Zur Ausgabe
Artikel 16 / 115

Armut Durchmarsch ins Elend

Millionen Deutsche leben unter der Armutsgrenze, die finanzschwachen Kommunen können bald die Sozialhilfe nicht mehr bezahlen. Politiker an der Basis fürchten eine fortschreitende Verslumung der großen Städte - besonders bedroht: das glitzernde Frankfurt am Main. Dort ist der Anteil der Armen extrem hoch.
aus DER SPIEGEL 31/1994

Wenn Walter, 32, morgens aufsteht, um sich seinen Kaffee zu kochen, prüft er erst mal Topf und Tasse. Auch diesmal findet er wieder eine Kakerlake auf dem Boden des Bechers. »Eine schwarze«, sagt er, »nicht so schlimm«, und verbrüht den Schmarotzer rasch mit heißem Wasser. »Die braunen« seien schlimmer, »größer und schneller«.

Der Mann ärgert sich über die Verzögerung. Er steht nicht freiwillig um fünf Uhr auf, sondern weil ihm sonst der Tag nicht reicht. Er rackert ohne Unterlaß, kommt nächtens, restlos geschafft, zurück in seine 30 Quadratmeter in Frankfurt am Main - ein Zimmer, Küchenzeile, Naßzelle.

Walters Arbeitstag ist lang - weil Walter arbeitslos ist. Dreimal wegrationalisiert und deshalb seit Jahren schon »einkommensschwach«, wie die neudeutsche Vokabel für Armut heißt. Doch Dauerarbeitslosigkeit ist oft anstrengender als Arbeit.

Der frühere Eisenbieger, Gärtner und Hausmeister ist ständig unterwegs, um Arbeit zu finden, ein Essen oder eine neue Hose und Schuhe, die er sich leisten kann. Da sei »schnell ein 16-Stunden-Tag beisammen«.

So kommt es, daß er Frankfurt in- und auswendig kennt, jeden Winkel, jede Neuerung. Walter wäre der ideale Fremdenführer.

Doch seine Stadt ist ein anderes Frankfurt als das der Glitzerfassaden und der Apfelweinseligkeit. Sein Frankfurt besteht aus Armenküchen, von denen es mittlerweile mehrere hundert gibt, aus Ärzten, die ihn gelegentlich kostenlos behandeln, aus Kleiderkammern und Wühltischen.

Die Armen stellen in Frankfurt (650 000 Einwohner) bereits »die größte homogene Gruppe in der Bevölkerung«, sagt Sozialarbeiter Jochen Meurers - »rund ein Drittel aller Einwohner«. Walter: »Wir sind viel mehr, als ihr glaubt.«

Armut ist im besten Sozialstaat, den die Deutschen je hatten, weiter verbreitet, als die Bundesregierung wahrhaben will: Über sieben Millionen Bundesbürger leben am Rand des Existenzminimums, sagen Experten von Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbänden; »viel zu hoch« gegriffen, kontert Familienministerin Hannelore Rönsch (CDU).

Politiker an der Basis sehen die Städte inzwischen auf ein Desaster zutreiben. Dort wissen die Kämmerer nicht mehr, wovon sie die drastisch steigenden Ausgaben für Sozialhilfe bestreiten sollen (siehe auch Seite 54). »Die Stadtgesellschaft verfällt immer mehr«, fürchtet der langjährige Münchner Stadtregent Georg Kronawitter, vielerorts bildeten sich »Slums für die Armen«.

Frankfurt, der Palast des Geldes, ist zugleich die größte Elendshütte der Republik. In den vergangenen Jahren stürzten große Teile der Bevölkerung so schnell in die Armut ab, daß Sozialbehörden und Hilfsorganisationen den Überblick verloren haben.

Entnervt gab letzten Herbst ein Sozialarbeiter auf, der eine Liste aller Anlaufstellen für Arme erstellen sollte. In kürzester Zeit hatte er mehr als 200 Adressen gesammelt, und er stand noch am Anfang. Doch nicht einmal die unvollständige Liste wurde veröffentlicht - auf dringende Bitten der Helfer.

Er dürfe »um Himmels willen«, beknieten ihn Christenmenschen im Stadtteil Bornheim, nicht auch noch Reklame für die Essenshilfe der Kirchengemeinde machen. Schon jetzt sei für die 200 Brötchen, die täglich ausgegeben würden, kein Geld da. So reagierten alle, die im stillen helfen, in panischer Furcht vor noch mehr Zulauf.

