntgenuntersuchung, die bei Anliegern von Bleihütten giftige Ablagerungen ergeben hat.

21.00 Uhr. ARD. Unterhaltung in der DDR

In dieser (vom West-Berliner Filmproduzenten Durniok bestellten) Sendung präsentiert das DDR-Fernsehen sei ne Show-Stars: Gisela May. das Schlagerpaar Frank Schoebel und Chris Doerk sowie den Chansonnier Manfred Krug, der -- bisweilen auch als Schwimmer -- durch das für West-Kunden poppig hergerichtete Potpourri führt.

21.00 Uhr. ZDF. Der Steinwurf

»Meinen christlichen Freunden« hat der chilenische Regisseur und Arzt Aldo Francia, 50, seinen dritten Spielfilm (1972) gewidmet. Die verschlüsselt agitatorische Geschichte eines jungen Kaplans, der sich als Armenpriester mit streikenden Arbeitern solidarisiert, wird als deutsche Erstaufführung gezeigt.

22.00 Uhr. ARD. Die Schlacht oder Wie einer, der zum Waffendienst forcieret, sich in die Büsche schlug

Die Aufzeichnungen des unheldischen Schweizer Bauern Ulrich Braeker, der im Siebenjährigen Krieg zwangsrekrutiert wurde und 1756 in der Schlacht bei Lobositz desertierte, werden in diesem Film mit Trick und Zinnsoldaten nacherzählt.

Dienstag, 10. 7.

20.00 Uhr. DDR I. Das Trauerspiel

Mit »Originalaufnahmen aus Flickschen Waffenschmieden«. Mitschnitten von den Trauerfeierlichkeiten und Spottversen ("Kaum war der Geier tot, da beeilte man sich schon, zu versichern. daß er vorn Schnabel bis zur Kralle ein Mensch gewesen sei") begeht das DDR-Fernsehen Friedrich Flicks 90. Geburtstag. Die »Demontage des Bildes vorn väterlichen Wirtschaftslenker« wurde gemeinsam vom Ost-Berliner TV-Team »Studio H+S« ("Der lachende Mann, Kongo-Müller") und dem Kölner Agitrock-Kabarett »Floh de Cologne« verfaßt.

20.15 Uhr. ARD. Sterns Stunde

In der neuen Ausgabe seines provokanten Tier-Feuilletons erklärt Horst Stern die Funktion des Storches als »biologischer Wächter": Sein plötzliches Verschwinden aus einer Landschaft signalisiert das Absterben der Natur.

20.15 Uhr. ZDF. Blickpunkt: Mehr Studienplätze durch Kurzstudium?

Moderator: Florian Höner. Die Dokumentation beschäftigt sich mit den kontroversen Vorschlägen zur Studienreform. Dazu Streitgespräche zwischen den Kultusministern Hans Maier (Bayern) und Peter von Oertzen (Niedersachsen), Bernhard Vogel (Rheinland-Pfalz) und Bildungsminister Klaus von Dohnanyi.

21.00 Uhr. ARD. Olifant

Die wenig bekannte Novelle des Erzählers Ernst Penzoldt (1892 bis 1955), eine phantastisch-skurrile Liebesgeschichte um einen alternden Schriftsteller und seine »zum Leben erweckten Geschöpfe«, hat BR-Mitarbeiter Horst Dailmayr zu einem TV-Spiel verarbeitet.

21.50 Uhr. ZDF. Impulse

Moderator: Wilfried Hoffer. Geplant sind Beiträge über Afrika-Klischees in deutschen Schulbüchern und über die schlecht koordinierten Bildungseinrichtungen für Gastarbeiter in der Bundesrepublik.

22.10 Uhr. ARD. Stadt im Quadrat: Wien-Ottakring

Eine aus 480 Bildern montierte Photo-Reportage von Kurt Heinrich Hansen.

