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DIESE WOCHE IM FERNSEHEN

aus DER SPIEGEL 50/1971

Montag, 6. 12.

20.15 Uhr. ARD. Report München (Farbe)

Moderator: Klaus Stephan. Zwei Tage vor der Nato-Ministerratskonferenz wird der französische Militärexperte Ferdinand Otto Miksche die militärpolitische Situation in Europa analysieren. Aus Anlaß der bevorstehenden AStA-Wahlen in München untersucht »Report«, was aus den studentischen Bewegungen der sechziger Jahre geworden ist. In einem Bericht über das Ministerium für innerdeutsche Beziehungen soll der geringe Einfluß dieses »Ministeriums ohne besondere Bedeutung« bei den Berlin-Verhandlungen nachgewiesen werden.

21.00 Uhr. ZDF. Bei Anruf Mord (Farbe)

Dieser Kriminalfilm, den Alfred Hitchcock 1954 nach einem Broadway-Stück gedreht hat, schildert -- mit Grace Kelly und Ray Milland in den Hauptrollen -- die Geschichte eines nahezu perfekten Gattenmordes.

21.45 Uhr. ARD. Die Fernseh-Diskussion (Farbe)

In dieser Sendung (Titel: »Halbzeit für den Bürgerpräsidenten") stellt sich Gustav Heinemann den Fragen der Journalisten Rüdiger Altmann, Dieter Gütt, Oskar Fehrenbach und Johannes Gross.

Dienstag, 7. 12.

20.15 Uhr. ZDF. Weniger Soldaten -- mehr Sicherheit? (Farbe)

Die ausgewogene beiderseitige Truppenreduzierung in Ost- und Westeuropa ist eines der Themen der Nato-Ministerratskonferenz vom 8. Dezember. Am Vorabend der Brüsseler Tagung wollen »Welt«-Redakteur Lothar Ruehl und ZDF-Chefredakteur Rudolf Woller die Chancen für Abrüstungsgespräche mit den Warschauer-Pakt-Staaten abwägen und dazu Politiker und Militärs befragen.

21.00 Uhr. ARD. Tristana (Farbe) Dieser -- vorläufig -- letzte Film (1970) von Luis Bunuel verbindet alle Motive des Regisseurs etwa Kirchenfeindlichkeit, sexuelle Obsessionen, soziale Anklage -- mit einer dramatischen Rache-Handlung und einer fast klassischen Bild-Ökonomie. Im Anschluß an das 1970 (mit Cathérine Deneuve und Franco Nero) gedrehte Werk, das die ARD Anfang des Jahres als deutsche Erstaufführung gesendet hat, diskutieren der Jesuit Joseph Burvenich, der Film-Dozent Manfred Delling, die Kritikerin Frieda Grafe und die Regisseure Malte Ludin und Johannes Schaaf über »Tristana«.

21.05 Uhr. SR, SDR, SWF (III). Sein letzter Kampf (Farbe)

Willi Bleicher, seit 13 Jahren Bezirksleiter der Stuttgarter IG Metall, tritt nächstes Jahr in den Ruhestand. Das Filmporträt von Peter Seubert zeigt den Arbeiterführer bei seinem letzten Lohnkampf, dem Streik in der baden-württembergischen Metallindustrie.

21.50 Uhr. ZDF. Aspekte (Farbe) Moderator: Walther Schmieding. Der erste Versuch des bulgarischen Verpackungskünstlers Christo, einen Canyon im US-Staat Colorado durch einen riesigen orangefarbenen »Talvorhang« zu unterteilen, ist mißglückt. »Aspekte« berichtet darüber. Geplant sind außerdem ein Porträt von Walt Disney, der am 5. Dezember 70 Jahre alt geworden wäre, und ein Bericht über den offiziellen Besuch der sowjetischen Schriftsteller-Delegation, die zu Gesprächen über Urheberrechtsfragen in die Bundesrepublik gekommen ist.

22.50 Uhr. ZDF. Nachtstudio: Der Rauberbräutigam (Farbe)

In seiner »sehr subjektiven Nacherzählung eines Märchens der Gebrüder Grimm« will der Mannheimer Arzt und Filmer Gernot Eigler, 33, die »psychische und physische Brutalität und den als nationales Brauchtum glorifizierten Obrigkeitsglauben« in Grimmschen Märchen entlarven.

