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Diese Woche im Fernsehen

aus DER SPIEGEL 3/1972

Montag, 10. 1.

20.15 Uhr. ARD. Panorama (Farbe)

Leitung: Peter Merseburger. Das politische NDR-Magazin plant einen Bericht zum Thema »Wer erschoß Georg von Rauch?«. »Panorama« hat außerdem recherchiert, welchen Pressionen die BBC wegen ihrer Nordirland-Berichterstattung und wegen des letzte Woche gesendeten »Fernseh-Tribunals« ausgesetzt ist (siehe Seite 76). In einem weiteren Beitrag wird Deutschlands erstes »Gastarbeiter-Parlament« vorgestellt, das sich im badischen Wiesloch und Walldorf konstituiert hat.

20.15 Uhr. ZDF. Querschnitt (Farbe) Hoimar von Ditfurth überprüft in der Sendung Zukunftsvisionen aus Sciencefiction-Filmen und -Romanen auf ihre wissenschaftliche Stichhaltigkeit.

20.15 Uhr. WDR (III). Ballade vom Kommissar

Dieser zum 50. Jahrestag der Oktober-Revolution vom Sowjet-Fernsehen produzierte TV-Film schildert die Geschichte eines Kommissars der Roten Armee während der Kämpfe zwischen Rot- und Weißgardisten im Jahre 1919. WDR III eröffnet damit eine Reihe mit osteuropäischen TV-Arbeiten, in der am Sonntag, 16. 1, um 18.00 Uhr die zweite der fünfteiligen Folge »Adjutant seiner Exzellenz« gezeigt wird.

21.00 Uhr. ZDF. Das siebte Kreuz

Die Handlung des 1944 vom Ex-Wiener Fred Zinnemann in Hollywood inszenierten Spielfilms folgt dem Roman von Anna Seghers, der im Exil geschriebenen und zuerst -- auf englisch -- in Mexiko (1942) veröffentlicht wurde: An Platanen des deutschen Konzentrationslagers Westhoven sollen sieben entflohene Häftlinge gekreuzigt werden. Sechs geraten tot oder lebendig wieder in Nazi-Gewalt, nur einem (gespielt von Spencer Tracy) gelingt die Flucht über die Grenze: Menschen aus dem »anderen Deutschland« haben ihm geholfen. Zu ausgewogen für einen antideutschen Propagandafilm, erregte das Werk den Zorn vieler Amerikaner. Weil es die Frage der deutschen Kollektivschuld nicht umgeht, erschien es den Verleihern seit Kriegsende für deutsche Kinos nicht geeignet. Deutsche Erstaufführung.

21.45 Uhr. ARD. Terror aus dem Kinderladen?

In einer Frankfurter Grundschule begann im September 1970 ein in der Bundesrepublik bislang einzigartiges Experiment: der Gemeinschaftsunterricht von antiautoritär und konventionell erzogenen Kindern. Nachdem »Panorama«-Redakteur Gerhard Bott bereits 1969 über antiautoritäre Kinderläden berichtet hatte, dokumentiert er nun die Erfahrungen mit diesem Reform-Modell (siehe Seite 103).

22.50 Uhr. ARD. Die Geburt der Kinder des Olymp

In Gesprächen mit den französischen Filmregisseuren Agnes Varda, Louis Malle und Francois Truffaut und anhand von Filmausschnitten will diese Dokumentation von Peter Gehrig Entstehung und kinohistorischen Rang von Marcel Carnés Film-Klassiker untersuchen.

Dienstag, 11. 1.

21.00 Uhr. ARD. Das goldene Ding (Farbe)

Abenteuerfilm von Edgar Reitz, Ula Stöckl, Alf Brustellin und Nicos Perakis nach Motiven der Argonautensage (siehe Seite 101).

21.50 Uhr. ZDF. Impulse (Farbe)

Zuschauerumfragen haben ergeben, daß Vier- bis Sechsjährige zu den eifrigsten Konsumenten des Werbefernsehens gehören. Eine Ausstellung von Kinder-Zeichnungen im westfälischen Marl dokumentiert, wie sehr sich Jugendliche mit den Figuren der Werbe-Spots identifizieren. Neben diesem Beitrag des bildungspolitischen Magazins wird über Versuche an New Yorker Schulen berichtet. durch psychologische Ausbildung der Lehrer und gezielte therapeutische Programme die Rauschgift-Sucht zu bekämpfen. Nach Schätzungen haben etwa 75 Prozent aller amerikanischen Schüler Erfahrung mit Drogen.

