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Diese Woche im Fernsehen

aus DER SPIEGEL 42/1972

Montag, 9. 10.

20.15 Uhr. ARD. Monitor (Farbe)

Moderator: Claus-Hinrich Casdorff. Das Magazin will sich noch einmal mit Willy Brandts Korruptionsvorwurf beschäftigen und dazu Franz Josef Strauß im »Kreuzfeuer« interviewen. Außerdem soll Discjockey Dieter »Thomas« Reck als CDU-Wahlhelfer porträtiert werden.

20.15 Uhr. ZDF. Propheten und Geschäftemacher (Farbe)

Mit Filmaufnahmen aus New Yorker Hippie-Quartieren, aus kalifornischen Plattenstudios und einer Sektenkommune auf der Pazifikinsel Maui sowie in Gesprächen mit Musikern, Discjockeys, Impresarios, Plattenkäufern und -produzenten will Monika Meynert demonstrieren, daß die einst rebellische AttitOde der Rock-Generation in einen am Profit orientierten »Konformismus des Bizarren« umgeschlagen ist.

20.15 Uhr. NDR, RB, SFB (III). Fragen Sie doch Gesine Cresspahl

Anläßlich der Verleihung des Büchner-Preises im vergangenen Jahr wurde dieses Porträt des Schriftstellers Uwe Johnson zusammengestellt. 21.00 Uhr. ZDF. Rekonstruktion

Wegen seiner realistischen Bilder vom Elend der griechischen Landbevölkerung fand dieser Erstlingsfilm (1970) des Athener Filmkritikers Thodoros Angelopoulos -- die Rekonstruktion eines Mordes an einem aus der Bundesrepublik heimgekehrten Gastarbeiterim Obristen-Staat keinen Verleih. Der Produzent des Films, ein Gewerkschafter, lebt heute im italienischen Exil. Deutsche Erstaufführung.

2150 Uhr. ARD. Die Briten kommen (Farbe)

»Maigret«-Darsteller Rupert Davies fungiert als Moderator in diesem zweiteiligen Feature von Wilhelm Bittorf« das »etwas über die Beschaffenheit dieses seltsamen Inselvolkes« und seine Skepsis gegenüber dem Kontinent aussagen will. Fortsetzung: Montag, 18. Oktober, 21.45 Uhr.

22.55 Uhr. ARD. Der Vogel Bumbum und die Sonne (Farbe)

Fernsehfilm über den spanischen Maler Joan Miró vom Bayerischen Rundfunk aus Anlaß einer Miró-Ausstellung (1969) im Münchner Haus der Kunst produziert.

Dienstag, 10. 10.

20.15 Uhr. ZDF. Blickpunkt: Kinder des Wohlstands (Farbe)

Anzeichen für eine »Krise der Sozialdemokratie« will ZDF-Redakteur Manfred Rohde in den Äußerungen junger Schweden registriert haben, die er für diesen Report zu Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, Drogensucht und Kriminalität im »Musterland des Wohlstands« befragte.

20.15 Uhr. NDR, RB, SFB (III). Der Weg des Hans Monn

Achtmal innerhalb von sechs Jahren wurde der schizophrene Verkäufer Hans Monn in eine Nervenklinik eingeliefert -- zuletzt im Januar 1970, nachdem er in der Berliner Innenstadt 169 Schaufenster zertrümmert hatte. Für Monns Krankengeschichte macht der Berliner TV-Autor Andreas Kettelhack in seinem zweiteiligen Sozial-Report den veralteten psychiatrischen Klinikbetrieb verantwortlich, in dem aus Platz- und Personalmangel Kranke »durch Medikamente stillgelegt« und oft ohne wirksame Therapie wieder entlassen werden. Fortsetzung: 13. Oktober, 21.00 Uhr.

21.05 Uhr. ARD. Sie hätten im Sommer kommen sollen (Farbe)

Das Dreiecksverhältnis zwischen einer Touristin und einem homosexuellen Paar beschreibt die irische Schriftstellerin Edna O'Brien in ihrem Fernsehspiel, das erstmals 1967 in England und jetzt von Radio Bremen inszeniert wurde.

21.50 Uhr. ZDF. Aspekte (Farbe) Moderator: Reinhart Hoffmeister. Geplant ist ein Selbstporträt von Walter Jens ("Momos"). Niels Höpfner. Autor des Bühnenstücks über den Knabenmörder Jürgen Bartsch (siehe Seite 188), wird sich mit dem Bartsch-Biographen Paul Moor unterhalten.

