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KONZERNE Druck aus Ungarn

aus DER SPIEGEL 43/2001

Vor einer schwierigen Schlichtung steht Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff. Seit Wochen streiten sich die Konzerntöchter RTL Group und Gruner + Jahr (G+J) darum, wer von beiden sich von Beteiligungen auf dem ungarischen Medienmarkt trennen muss. Die RTL Group hält dort 49 Prozent an dem Privatsender RTL Klub, der Hamburger G+J-Verlag besitzt rund 68 Prozent an »Népszabadság«, der größten Tageszeitung des Landes. Zu viel Meinungsmacht in einer Hand, entschied die ungarische Medienaufsicht im August und setzte den Deutschen eine Frist von 180 Tagen. Nun steigt der Druck, denn die angekündigte »einvernehmliche Lösung« ist nicht in Sicht. »Wir wollen an unserer Beteiligung an RTL Klub festhalten«, heißt es bei der RTL Group. Und im Hamburger Verlag verweist man süffisant darauf, dass sich die »Anpassungsnotwendigkeiten« schließlich erst durch die neue Bertelsmann-Mehrheit bei der RTL Group ergeben hätten: »Ansprechpartner für die ungarische Aufsichtsbehörde ist die RTL Group.« Eine prekäre Situation für die Mutter Bertelsmann, wo man die besseren Wachstumschancen eindeutig bei RTL Klub sieht: Der 1997 gegründete Sender kam schon nach drei Jahren in die schwarzen Zahlen, 2000 konnte er bei Werbeerlösen und Zuschauern noch einmal deutlich zulegen. Für G+J-Chef Bernd Kundrun hat »Népszabadság« indes starken symbolischen Wert: Das Blatt war 1990 die erste ausländische Zeitungsbeteiligung seines Verlags, mühsam wurde die Beteiligung über die Jahre erhöht. Ein hochrangiger G+J-Manager: »Das ist nicht nur eine unternehmerische, das ist eine hochpolitische Frage.«

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