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MITTWOCH Donauprinzessin

17.55 - 18.45 Uhr ZDF
aus DER SPIEGEL 5/1995

Drei anmutige Flußtöchter hüten im Rhein den versunkenen Nibelungenschatz. Aber in der Donau paßt niemand auf, damit gnädig verschwundene Seichtlast wie diese Serie um eine Donaukrampfschiffsbraut (Gaby Dohm) nicht wieder auftreibt. *VORSPANN: 20.15 - 21.44 Uhr ARD *ÜBERSCHRIFT: Man(n) sucht Frau

Chris (Christoph Waltz), genervter Sohn einer 68er Mutter, unengagierter Leserbriefredakteur und früh ermüdeter Junggeselle, sehnt sich nach Eheglück. Passionierter Leidenschaft oder unkalkulierbarer Liebe mißtraut er als Leitstern für die Partnerwahl, sonst hätte er ja gleich seine schöne Freundin (Bettina Kupfer) heiraten können. In einen muffigen Ehekäfig will Chris aber auch nicht. So gibt der rationalistische Träumer eine Heiratsannonce auf und erhält eine schöne Bescherung: 200 Bewerberinnen, zwischen denen es sich zu entscheiden gilt. Doch Kalkül und Liebe wollen nicht zusammenpassen. Chris landet schließlich als Hausmann an der Seite einer erfolgreichen Anwältin (Maja Maranow) in einer spießigen Ehe, über deren Tristesse ihn gelegentliche Seitensprünge mit seiner alten Freundin nicht hinwegtrösten können. Vivian Naefe (Regie) und Klaus Poche (Buch) ließen sich zu dieser traurigen Komödie von dem Buch Christian Nürnbergers anregen, der seine Frau, die »Mona Lisa«-Moderatorin Petra Gerster, über eine Zeit-Annonce kennengelernt hatte ("Wunder erhoffe ich mir von einem gefühlvollen, sanftmütigen Weib, das recht hübsch und ruhig ein bißchen mollig sein darf"). Den Mut zu bissiger Satire bringen Autor und Regisseurin nicht auf. Sie trauen sich nicht, die Konsequenzen einer Abschaffung des romantischen Liebesideals durchzuspielen. Statt dessen bemitleiden sie den Helden, einen unheilbaren Narzißten, der so schrecklich allein unter den Weibern ist. Waltz bietet eine prächtige schauspielerische Leistung: So überzeugend fahrig agierte schon lange niemand mehr im deutschen Fernsehspiel. *VORSPANN: 21.45 - 22.30 Uhr ARD *ÜBERSCHRIFT: Aufgegeilt und unbefriedigt

Granteln gegen Hanteln: Gero Gemballa mokiert sich über die muskeltrainierenden Kunden in den Fitneßtempeln der »Körperfallensteller«. *VORSPANN: 23.00 - 0.40 Uhr ARD *ÜBERSCHRIFT: Betty

Betty (Marie Trintignant) ist fertig, ihr Haar verfilzt, sie stürzt den Whisky nur so hinunter. In einem Luxushotel begegnet sie der reichen Arztwitwe und alternden Schönheit Laure (Stephane Audran). Betty erzählt Laure ihr gescheitertes Leben. Die Beichtschwester, welche die gescheiterte Frau aufnimmt, erfährt Undank, denn Betty geht mit Laures Liebhaber ins Bett. Die Witwe wird eines Tages tot aufgefunden. Claude Chabrols Verfilmung einer Simenon-Vorlage (Frankreich 1992) ist weder eine Psycho-Studie noch ein Soziogramm, sondern die Beschreibung einer Frau, die ihr Geheimnis bewahrt.

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