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Dr. Günther Konrad Nollau

aus DER SPIEGEL 19/1972

stammt aus Leipzig, wuchs in Dresden auf und war 1937 promovierter Volljurist. Wegen einer Verletzung 1941 aus der Wehrmacht entlassen, ging Nollau, Jahrgang 1911 und Vater dreier Töchter, als Rechtsanwalt nach Krakau. Nach Kriegsende war er in Dresden tätig, wiederum als Anwalt bis er 1950 in den Westen floh. Noch im selben Jahr begann Nollau seine Laufbahn im gerade eingerichteten Kölner Amt, wurde dort 1957 Leiter der Abteilung III (Linksradikalismus) und avancierte Anfang 1967 zum Vizepräsidenten. Im September 1970 übernahm er die Abteilung »Öffentliche Sicherheit« im Bonner Bundesinnenministerium. Als der Ministerialdirektor im Februar für den Kölner Präsidenten-Posten ins Gespräch kam, wurden sogleich in der Öffentlichkeit Vorwürfe gegen ihn erhoben: Auch er sei in der NS-Zeit verstrickt gewesen, er sei aus der DDR entwichen, um einer Strafverfolgung wegen Mordes zu entgehen, er habe später aus der Bundesrepublik heimlich Kontakt zur DDR gesucht und sei von seinem damaligen Chef Otto John gedeckt worden.

Nollau weist diese Verdächtigungen mit Nachdruck zurück:

Bei meinen Personalakten liegt eine Beurteilung des Dresdner Oberlandesgerichtspräsidenten vom 1. März 1944. Der schreibt: »Dr. Nollau erhebt sich nach den mir vorliegenden Beurteilungen aus dem Vorbereitungsdienst weit über den Durchschnitt. Sehr gute Begabung. Blick für das Wesentliche, Entschlußkraft und Fähigkeit zu scharfem, selbständigem Denken sowie hervorragende Kenntnisse zeichnen ihn aus. Leider hat er seine Fähigkeiten nicht in gleicher Weise wie für seinen Beruf auch in den Dienst der Bewegung gestellt. Er hat lange Zeit keinerlei Interesse und Verständnis für die Bewegung gezeigt, so daß auch seine Obernahme in den anwaltlichen Probedienst zunächst zurückgestellt werden mußte. Dann ist er (erst 1939!) dem NSKK beigetreten und ist später auch, in die Partei aufgenommen worden. Offenbar arbeitet er aber nach seiner Zulassung als Anwalt nicht mehr in der Bewegung mit, obwohl gerade an seinem jetzigen Dienstort Krakau ... eine Mitarbeit besonders zu erwarten wäre.

Aus der DDR floh der Rechtsanwalt tatsächlich, um sich einer Strafverfolgung zu entziehen. Aber, so Nollau: »Der Mordverdacht war frei erfunden, um mich in die Gewalt der sowjetzonalen Justizbehörden zu bringen, und der Haftbefehl, den ich erst in West-Berlin gesehen habe, war so konfus und schlecht begründet, daß der Berliner Richter ihn nicht vollstreckte, sondern die Dresdner Akten anforderte.« Sie kamen nie an.

In der Anschuldigung, er habe Anfang der fünfziger Jahre insgeheim Verbindung zu DDR-Instanzen gesucht, erkennt Nollau einen »durchsichtigen Angriff der »Welt«, gestützt auf Material, das ein sowjetischer Geheimdienstoberst Karpow im Westen veröffentlichen ließ«. Nollau: »Da amüsiere ich mich nur und rufe diesen Herren zu: »Reaktionäre aller Länder, Kremp und Karpow« vereinigt euch.«

Der neue Präsident gilt als intimer Kenner der kommunistischen Praktiken und ihrer Ideologie. Er veröffentlichte unter anderem die Bücher »Die Internationale« (1959), »Rote Spuren im Orient« (1963) und »Der Zerfall des Weltkommunismus« (1963). Gegenwärtig beschäftigt sich der sprachgewandte Jurist, passionierte Bergsteiger und Skiläufer mit dem Studium der Linguistik -- er wacht jeden Morgen kurz nach vier Uhr ohne Wecker auf.

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