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»Dreckiges Dutzend«

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aus DER SPIEGEL 1/1985

Wenn das Kohlekraftwerk Buschhaus, von Umweltschützern gern als »Dreckschleuder der Nation« bezeichnet, in Japan statt bei Helmstedt in Niedersachsen läge, wäre der Einbau einer Rauchgasentschwefelungsanlage vermutlich längst erfolgt. Denn in Japan müssen die Verursacher von SO 2-Emissionen je nach Menge des ausgestoßenen Schwefeldioxids hohe Abgaben zahlen.

Für Buschhaus wären das jährlich, je nach Lage in einem weniger oder hochbelasteten Gebiet, Kosten zwischen 84,5 Millionen und 1,44 Milliarden Mark. Da eine Rauchgasentschwefelungsanlage bei einem Kraftwerk mit 750 Megawatt Leistung nur rund 140 Millionen Mark kostet, würde sich der Einbau, japanische Bestimmungen vorausgesetzt, schnell rentieren.

Die Zahlen sind in dem Buch »Umweltschutz in Japan« von Shigeto Tsuru und Helmut Weidner enthalten, das im März bei Kiepenheuer & Witsch erscheint. Die Autoren haben darin auch die Kosten anderer deutscher Kohlekraftwerke nach japanischem Muster zusammengestellt. Für das »dreckige Dutzend« wären danach, jeweils nach dem niedrigsten Satz, jährlich fällig (jeweils in Millionen Mark):

Offleben 109,4 Neurath 84,5 Frimmersdorf 82,8 Niederaussem 66,1 Scholven 56,4 Weisweiler 49,2 Schwandorf 25,6 Borken 24,1 Wedel 22,6 Herne 22,2 GKW Mannheim 21,1 Westfalen 21,0

Wenn die Kraftwerke in Ballungsgebieten liegen, wären die Abgaben noch höher. Statt 585 Millionen müßten dann 3,68 Milliarden gezahlt werden.

In Japan mußten 1975 bereits 7400 Produzenten von Schwefeldreck zahlen, viele haben seitdem Entschwefelungsanlagen eingebaut. Bürger, die unter Bronchialerkrankungen, etwa Asthma, leiden, haben einen Anspruch auf Entschädigung.

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