22.35 Uhr, ZDF. Nachtstudio: Die Geburt. der Nation

Unter dieser vom Stummfilm-Pionier Griffith entlehnten Titelzeile beschwört der (jüngst vom New Yorker Museum of Modern Art für Amerika entdeckte) Hamburger Experimentalfilmer Klaus Wyborny die Anfänge der Zivilisation und des Kinos: Fünf junge Menschen gründen in karstigem Wüstenland den ersten Staat der Menschheit. Sie scheitern dabei an der »alten Sprache« mißverständlicher Wörter. Wybornys 70-Minuten-Film hat es da besser: Seine (mit Labortricks. Wiederholungen und naivem Kommentar artikulierte) Filmsprache wirkt so frisch und ungewohnt, daß sie Gefahr läuft, als Dilettantismus mißverstanden zu werden

Mittwoch, 11. 7.

20.15 Uhr. ARD. Kinder einer Klasse

In seinem »sehr kinderfreundlichen« Feature zeigt der Hamburger TV-Journalist Kristian Kühn Erziehungsprobleme aus der Sicht der Betroffenen: »Stellvertretend für Gleichaltrige« reden 14 Zweitklässler aus Bremen 45 Minuten lang über Eltern und Umwelt. Träume und Verbote, Ängste und Aggressionen.

20.15 Uhr. ZDF Magazin

20.15 Uhr. West III Die Stunde der Hochöfen (sw)

In seinem 225 Minuten langen Agitations- und Propagandafilm will der argentinische Soziologe, Jurist und Polit-Filmer Fernando E. Solanas ("Film ist Waffe") die Vergangenheit Lateinamerikas als »Geschichte einer endlosen Ausplünderung« durch Großgrundbesitzer und die CIA entlarven. Fortsetzung: 14. Juli, 20.15 Uhr.

21.00 Uhr. ZDF. Leichtathletik-Länderkampf: Bundesrepublik -- USA -- Schweiz

Aufzeichnungen vom Abend aus dem Münchner Olympiastadion. Über die Endkämpfe berichtet die ARD am Donnerstag ab 20.15 Uhr.

21.45 Uhr. ARD. Kompass

Moderator: Dagobert Lindlau. Das ARD-Auslandsmagazin will über »die wachsende Bedeutung Syriens im Nahost-Konzept der UdSSR« und über »den Prestigezuwachs des Uganda-Premiers Idi Amin innerhalb der afrikanischen Staaten« berichten. Geplant sind ferner Beiträge über Nordirland nach den Wahlen sowie Skizzen aus dem Alltag in Südkorea.

22.50 Uhr. ARD. Herrenpartie (SW)

Kritisch-satirisch, doch reichlich anekdotisch beschreibt Wolfgang Staudtes (1963 von Jugoslawen und Deutschen gemeinsam produzierter) Spielfilm die Konfrontation deutscher Sangesbrüder mit der Nazi-Vergangenheit: Auf der Heimfahrt vom Jugoslawien-Urlaub gerät der Herrenklub ausgerechnet in ein serbisches Dorf, dessen Männer 1943 von der deutschen Wehrmacht als Geiseln erschossen worden sind.

Donnerstag, 12. 7.

21.15 Uhr. ZDF. Kennzeichen D

Angekündigt sind Berichte über die Rostocker Ostseewoche, den SPD-Ausschuß des zurückgetretenen FU-Vizepräsidenten Wesel und Mitschnitte einer West-Berliner Lesung des DDR-Schriftstellers Hermann Kant. Ferner ein Beitrag über Fehlinvestitionen bei steuerbegünstigten Hotel- und Appartementprojekten im Zonenrandgebiet.

22.00 Uhr. ARD. Pro und Contra

Zu einer Diskussion über die Verteuerung von Benzin, Versicherungs- und Parkgebühren wurden Leo Brawand ("manager magazin"), Christian Schütze ("Süddeutsche Zeitung"), Städtebauminister Vogel, der deutsche Ford-Generaldirektor Barthelmeh und Vertreter von ÖTV und ADAC eingeladen. Leitung: Emil Obermann.

Freitag, 13. 7.

20.15 Uhr. ARD. Titel, Thesen, Temperamente

Geplant sind ein Interview mit dem ehemaligen Met-Chef Sir Rudolf Bing, der kürzlich in München die deutsche Ausgabe seiner Memoiren präsentiert hat, und ein Report über Kulturveranstaltungen in westdeutschen Ferienorten.