Damit bleiben die Bedürftigen weiter auf Mundpropaganda angewiesen. Hier ein Hinweis, da ein Tip, aufgeschnappt in den Schlangen etwa am »Ämtchen«, der Tagelöhnerbörse des Arbeitsamts am Großmarkt, oder auf den Fluren des Sozialamts.

Nur Neulinge gehen noch in die Innenstadt, wo private Wachleute in Uniform darauf achten, daß sich kein Obdachloser vor die geputzten Schaufenster setzt. Zwei Anlaufstellen sind feste Größen - die sogenannten Lobby-Restaurants und die ökumenische Kleiderkammer.

Rund 64 000 Kleidungsstücke hat die Kleiderkammer im Stadtteil Bornheim allein voriges Jahr abgegeben, meist für fünf Mark das Stück. Sie könnte noch sehr viel mehr umschlagen, sagt Maria Simm, 40, die Chefin in dem kleinen Gewerbebau, »wenn es genug Nachschub gäbe«.

Auch der Besuch in den drei Lobby-Restaurants der Stadt, benannt nach dem von Sozialarbeiter Meurers gegründeten Verein »Lobby für Wohnungslose und Arme«, ist für viele ein Halt. Arme zahlen inklusive Nachtisch 3,50 Mark für ein Mittagessen, etwa »Paprikahuhn mit Salat«, und werden sogar ordentlich am Tisch bedient. Daß sie wie Menschen behandelt werden, sind viele nicht mehr gewöhnt. Hunderte gehen inzwischen täglich dorthin.

Das Leben der Bedürftigen ist anstrengend. Was für andere alltägliche Routine ist, kann für sie zur schweren Belastung werden. Wo wird die Wäsche gewaschen? Noch hat nicht jede Kirchengemeinde Waschmaschinen aufgestellt, in aller Stille und zum freien Gebrauch für diejenigen, die sich kein eigenes Gerät leisten können. Und wie ernähre ich mich, wenn ich tagsüber in anderen Stadtteilen nach billiger Kleidung suchen muß?

Frühstück, umsonst, holt sich der Kundige mal beim Kloster am Liebfrauenberg, mal in der Bahnhofsmission oder auch am Dom. Aber die Öffnungszeiten sind unterschiedlich, das will organisiert sein und ist abhängig davon, wo einer später seine gelegentlichen Arbeitsstellen abklappern will.

Vor einer Stadt-Reise nach Praunheim fragt der Erfahrene, ob in der Auferstehungsgemeinde heute die Küche arbeitet. »Die machen das unregelmäßig«, berichtet einer, und zu anderen Zeiten als »Schwester Sigrid«, die dreimal wöchentlich Essen am Liebfrauenbrunnen verteilt. »Sachsenhausen ist einfacher« weiß er, beim Pförtner im Krankenhaus gibt es mittags oft Brote.

Schwierig wird es abends, weil dann die meisten Helfer nach Hause gehen. »Da mußt du Experte sein und dich reinschleichen«, weiß ein anderer. In die Cafeteria der Psychiatrie etwa, wo ehemalige Patienten bewirtet werden, in die Drogencafes, wo es Essen und Trinken oft umsonst gibt, »die haben mehr Geld«, oder am Wochenende in die »Teestube Jona« hinter dem Bahnhof, wo, städtisch subventioniert, das dicke Schmalzbrot nur 30 Pfennig kostet.

Im stets überfüllten »Jona« hängt ein Kreuz aus zwei kleinen Ästen, darunter ein Zettel: »Norbert ist tot, er scheiterte an der Härte seiner Umgebung.«

Das »Jona« ist eine der wichtigsten Nachrichtenbörsen für Dauerarbeitslose, Renter, Junkies und Obdachlose. »Die Kirche in Höchst, haben die morgen abend ihre Küche auf?« Und was ist mit »Maria im Ostend«, einer Caritas-Station, »gibt es da jetzt auch nach sechs noch was?« Irgend jemand hat hier immer einen Tip.

Fast 80 000 der 650 000 Frankfurter beziehen schon jetzt Sozialhilfe, zählen also zu den Armen. Das sind fast 15 Prozent der Bevölkerung. Doch in Wirklichkeit leben doppelt soviel Arme in der Stadt, _(* In der Frankfurter Bahnhofsmission. ) sagt Sozialdezernent Martin Berg (SPD) - bald ein Drittel der Einwohner. Nach seiner Erfahrung gehen viele, die einen Anspruch auf Sozialhilfe haben, gar nicht erst zum Amt, »aus Stolz oder Angst vor Stigmatisierung«.