22.35 Uhr. ZDF. Nachtstudio: Start Nr. 9 (Farbe)

Hauptfigur in Peter Lilienthals Dokumentarfilm über »die Vorbereitung einer Karriere in der deutschen Unterhaltungsindustrie« ist eine Zigeunerin, die im KZ Auschwitz interniert war. Von ihrem Sohn, dem 17jährigen Schlagersänger Randolf Rose, erhofft sie sich gesellschaftliche Integration.

Mittwoch, 12. 1.

17.10 Uhr. ARD. Das Podium (Farbe) Unter der Bezeichnung »Androcur« wird demnächst ein neuartiges Medikament zur Dämpfung des männlichen Sexualtriebes in den Handel kommen, von dem Verbesserungen bei der Behandlung von Triebtätern erhofft werden. Zu einer Diskussion über bisherige Heilerfolge und über das Problem der Resozialisierung von Sexualverbrechern hat WDR-Autor Paul Karalus die FDP-Bundestagsabgeordnete und Rechtsanwältin Emmy Diemer-Nicolaus, die Ärztin Ursula Laschet, die das Medikament seit fünf Jahren an der Landesnervenklinik in Landeck testet, den Wuppertaler Kriminaldirektor Günter Bauer, den Psychoanalytiker Tobias Brocher und den SPIEGEL-Kolumnisten Gerhard Mauz eingeladen.

20.15 Uhr. ARD. Soldaten (Farbe) »Die Wandlung eines Standes in einen Beruf« will TV-Dokumentarist Ralph Giordano ("Heia Safari") in seinem zweiteiligen Soldaten-Report zeigen, der in viermonatiger Drehzeit in der Bundesrepublik, Chile, England, Frankreich, Israel, der Schweiz, den USA und dem Vatikan entstand. In der ersten Folge soll an exemplarischen Fällen die veränderte »Rolle des Soldaten in der Gesellschaft« untersucht, in der zweiten Folge (Donnerstag, 13. 1., 21.45 Uhr) die »Rückwirkung der waffentechnischen Entwicklungen auf das klassische Bild des Soldaten« analysiert werden.

20.15 Uhr. ZDF Magazin (Farbe) Moderator Gerhard Löwenthal

Donnerstag, 13. 1.

20.15 Uhr. ARD. Geheimagenten (Farbe)

»Ironisch und persiflierend« will Autor Eberhard Fechner in diesem TV-Spiel den Alltag im Geheimdienst beschreiben: Für Authentizität soll dabei ein Auftritt von Heinz Sütterlin sorgen: Der zu sechs Jahren Freiheitsentzug verurteilte Sowjet-Spion, der bis zur Rechtskraft des Urteils auf freiem Fuß lebt, spaziert -- für 300 Mark Gage -- in dem Film einige Minuten lang durch die Frankfurter City.

21.45 Uhr. ZDF. Kennzeichen D (Farbe)

Moderator: Hanns Werner Schwarze. Das Magazin kündigt einen Bericht über den »Ratifizierungsprozeß der Ostverträge« an. Außerdem soll ein Berliner Ehepaar interviewt werden, das die Erschießung Georg von Rauchs miterlebt haben will. Weitere Themen: eine Infas-Untersuchung der Frage »Sind unsere Jugendlichen faschistoider oder sind sie bessere Demokraten als ihre Eltern?«, Gespräche mit Juden in Ost-Berlin. geführt von einem französischen Team, sowie ein Porträt der saarländischen Gemeinde Wiebelskirchen, dem Heimatort Erich Honeckers. 22.50 Uhr. ARD. Martin Niemöller

Der ehemalige Kirchenpräsident. der am 14. Januar 80 Jahre alt wird, und der frühere Pfarrer Lind heutige Intendant des Hessischen Rundfunks, Werner Hess. unterhalten sich über »die Position des Protestantismus im nächsten Jahrzehnt«.

Freitag, 14. 1.

16.35 Uhr. ARD. Jour fix 5 (Farbe)

Das Südfunk-Magazin stellt in der ersten Ausgabe dieses Jahres die internationale Lehrlingsgruppe »Hydra« vor. 20.15 Uhr. ARD. Titel, Thesen, Temperamente (Farbe)

In dem Kulturmagazin soll geprüft werden, wie zeitnah die Spielpläne der Kindertheater in der Bundesrepublik sind. Ein weiterer Beitrag wird sich mit dem schwedischen Modell der Erwachsenen-Bildung auseinandersetzen: Derzeit nehmen mehr als zwei Millionen Schweden an den meist staatlich finanzierten Fortbildungsprogrammen teil.