Mittwoch, 8. 12.

17.10 Uhr. ARD. Kindmutter -- lebenslänglich verurteilt? (Farbe) In der Bundesrepublik bekommen pro Jahr etwa 4000 junge Mädchen zwischen 13 und 16 Jahren uneheliche Kinder -- die meisten Jungmütter müssen vorzeitig die Schule verlassen oder ihre Lehre abbrechen. Wie in Großbritannien beispielsweise schwangeren Mädchen die Weiterbildung in staatlichen Schulen mit angegliederten Mütter-Kind-Heimen erleichtert wird, zeigt der Bericht von Karla Vortisch.

20.15 Uhr, ARD, und 22.25 Uhr, ZDF. Richterwechsel in Karlsruhe (Farbe) Bericht von der Verabschiedung der scheidenden und der Amtseinführung der vier neuen Bundesverfassungsrichter.

20.15 Uhr. ZDF Magazin (Farbe) Moderator: Fritz Schenk.

20.45 Uhr. WDR (III). Monolog für zwei

Französischer Kurzfilm (1958) von Jean-Luc Godard mit Jean-Paul Belmondo.

22.15 Uhr. ARD. Vampira (Farbe) Der Fernsehfilm von George Moorse ist »ein Lehrstück über die Faszination des Bösen« (siehe Seite 181).

Donnerstag, 9. 12.

20.15 Uhr. ARD. Der Strom (Farbe) Eine eher triviale Geschichte von drei jungen Mädchen, die sich am Ganges in einen US-Captain verlieben und an dieser Erfahrung reifen, hat der Franzose Jean Renoir 1951 mit behutsam eingefügten Naturbildern zum »wunderbaren Poem der Jugend« (so Renoir-Biograph Pierre Leprohon) und zu einem seiner besten Spätwerke stilisiert.

21.20 Uhr. HR (III). Robert Walser Das Porträt des Schweizer Schriftstellers ("Jakob von Gunten"), der 1956 in geistiger Umnachtung starb, wurde vom Schweizer Fernsehen übernommen. Regie: Roy Oppenheim.

21.50 Uhr. ARD. Brüderlichkeit -- Einigkeit (Farbe)

Durch die Reorganisation des Staatsapparates und mit einer neuen Verfassung will Jugoslawien die Eigenständigkeit seiner sechs Republiken stärken und die Spannungen zwischen serbischen und kroatischen Separatisten verringern. Über Titos Versuch. »sein Erbe neu zu ordnen und für die Zukunft zu sichern«, berichtet Ulrich Schiller.

22.00 Uhr. ZDF. Kennzeichen D (Farbe)

Moderator: Hanns Werner Schwarze. Das politische Monatsmagazin wertet die bisherigen Ergebnisse der innerdeutschen Verhandlungen und bringt ein Kurzporträt des vorletzten deutschen Friedensnobelpreisträgers Carl von Ossietzky. Mit einer Untersuchung über »Macht und Ohnmacht von Betriebsräten in der Bundesrepublik« will »Kennzeichen D« einen Diskussionsbeitrag zur Kontroverse um das neue Betriebsverfassungsgesetz liefern. Dabei soll auch dargestellt werden, welche Rechte Betriebsräte in der DDR haben.

23.00 Uhr. ZDF. Ödön von Horváth -- schutzlos?

Der 1938 verunglückte Dramatiker Ödön von Horvath, in Deutschland jahrzehntelang nahezu vergessen, gehört in dieser Saison zu den meistgespielten deutschsprachigen Autoren. Selbst Jene Werke kommen auf die Bühne, die Horvath als »schwach« oder »unaufführbar« empfand. »Kann man einen toten Dichter vor der totalen Auswertung schützen?« Darüber diskutieren Reinhart Hoffmeister ("Aspekte"), die Horvath-Herausgeber Dieter Hildebrandt und Walter Huder, Hellmuth Karasek ("Die Zeit") und der Stuttgarter Schauspieldirektor Peter Palitzsch. Leitung: Hans Werner Richter.

Freitag, 10. 12.

13.25 Uhr. ARD und ZDF. Friedensnobelpreis 1971 (Farbe)

In einer gemeinsamen Direktübertragung aus Oslo berichten ARD und ZDF über die Verleihung des Friedensnobelpreises an Willy Brandt. Am Samstag um 11.50 Uhr wird die Ansprache des Kanzlers von ARD und ZDF aus der Aula der Universität Oslo live übertragen.

