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DIESE WOCHE IM FERNSEHEN

aus DER SPIEGEL 44/1970

Montag, 26. Oktober

20.15 Uhr. ARD. Panorama (Farbe>. Moderator: Peter Merseburger. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Genscher wird über die Zukunft der Partei nach den Austritten der Abgeordneten Mende, Zoglmann und Starke befragt. Ein weiterer Beitrag beschäftigt sich mit den Organisationen »Ku-Klux-Klan«, »Black Panthers« und der Anti-Vietnam-Bewegung bei den in der Bundesrepublik stationierten Gis. Außerdem wird untersucht, ob das Feuerbestattungsgesetz von 1934, das Begräbnisse auf privaten Grundstücken verbietet, bei der Platznot auf Friedhöfen überholt ist.

20.15 Uhr. ZDF. Die Uhr läuft ab -- für jeden. Report von Sigrid Schenkenberger über »Wohnprobleme alter Menschen« in der Bundesrepublik.

21.00 Uhr. ZDF. Der Tag bricht an. Der französische Spielfilm von 1939, der als eines der wichtigsten Werke des Regisseurs Marcel Carné gilt, schildert die letzten Stunden eines jungen Mörders (Jean Gabin), dessen Zimmer von Polizisten belagert ist.

21.45 Uhr. ARD. Die Niklashauser Fart (Farbe). Im 15. Jahrhundert zog der Hirte Hans Böhm durch Franken und rief die unterdrückten Bauern zur Revolution gegen Kaiser, Kirche und Adel auf. Doch die Bauern mißverstanden den Revolutionär als Messias. Ihre elende Lage, so glaubten sie, könne sich nur durch ein Wunder ändern. Böhm wurde am 19. Juli 1476 in Würzburg verbrannt. Diese Historie haben Rainer Werner Fassbinder und Michael Fengler mit ihrem Münchner »antiteater« gleichnishaft verfilmt. Bei Fassbinder marschiert im Gefolge des Aufrührers Böhm ein Black-Panther-Führer, zwischen Chorälen ertönt die Internationale, und der Bischof, der im Mercedes zu Böhms Hinrichtungsplatz -- einem Autofriedhof -- fährt, segnet die MP-Garde. »Wir wollten zeigen, wie und warum eine Revolution scheitert«, sagt Fassbinder, »es ist ein Film über unsere eigene Situation.« Dienstag, 27. Oktober

21.00 Uhr. ARD. Journal 1870! 71. Dritte Folge der fiktiven Reportage aus der Zeit des Deutsch-Französischen Krieges. 21.50 Uhr. ZDF. Aspekte (Farbe). Moderator: Walther Schmieding. Das Kulturmagazin nimmt Dürrenmatts »Urfaust«-Bearbeitung zum Anlaß, über die Situation des Züricher Schauspielhauses unter dem neuen Direktor Harry Buckwitz zu informieren. Außerdem soll ein Porträt des Hamburger Graphikers Horst Janssen und ein Beitrag über die verblüffende Zuschauerreaktion auf Wolfgang Menges Science-fiction-Film »Das Millionenspiel« gezeigt werden (siehe Seite 251).

Mittwoch, 28. Oktober

20.15 Uhr. ARD. Jahre in Rußland. Ulrich Schiller, von 1966 ·bis 1969 ARD-Korrespondent in Moskau, bietet Einblicke in Mentalität, Arbeits- und Lebensbedingungen der Sowjetbürger. 22.35 Uhr. ZDF. Abstieg zur Tiefe. In der Sendung über »die Erforschung der menschlichen Seele« gibt der Fernsehjournalist Hermann Bergmann eine populärwissenschaftliche Einführung in die Tiefenpsychologie. Dabei werden an einer Versuchspatientin Hypnose, Traumdeutung und verschiedene psychologische Tests demonstriert.

Donnerstag, 29. Oktober 20.15 Uhr. ARD. Eine Rose für Jane (Farbe). Der Fernsehfilm von Hans W. Geissendörfer, 29, ist ein Reflex auf Hollywoods Gangsterdramen. Der Regisseur, der letztes Jahr mit dem Vampir-Stück »Jonathan« sein Kinodebüt gab, skizziert mit kühler Perfektion und wenig Dialog die Geschichte eines einsamen Killers, der nach eigenen Gesetzen lebt und sich so mit der Bürger- wie der Gangsterwelt verfeindet. 21.55 Uhr. ZDF. Ost-West-Runde. über »Weltrevolution, Koexistenz und Ostverträge« diskutieren die Publizisten Herman Achminow und Wolfgang Leonhard, der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Karl Wienand, und der CDU-Bundestagsabgeordnete Richard von Weizsäcker. Leitung: Bernd Nielsen-Stokkeby.

Freitag, 30. Oktober

20.15 Uhr. ARD. Griechenland 1970 (Farbe). Der Journalist Klaus Liebe recherchierte fünf Wochen im Staat der Obristen. Er begleitete Ministerpräsident Papadopaulos in ein Militärlager, interviewte den »starken Mann Griechenlands«, Innenminister Pattakos, und sprach mit Minister Makarezos über das Verhältnis zur Bundesrepublik. Sein Bericht will zeigen, wie es in Griechenland nach dreieinhalb Jahren Diktatur aussieht.

21.00 Uhr. NDR, RB, SFB (III). Kirchenaustritte. Die leeren Kirchen, so wollen Otmar Engel und Peter Hamm in ihrer Dokumentation belegen, sind nicht nur mit dem wachsenden Ärger über die Kirchensteuer zu erklären. In ihrer Analyse über mögliche Motive der Kirchenflucht untersuchen die Autoren das Verhältnis der Kirche zu Politik, Besitz und Sexualität und befragen dazu Theologen und Gemeindeglieder.

Samstag, 31. Oktober

20.15 Uhr. SR, SDR, SWF (III). Lamento Siciliano. In dem Bericht über »Bestand und Wandel im Land der Mafia« befragt Peter Brugger Angehörige von Mafia-Opfern und Politiker über die Macht dieser Geheimorganisation in Sizilien. 22.10 Uhr. ARD. Red River. US-Western (1948) von Howard Hawks über den Machtkampf zwischen einem brutalen Rancher (John Wayne) und seinem Adoptivsohn (Montgomery Clift).

Sonntag, 1. November

2015 Uhr. ARD. Wer ist der Nächste? Thilo Koch und Peter Otto suchten bei Studenten, Lehrlingen, Schülern und Wehrdienstverweigerern nach »Beispielen praktischer Hilfe der jungen Generation für ihre Mitmenschen«.

20.15 Uhr. ZDF. Ludwig van Beethoven:

... in allem streng die Wahrheit« (Farbe). In dem Feature zum 200. Geburtstag Beethovens wollen Walter Jellinik, Hellmuth Kotschenreuther und Thomas Fantl durch epische Spielszenen und Diskussionen mit Beethoven-Experten das Klischeebild vom »Titanen« zerstören,

20.15 Uhr. BR (III). Nicht versöhnt, oder: Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht. Mit dem deutschen Spielfilm nach dem Böll-Roman »Billard um halb zehn« gab der französische Avantgarde-Regisseur Jean-Marie Straub 1965 sein Kino-Debüt.

21.45 Uhr. ZDF. Armut in einem reichen Land (Farbe). In der Bundesrepublik leben mehr als eine halbe Million Frauen und Männer in menschenunwürdigen Behausungen; 300000 sind ganz ohne feste Unterkunft. Autor Heinz Hemming sucht nach den Ursachen für die Obdachlosen-Misere.

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