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SUDAN Durchbruch zum Frieden?

aus DER SPIEGEL 5/2002

Zum ersten Mal seit dem islamistischen Armeeputsch von 1989 verhandelt die sudanesische Regierung unter Staatschef Umar al-Baschir mit der südsudanesischen Rebellenorganisation SPLA über einen Friedensvertrag, der die Scharia, das islamische Recht, nicht länger zur Verfassungsgrundlage erklärt. Diese Ausgangsposition gilt in der arabisch-islamischen Welt als sensationell und stößt auf scharfe Kritik aus dem fundamentalistisch geprägten Saudi-Arabien, dem wichtigsten Geldgeber des Herrschers von Khartum. Das neue Verfassungsmodell, an dessen Ausarbeitung eine Expertengruppe unter Führung des finnischen Ex-Präsidenten Martti Ahtisaari beteiligt war, sieht den Umbau des größten Flächenstaats Afrikas in eine Bundesrepublik vor, deren Länder weitgehende Autonomie, vor allem aber das Recht auf eine eigene gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung erhalten sollen. Das könnte zur Beibehaltung islamischer Gesetze im Norden des Sudan führen, während der Süden, seit 19 Jahren im Aufstand, das Recht auf eine laizistische Regierungsform verwirklicht. Die Europäische Union fördert das geheim gehaltene Friedensprojekt und hat Aufbauhilfe versprochen, falls die Waffen wirklich schweigen sollten.

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