22.05 Uhr. ARD. Der verblaßte Glanz des Dollar (Farbe)

WDR-Redakteurin Elke Hockerts-Werner erörtert die neuralgischen Punkte des 1944 begründeten Weltwährungssystems.

22.50 Uhr. ZDF. Nicht nur zur Weihnachtszeit (Farbe)

»Keinesfalls als Angriff auf das Fest der Geburt des Herrn« deklariert das ZDF vorsorglich diese Wiederholung von Heinrich Bölls Groteske um verkitschte Christfest-Rituale, die dem Sender bei der Erstaufführung (1970) wütende Zuschauerpost einbrachte.

Mittwoch, 11. 10.

20.15 Uhr. ZDF Magazin (Farbe) Moderator: Fritz Schenk.

20.20 Uhr. ARD. Gemüse ohne Gift? (Farbe)

Trotz alarmierender Meldungen über giftige Rückstände in Obst und Gemüse werden in der Bundesrepublik jährlich 2,5 Milliarden Mark für Kunstdung, 360 Millionen Mark für Pflanzenschutzmittel ausgegeben. Das Autorenteam Dieter Menninger und Gottfried Gülicher weist erneut auf die Gefahren hin und stellt Muster-Plantagen vor, die auch ohne Chemie-Dung auskommen. 21.00 Uhr, ZDF, und 21.30 Uhr, ARD. Berichte vom CDU-Parteitag in Wiesbaden (Farbe)

21.05 Uhr. ARD. Cartoon (Farbe) Diese Montage aus Loriot-Nummern hatte der Südfunk zum letzten Fernsehfestival in Montreux eingereicht. 21.30 Uhr. ZDF. Oscar Wilde (Farbe) Carl Sternheims Hommage an den homophilen Dichter, seit dem Premieren-Eklat vor 47 Jahren nicht mehr aufgeführt, ist vom Kölner Schauspieldirektor Hansgünther Heyme -- unterlegt mit zu Salon-Musik stilisierten Wagner-Klängen -- als Attacke auf die Fin-de-siècle-Gesellschaft inszeniert worden.

Donnerstag, 12. 10.

16.20 Uhr. ARD. Mein Kind gehört mir (Farbe)

Die TV-Journalistinnen Christa Auch-Schwelk und Gerburg Dahl haben für diesen Film auf Spielplätzen, Spazierwegen und in Schwimmbädern typisches Fehlverhalten von Eltern beobachtet.

20.20 Uhr. ARD. Das schwarze Schaf 30 Heinz-Rühmann-Filme. laut ARD »mit das Beste, was im Genre des leichten Unterhaltungsfilms jemals in Deutschland produziert worden ist«, sendet das deutsche Fernsehen in nächster Zeit -- den Pater-Brown-Schwank von 1960 nun schon zum drittenmal.

21.05 Uhr. HR (III). Die Bestie

US-Kriminalfilm (1956) von Fritz Lang. 21.15 Uhr. ZDF. Kennzeichen D (Farbe)

Moderator: Hanns Werner Schwarze. In einer Wahlkampf-Analyse soll untersucht werden, »ob die Verteufelung des politischen Gegners deutsche Tradition ist«. Weitere Themen: die Ansichten von DDR-Bürgern über polnische Gastarbeiter und der steigende Alkoholismus in beiden deutschen Staaten.

21.55 Uhr. ARD. Pro und Contra (Farbe)

Zu einer Diskussion um eine Verschärfung des,. Ausländergesetzes« sind die TV-Journalisten Johannes Gross und Dieter Gütt, der rheinland-pfälzische Innenminister Heinz Schwarz, der SPD-Abgeordnete Friedrich Schäfer, der Darmstädter Rechtsanwalt Hans Heinz Heldmann und der (für die griechischen Gastarbeiter-Sendungen beim Bayerischen Rundfunk verantwortliche) Redakteur Pavlos Bakojannis eingeladen worden Leitung Emil Obermann.

Freitag, 13. 10.

17.10 Uhr. ARD. Leichen pflastern seinen Ruhm (Farbe)

Dokumentation von Mario Cortesi über die Italo-Western-Industrie.

