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Donald Rumsfeld, 88

aus DER SPIEGEL 27/2021
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David Hume Kennerly

Er war der Architekt eines verheerenden Krieges, der den Irak auf Jahrzehnte destabilisierte – und mit ihm den gesamten Nahen Osten. Auf diese zentrale Tatsache lassen sich das Leben und die Karriere des zweimaligen US-Verteidigungsministers verdichten.

Donald Rumsfeld, 1932 in Chicago geboren, studierte in Princeton und wurde Pilot bei der US Navy. 1962 wurde er als Republikaner ins Repräsentantenhaus gewählt. 1969 trat er in die Regierung von Richard Nixon ein, später wurde er Verteidigungsminister unter Gerald Ford – der jüngste in der US-Geschichte. 2001 holte ihn sein langjähriger Bekannter, der designierte US-Vizepräsident Dick Cheney, in die Regierung von George W. Bush; Rumsfeld war am Ende seiner Amtszeit der älteste US-Verteidigungsminister. Er verkörperte eine relativ kurze Ära der US-Außenpolitik, die bis heute nachwirkt. Angesichts der terroristischen Angriffe vom 11. September 2001 wollte die Supermacht mit Militärinterventionen im Nahen Osten ein neues, demokratisches Zeitalter schaffen. Rumsfeld verantwortete direkt nach den Anschlägen die Invasion in Afghanistan – und wollte vom ersten Tag an auch den Irakkrieg. Es störte ihn nicht, dass es keine stichhaltigen Belege für eine Verwicklung des Diktators Saddam Hussein in die Anschläge gab. Bis zuletzt verteidigte er den mindestens 750 Milliarden US-Dollar teuren Irakfeldzug, in dessen Folge nicht nur Tausende US-Soldaten starben, sondern im darauffolgenden Bürgerkrieg auch mehr als 100 000 Irakerinnen und Iraker. Im Januar 2003 bezeichnete er die kriegsunwilligen Verbündeten Deutschland und Frankreich als »Old Europe«, im Gegensatz zu den neuen Nato-Mitgliedern im Osten. Rumsfeld war selbst kein Neokonservativer, von denen es in der damaligen US-Regierung wimmelte, sondern ein klassischer außenpolitischer Falke. Am langwierigen und kostspieligen Aufbau von Demokratien hatte er kein Interesse. Als Präsident George W. Bush im November 2006 Rumsfeld als Verteidigungsminister entließ, war das ein doppeltes Eingeständnis: Der Irakkrieg lief schlechter als gedacht – und Rumsfeld trug dafür eine große Verantwortung. Er hatte den Einsatz unbedingt gewollt, sich aber dagegen ausgesprochen, genügend Soldaten hinzuschicken. Donald Rumsfeld starb am 29. Juni in Taos, New Mexico.

mvr
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