Deshalb hat die rot-grüne Frankfurter Stadtregierung eine eigene Armutsgrenze definiert. Danach gilt ein Bürger mit weniger als 1500 Mark im Monat als »einkommensschwach« und hat Anrecht auf kostenlose oder verbilligte städtische Leistungen. Jeder weitere Angehörige wird mit 500 Mark veranschlagt.

Monatlich 1500 Mark - das klingt ganz ordentlich, und auf dem Land käme ein Alleinstehender damit wohl rum. Aber in der teuersten Großstadt der Republik, wo Mieten und Nebenkosten extrem hoch liegen, bleiben davon zum Leben höchstens 500 Mark. Das entspricht der Summe, die ein Sozialhilfeempfänger monatlich ausgezahlt bekommt, und die ist, so die Caritas, »zum Sterben gerade ein wenig zu hoch«.

Die Bürokratie ist gnadenlos mit den Ehrlichen. Wer arbeiten will, bekommt mit viel Glück ab und an einen Gelegenheitsjob. Wenn einer seinen Lohn aber, wie vorgeschrieben, bei der Behörde angibt, wird ihm die Sozialhilfe nicht etwa gekürzt, sondern erst einmal ganz gestrichen.

Die Systematik stammt noch aus Zeiten der Vollbeschäftigung. Damals gingen die Beamten davon aus, daß einer, der ein bißchen verdienen kann, auch einen Job bekommt. Also schweigt jeder über seine Nebeneinnahmen und taucht, wenn er erwischt wird, in der Statistik als Sozialbetrüger auf.

Fritz, 56, ist einer, der am eigenen Leib immer wieder erfährt, daß es ohne Betrug eigentlich nicht geht. Er war Handelsvertreter und verdiente 8000 Mark im Monat. Vor vier Jahren ist er als Folge von Arbeitsplatzstreß zusammengebrochen und in die Psychiatrie eingewiesen worden.

Innerhalb weniger Wochen fand sich Fritz, der eben noch edle Frankfurter Spesenlokale frequentiert hatte, ganz unten wieder, ohne Geld, ohne Wohnung. »Der Durchmarsch ins Elend geht immer schneller«, beobachten Sozialarbeiter wie Meurers.

Fritz, der sich heute noch so kleidet wie damals - der gedeckte Anzug inzwischen leicht fadenscheinig, Krawatte, gewienerte Schuhe -, hat seinen Stolz. Er schwört beim Mittagessen im Armenrestaurant: »Ich komme mit der Sozialhilfe hin.« Schließlich rauche und trinke er nicht. »Red doch keinen Unsinn«, fährt Volker, 46, ein ehemaliger Schlosser, dazwischen, »dann mußt du auch erzählen, wohin deine Ehrlichkeit führt.«

Und weil Fritz schweigt, erzählt Volker dessen Geschichte. Schon dreimal sei Fritz völlig abgemagert in die Klinik eingeliefert worden, wo Pfleger und Schwestern ihn hochpäppeln mußten. Volker: »Du warst doch nur noch Haut und Knochen.« Und: »Gib doch zu, daß niemand davon leben kann.«

Volker, der berufsunfähig ist, lebt von 1000 Mark Rente und 300 Mark vom Sozialamt. Weil seine kleine 70-Quadratmeter-Wohnung im teuren Frankfurt schon 800 Mark kostet, weiß er aus eigener Erfahrung, daß der Sozialhilfesatz nicht reichen kann. »Notfalls«, sagt er, »müssen die Leute eben einbrechen.«

Vor zwei Jahren schon, als das Leben noch deutlich billiger war, hat der Frankfurter Sozialwissenschaftler Rainer Roth fast 200 Sozialhilfeempfängern monatelang ins Portemonnaie und in den Kühlschrank geschaut. Er hat akribisch die monatlichen Ausgaben notiert und die Mahlzeiten ("überwiegend Nudeln") registriert. Ergebnis: »Im Schnitt aller Haushalte reicht die offizielle Sozialhilfe 19,5 Tage.«

Mehr ist in der Stadtkasse, die für die Sozialhilfe aufkommen muß, nicht drin. Die Sozialausgaben Frankfurts, zuletzt jährlich regelmäßig um rund 25 Prozent angewachsen, galoppieren davon. Sie nähern sich der Milliardengrenze, das ist jetzt schon etwa ein Sechstel des Frankfurter Etats.

Früher zahlte Frankfurt den Armen noch Geld für Strom und Kleider, »freiwillige Leistungen« zusätzlich zum Pflichtsatz. Die Verantwortlichen wußten, daß von dem Grundbetrag in der Großstadt niemand leben kann. Für derlei Extras fehlt jetzt das Geld.

