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»Dieser Mann gefährdet den Frieden«

aus DER SPIEGEL 40/1980

Die Beziehungen zwischen Bonn und der israelischen Regierung unter Menachem Begin sind auf einem Tiefpunkt. Seit der Israel-Premier eine einseitige Veränderung des Jerusalem-Status durchgedrückt hat, machen sich die Nahost-Experten im Bonner Auswärtigen Amt keine Illusionen mehr über eine Zukunft mit Begin.

»Ein Ende der (israelischen) Regierungskoalition, die nur noch von der Angst vor Neuwahlen zusammengehalten wird, rückt näher«, heißt es in einem vertraulichen Papier des Außenamtes. »Bis dahin«, so die Analyse, »muß mit der Fortdauer der kompromißlosen israelischen Haltung gerechnet werden.« Bundeskanzler Helmut Schmidt schätzt Begin und seine Politik ähnlich kompromißlos ein. Schmidt: »Dieser Mann ist eine Gefahr für den Frieden.« Den »Konflikt um Palästina« hält er für den gefährlichsten aller Krisenherde.

Was der israelische Regierungschef inszeniere, sei gefährlich. Es drehe sich einem das Herz um, daß ein Mann eine Nation ruinieren könne, die zum ersten Mal in ihrer neuen Geschichte über ein eigenes Staatsgebiet verfüge. Und das Schlimmste: Der Israel-Premier könne einen Weltkrieg auslösen.

Man müsse, so der Kanzler, sogar befürchten, daß Begin auch vor dem Einsatz der Atombombe nicht zurückschrecken würde. Die amerikanische Regierung müsse mit der Drohung der Israelis leben, atomare Waffen gegen arabische Staaten einzusetzen.

Schon deshalb will der Kanzler einer seit drei Jahren vorliegenden Einladung nach Israel vorerst nicht folgen. Ein Schmidt-Vertrauter: »In Begins Amtszeit fährt der da nicht hin.«

Auch Außenminister Hans-Dietrich Genscher nicht. Dafür kommen die Israelis in die Bundesrepublik. Letzte Woche hat Außenminister Jizchak Schamir einen Bonn-Besuch für November angekündigt.

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