20.15 Uhr. WDR (III). Ausweg Mitbestimmung

Im zweiten von insgesamt acht Beiträgen. die das sozialwissenschaftliche »Otto Blume«-Institut in Frankfurt zum Thema Mitbestimmung erarbeitet hat, sollen die »Legitimationsprinzipien im Kapitalismus« analysiert werden.

21.15 Uhr. ZDF. Und wenn Ihr Sohn so wäre? (Farbe)

Die Ressentiments gegenüber Homosexuellen sind seit der Liberalisierung des Paragraphen 175 kaum geringer geworden: 55 Prozent der Bevölkerung, so ergab eine für die Sendung vom Wickert-Institut erstellte Umfrage. verurteilen. nur fünf Prozent akzeptieren sexuelle Beziehungen zwischen Männern. In Gesprächen mit homosexuellen Paaren, in Passanten-Befragungen und Interviews mit Wissenschaftlern sucht Eva Müthel nach den soziologischen und psychologischen Ursachen. Die Sendung war am 10. Dezember aus aktuellem Anlaß verschoben worden

Samstag, 15. 1.

17.15 Uhr. ARD. Reverend X, Belfast -- und anderswo (Farbe)

In Gesprächen mit katholischen und protestantischen Geistlichen aus Nordirland wollen die NDR-Autoren Karl Heinz Wocker und Andreas Jacobsen dokumentieren, wie sich das vorsichtige Taktieren des Kirchen-Establishments im nordirischen Bürgerkrieg auf den Alltag in den Gemeinden auswirkt.

20.15 Uhr. ZDF. Traumulus

In dem 1936 nach dem gleichnamigen Stück von Arno Holz gedrehten deutschen Kinofilm spielt Emil Jannings das Pendant zum Professor Unrath aus dem (sechs Jahre zuvor entstandenen) »Blauen Engel": einen weltfremden Studiendirektor. der die Liaison zwischen seinem Lieblingsschüler und einer Schauspielerin verhindern will. Regie: Carl Froelich.

20.15 Uhr. Südwest III. Der Präsident Der erste Stummfilm (1918) des 1968 gestorbenen bedeutenden skandinavischen Regisseurs Carl Theodor Dreyer.

22.20 Uhr. ARD. Bis zum letzten Mann

Im ersten der drei großen Kavallerie Filme von John Ford (1948) gibt ein Oberst (Henry Fonda) unsinnige Befehle und geht dennoch in die Legende ein: »Ein Land braucht Helden, zu denen es aufblicken kann« (John Ford)

Sonntag, 16. 1.

15.45 Uhr. ARD. Skizzen aus der Dritten Welt (Farbe)

Ralph Giordano und Dieter Kronzucker zeichnen in der Sendung die Porträts von drei Arbeitnehmern aus Lateinamerika -- einem Campesiono. einer Lohnbotin und einem Minenarbeiter.

20.15 Uhr. ARD. Einmal im Leben (Farbe)

»Die leidvollen Erfahrungen eines Bundesbürgers beim Bau eines Eigenheims« wollen der Fernseh-Regisseur Dieter Wedel und Günter Handke, Produktionsleiter beim NDR, in ihrem dreiteiligen TV-Spiel beschreiben. Die aufwendige Produktion (104 Schauspieler, 3000 Komparsen) wird als »neuer Versuch eines unterhaltsamen Spiels« annonciert. das »beinahe dokumentarisch in unserer Umwelt angesiedelt ist«. Fortsetzung: 23. und 30. Januar.

20.15 Uhr. ZDF. Die seltsamen Abenteuer des geheimen Kanzleisekretärs Tusmann (Farbe)

Das Fernsehspiel von Klaus Hubalek nach E.T.A. Hoffmanns Erzählung »Die Brautwahl« wird in der TV-Inszenierung von Helmut Käutner gesendet.

21.30 Uhr. ARD. Die Riesen sterben (Farbe)

Bericht über das Ende der Passagier-Schiffahrt auf der Nordatlantik-Route.

22.35 Uhr. ZDF. Fünf Tage Freiheit (Farbe)

Aus deutschen Gefängnissen entlassene Straftäter werden zumeist innerhalb von fünf Jahren rückfällig. Resozialisierungsmodelle, wie beispielsweise den in Berlin-Tegel eingeführten »Regelurlaub« für Gefängnisinsassen, stellt Günter Ciechowski vor.

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