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DIRK STIKKER

aus DER SPIEGEL 49/1964

DIRK STIKKER gehört zu jener internationalen Elite, die seit Ende des vergangenen Krieges die Schlüsselpositionen der Weltpolitik und der Weltwirtschaft besetzt hält. Der heute 67jährige Holländer war von 1961 bis zum Sommer dieses Jahres Generalsekretär der Nato. Er mußte aus Gesundheitsgründen zurücktreten; trotz seiner schweren Krankheit ist er aber noch Mitglied des Aufsichtsrats der Ölgesellschaft Royal Dutch Shell Group. Stikker studierte Rechtswissenschaft in Groningen. Er war zuerst Bankdirektor und von 1935 bis 1948 Direktor der größten holländischen Brauerei, Heineken. Während der deutschen Besetzung organisierte er die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften. Nach dem Krieg ging Stikker in die Politik. Er wurde als Vertreter der Widerstandsbewegung Mitglied des holländischen Senats und war von 1948 bis 1952 niederländischer Außenminister.

Während dieser Zeit - im April 1950 - wurde Stikker auch Vorsitzender des Ministerrates der OEEC, der Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit. Von 1952 bis 1961 war Stikker zuerst holländischer Botschafter in London, dann bei der Nato in Paris.

Bereits 1952 sollte Stikker Nato-Generalsekretär werden. Damals standen den »großen Drei« (Amerika, England und Frankreich) als Vertreter der kleineren Atlantikpakt-Staaten der kanadische Außenminister Pearson, der norwegische Außenminister Lange und Stikker gegenüber, die eng miteinander befreundet sind. Aber die Franzosen wollten diesen wichtigen Posten nicht mit einem Vertreter der kleineren Länder besetzen, sondern bestanden darauf, daß ein Engländer Nato-Generalsekretär würde.

Auf diesen Engländer, Lord Ismay, folgte der heutige belgische Außenminister Spaak, der 1961 von Stikker abgelöst wurde. Während seiner Zeit als Generalsekretär war Stikker bemüht, diese Position trotz der Widerstände de Gaulles zu festigen, wobei ihm auch Bundeskanzler Konrad Adenauer behilflich war, mit dem Stikker häufig zusammentrifft, wenn Adenauer in Cadenabbia Urlaub macht. Stikker lebt jetzt ständig in seinem Haus in Menaggio am Comer See, einem Nachbarort von Cadenabbia.

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