20.15 Uhr. ARD. Zeichen der Zeit: Streik

Roman Brodmanns »Beobachtungen bei einem deutschen Arbeitskampf« dokumentieren den Verlauf des Tarifkonflikts in der baden-württembergischen Metallindustrie vom Tag der Urabstimmung bis zum Donnerstag dieser Woche.

21.00 Uhr. NDR, RB, SFB (III). Experiment Gesamtschule

Ein Jahr lang, vom ersten Schultag an, hat ein Kamerateam in der Gesamtschule Bremen-West gefilmt. Die Erfolge, aber auch die Schwierigkeiten in dieser Aufbauphase diskutieren in der Sendung Eltern, Schüler. Lehrer und Politiker.

21.15 Uhr. ZDF. Und wenn Ihr Sohn so wäre? (Farbe)

Die Ressentiments gegenüber Homosexuellen sind seit der Liberalisierung des Paragraphen 175 kaum geringer geworden: 55 Prozent der Bevölkerung. so ergab eine für die Sendung vom Wickert-Institut erstellte Umfrage, verurteilen. nur fünf Prozent akzeptieren sexuelle Beziehungen zwischen Männern. In Gesprächen mit homosexuellen Paaren, in Passanten-Befragungen und Interviews mit Wissenschaftlern sucht Eva Müthel nach den soziologischen und psychologischen Ursachen.

22.30 Uhr. ARD. Eine Ehe

»Das Selbständigwerden der Frau und ihr noch ungeklärtes Verhalten in neuer Freiheit« analysieren die Dokumentaristen Rolf Strobel und Heinz Tichawsky in ihrem Spielfilm von 1968. Die »soziologische Studie« basiert auf Umfragen über Glücksvorstellungen und Eheerfahrungen von Abiturientinnen und geschiedenen Frauen.

22.35 Uhr. ZDF. Europäische Sicherheit (Farbe)

Kurzbericht von der Wintertagung der Nato in Brüssel.

22.50 Uhr. ZDF. Tago Mago (Farbe) Am 31. Juli 1914 wurde der französische Sozialist Jean Jaurès vom 28jährigen Raoul Marie Alexandre Villain in einem Pariser Café erschossen. ZDF-Redakteur Hajo Schedlich hat die Motive des 1936 auf Ibiza gestorbenen Mörders ·in Gesprächen mit dessen Freunden und Verwandten erforscht und das »Psychogramm eines politischen Täters« an den Originalschauplätzen »mit ganz bewußten Parallelen zur Gegenwart« inszeniert.

Samstag, 11. 12.

16.45 Uhr. ARD. Der Markt (Farbe) Moderator: Johannes Mohn. Das Wirtschaftsmagazin berichtet unter anderem über die Novelle zum Abzahlungsgesetz. Danach soll Kunden künftig nach Direktkäufen an der Haustür ein einwöchiges Rücktrittsrecht eingeräumt werden. In der letzten »Markt«-Sendung des Jahres werden außerdem »Prominente aus Wirtschafts- und Finanzpolitik« Prognosen für die konjunkturelle Entwicklung im Jahre 1972 machen.

22.25 Uhr. ARD. Der Panther wird gehetzt

So weichherzig und differenziert wie in diesem Kriminalfilm (1959) von Claude Sautet hat sich Lino Ventura, der ewige Gangster des französischen Kinos, noch nie gezeigt. Er spielt einen gesuchten Desperado« den Familiensorgen und Schwermut schon halb erledigt haben, ehe ihn die Polizei zur Strecke bringt.

Sonntag, 12. 12.

20.20 Uhr. ARD. Wölfe und Schafe (Farbe)

In diesem 1875 uraufgeführten satirischen Zeitstück beschreibt der russische Dramatiker Alexander N. Ostrowski den beginnenden Niedergang von Adel und Großbürgertum im zaristischen Rußland. Inszenierung: Wilm ten Haaf. 21.25 Uhr. ZDF. Kraftprobe am Rio de Ia Plata (Farbe)

Unter dem Titel »Das Scheitern einer Revolution« analysiert ZDF-Korrespondent Peter Scholl-Latour den Ausgang der Präsidentschaftswahlen vom 28. November in Uruguay.

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