21.00 Uhr, ARD, und 21.40 Uhr, ZDF. Berichte vom SPD-Parteitag in Dortmund (Farbe)

22.25 Uhr. ZDF. Das Ereignis (Farbe) Als TV-Experiment, das »keiner so schnell vergißt«, kündigt »Wünsch dir was«-Regisseur Peter Behle vorschnell sein »Live-Spiel« an. Die Vorlage, Guy Foissys Einakter über die Reaktion eines Spießer-Paares auf einen Defekt im Fernsehapparat, wurde von Kritikern als »mageres Vergnügen« empfunden.

Samstag, 14. 10.

16.45 Uhr. ARD. Markt (Farbe) Moderation: Julia Dingwort-Nusseck. Das Magazin unterbreitet Vorschläge »zum Inflationsschutz von Sparkonten« und will nachweisen, daß Bezieher von Kleinstpensionen bei der Rentenreform vernachlässigt wurden.

17.15 Uhr. ARD. Über den Tod spricht man nicht (Farbe>

Besuche bei Sterbenden und Todkranken sowie Gespräche mit Theologen und Ärzten bestätigten dem TV-Autor Joachim Teschner, »wie sehr der Tod in unserer Gesellschaft tabuisiert wird«. 20.15 Uhr. ARD. Blutige Straße (Farbe)

Um die Machtkämpfe zweier rivalisierender Mafia-Bosse« in die ein Mailänder Ingenieur (gespielt vom deutschen Regisseur Roger Fritz, Photo, M.) beim Autobahnbau in Kalabrien verwickelt wird, geht es in dieser vierteiligen Action-Reihe von Renzo Genta und Marco Oxman. Fortsetzungen: 15., 19. und 21. Oktober.

20.15 Uhr. NDR, RB, SFB (III). Joris Ivens Retrospektive

Mit lyrischen Bild-Impressionen begann, mit politischen Streik- und Elendsanalysen behauptete sich der Niederländer Joris Ivens, heute 73, als profilierter Dokumentarfilm-Avantgardist. Zum Auftakt einer Ivens-Werkschau werden seine Frühwerke »Regen« (1929) und »Borinage« (1934) gezeigt. 22.10 Uhr. ARD. Ein Satansweib Thriller (1951) von John Farrow mit Jane Russell und Robert Mitchum. 23.15 Uhr. ZDF. Haie der Großstadt Durch optimale Besetzung (Paul Newman, George C. Scott) und detailgenauen Milieu-Realismus erreicht Robert Rossens elf Jahre altes Spielhöllen-Melodram sozialkritische Qualitäten. Höhepunkt: eine Marathon-Partie Billard um harte Dollars, die zum Existenzkampf zwischen Outcasts wird.

Sonntag, 15. 10.

14.55 Uhr. ZDF. Stadt ohne Angst (Farbe)

Gerhard Dambmanns Tokio-Bericht erklärt, warum der Welt größte Stadt die niedrigste Kriminalitätsquote hat. 15.55 Uhr. ARD. Tarzan, der Affenmensch

Als »Daddy of all Tarzan pictures« gilt der Goldmedaillen-Schwimmer Johnny Weissmuller, der sich in diesem Dschungel-Stück (1932) für Metro-Goldwyn-Mayer durch den Busch hangelt. 20.15 Uhr. ARD. Report aus Peking (Farbe)

Günter Müggenburg berichtet über die China-Reise von Außenminister Scheel. 21.40 Uhr. ZDF. Personenbeschreibung (Farbe)

In dieser Reihe porträtiert Georg Stefan Troller den in London und auf Mallorca lebenden Schriftsteller Jakov Lind ("Eine Seele aus Holz").

22.05 Uhr. ARD. Agonie einer Landschaft (Farbe)

Film von Gerhard Herrn über die wirtschaftliche, soziale und biologische Verödung der Oberpfalz.

22.15 Uhr. ZDF. Kindergeburtstag (Farbe)

Einen »satirischen Vorschlag zur Abschaffung der Eltern« wollen die Wiesbadener Autoren Sven Severin und Marten Taege in diesem »kleinen Fernsehspiel« unterbreiten.

22.50 Uhr. ARD. Europas Wetterecke Der WDR-Bericht von Klaus Liebe liefert Beispiele für das Bestreben von Balkan-Ländern. trotz ideologischer Differenzen in gemeinsamen Wirtschaftsprojekten zusammenzuarbeiten --

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