20.15 Uhr. ZDF. Ein Fall für Goron

»Weit mehr als einen spektakulären Kriminalfall« -- den Mord an einem Gerichtsvollzieher im Paris von 1888 -- will der Berliner Schriftsteller Robert Wolfgang Schnell in seinem Fernsehspiel darstellen: Die Hauptverdächtige (Hannelore Eisner) sieht er als »Inkarnation des Übels der Gesellschaft und gleichzeitig als deren Opfer«.

21.40 Uhr. ZDF. Bis ins letzte Dorf

Am Beispiel des pfälzischen Dorfes Höningen, einer der 10 000 bundesdeutschen Gemeinden mit weniger als 500 Einwohnern, analysiert die TV-Journalistin Imogen Seger Konsumverhalten und spezifische Verbrauchergewohnheiten der Landbevölkerung.

22.20 Uhr. ARD. Operation Walküre

Wiederholung von Helmut Pigges zweiteiliger Rekonstruktion des Stauffenberg-Attentats, für die bei der Erstsendung (18. Juli 1972) nur 21 Prozent Sehbeteiligung registriert wurden. Fortsetzung: 20. Juli. 22.20 Uhr.

23.00 Uhr. ZDF. Apropos Film Filmnachrichten, zusammengestellt von Helmut Dimko und Peter Hajek.

Samstag, 14. 7.

15.15 Uhr. ARD. Klatschmohn

In einer 60-Minuten-Dokumentation über »Markt, Macher und Konsumenten der deutschen Popszene« soll jungen Zuschauern klargemacht werden, daß »die Bedürfnisse, die Popmusik scheinbar befriedigt, von den Herstellern suggeriert werden«.

22.05 Uhr. ARD. Fluß ohne Wiederkehr

Cinemascope-Western (1954) von Otto Preminger um Goldgräber, Glücksritter und eine gefährliche Floßfahrt über Stromschnellen in den Rocky Mountains. Hauptdarstellerin Marilyn Monroe (Photo, mit Robert Mitchum) brilliert auch als Interpretin des Titelsongs.

23.20 Uhr. ZDF. Die Schlangengrube (sw)

Im Mittelpunkt dieses Hollywood-Thrillers von 1948, in dem Regisseur Anatole Litvak gegen Mißstände in einer US-Nervenklinik polemisiert, steht die minuziöse Darstellung einer Schockbehandlung. Die Patientin: Olivia de Havilland (Photo).

Sonntag, 15. 7.

11.00 Uhr. ZDF. Medizin im Gespräch

In einer Diskussion zwischen Ärzten und Patienten soll der Musik-Therapie, von deutschen Psychiatern noch bis vor kurzem als Scharlatanerie abgetan, »das Odium des Unseriösen genommen werden«. Leitung: Monika Meynert.

20.15 Uhr. ARD. Zeichen der Zeit: Die ausgezeichneten Deutschen

In seinen »satirischen Bemerkungen zum Ordenskult in der Bundesrepublik« mokiert sich der Schweizer Journalist Roman Brodmann über »die Kriterien des Obrigkeitsstaates«, nach denen die (jährlich etwa 6000) Bundesverdienstkreuze in der Bundesrepublik verteilt werden: »Untertanengeist, Wohlverhalten und Konservativismus«. Auf »Intellektuelle mit einem kritischen Verhältnis zum Staat« sei er bei seinen Recherchen unter Ordensträgern »kaum« gestoßen.

21.00 Uhr. ARD. Die Schaukel

Die romantisch bebilderte Liebesgeschichte einer Fünfzehn jährigen, eine Produktion des sowjetischen Fernsehens, wurde in der DDR deutsch synchronisiert.

21.45 Uhr. ZDF. Der gute Tod der Margina Grevelink

Durch den Prozeß gegen die holländische Ärztin Postma-van Boven, die ihre todkranke Mutter mit einer Überdosis Morphium eingeschläfert hatte, ist auch in der Bundesrepublik die Euthanasie-Diskussion wieder in Gang gekommen. Im Anschluß an die ZDF-Dokumentation dieses Falls wird eine Open-end-Diskussion über »Das Recht auf den eigenen Tod« gesendet, zu der unter anderen der Bonner Moraltheologe Franz Böckle und der (durch seine Biographie des Knabenmörders Bartsch bekannt gewordene) Publizist Paul Moor eingeladen wurden. Leitung: Volker von Hagen.

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