Für Max, 42, ist das der »letzte Tiefschlag«, der alles »noch enger« macht. Der frühere Straßenbahner, den ein Rücken- und Magenleiden aus der Arbeitswelt warf, hat jetzt mit Frau und zwei fast erwachsenen Kindern nur noch rund 900 Mark im Monat für Essen, Kleidung und Alltägliches, 100 Mark weniger als vorher.

Selbst Fleisch aus Sonderangeboten, das es bei Max ohnehin nur einmal die Woche gab, »ist jetzt schon zu teuer«. Er wird, wie andere auch, zum Freibank-Metzger nach Sachsenhausen gehen müssen, wo minderwertiges Fleisch, das andere dort für ihre Hunde kaufen, billig zu haben ist.

Auch Margitta, 28, weiß »überhaupt nicht mehr weiter«. Der Ehemann und Vater ist spurlos verschwunden, zahlt nichts für die fünf und sieben Jahre alten Töchter, das Sozialamt sorgt für die Mindestausstattung. Die Mädchen, sagt sie, waren schon vorher »arm dran«. Das Geld reichte nur fürs Notwendigste, »kein Spielzeug, keine hübschen Kleider, kein Turnverein«.

Frauen wie Margitta stellen inzwischen ein Viertel aller Frankfurter Sozialhilfeempfänger. Und wie Margitta würden die meisten gern arbeiten, um ihren Kindern »mehr bieten zu können«.

Was Sozialhilfe für Kinder bedeutet, läßt sich aus Gerichtsurteilen ablesen. »Hausschuhe«, entschieden unlängst Arnsberger Verwaltungsrichter, seien »nicht notwendig«; Kindern sei »zuzumuten, sich in der Wohnung mit Laufsocken oder anderer Fußbekleidung fortzubewegen«. Ebenso überflüssig seien »ein Jogginganzug« oder gar ein »3. und 4. T-Shirt«. Spielzeug wird den Kindern praktisch nicht zugestanden, der ganze Schatz von Margittas Mädchen ist ein Stapel Papier mit Malstiften.

Unter den Sozialhilfeempfängern hat sich in Frankfurt in den vergangenen Jahren der Anteil der Kinder mehr als verdoppelt. Im Gutleut- und Bahnhofsviertel etwa leben 33 Prozent aller Kinder unter sieben Jahren in Armut. Und in der Rechnung fehlen noch jene Familien, die sich dem Sozialamt nicht offenbaren.

Christiane, 82, ist auch eine der vielen, die in keiner Armenstatistik auftauchen. Weil ihre Rente mit gut 700 Mark viel zu knapp ist, hätte sie Anspruch auf »ergänzende Sozialhilfe«, aber das lehnt sie ab. Immerhin besitzt sie einen Fernseher, »schwarz-weiß nur, aber er geht«. In ihrer Wohnung, 38 Quadratmeter in Bornheim, steht nichts Überflüssiges auf dem Stragula-Boden. Der alte Kühlschrank birgt nur einen Topf Margarine und einen Zipfel Leberwurst.

Ein neues Kleid hätte sie gern, sie meint eine Kittelschürze, und Geld für den Friseur. Doch Christiane klagt nicht, und sie zeigt im »Jona« auf Werner, 24, einen Chemielaboranten, der trotz seiner Ausbildung keinen Job findet: »Anderen geht es noch viel schlechter.«

Das bestätigt Antje Spory, die als Chefin der Bahnhofsmission seit 17 Jahren hinter der Aluminiumtheke steht, an der täglich Hunderte von Menschen mit Broten und Muckefuck versorgt werden. Früher hat sie die Rentner aus der DDR betreut, über 30 000 im Jahr. Als die ausblieben, hofften Spory und ihre Kollegen auf Entspannung, »doch daraus wurde nichts«.

Zur gleichen Zeit nämlich »strömten immer mehr sozial Benachteiligte zu uns«, so daß jetzt mehr zu tun ist als je zuvor. Und: »Es werden mehr, immer jüngere Menschen und immer mehr Frauen - ein Einschnitt ins Leben, und es geht rasend bergab.«

Ihre Analyse ist nüchtern. »Früher konnten wir oft helfen, wenn Arme zu uns kamen«, heute sei das unmöglich: »Es gibt einfach keine Arbeit und keine Wohnungen.« Sie hat lernen müssen, »daß du keine Freunde hast, wenn du arm bist«.

Das ist ein Schlüsselsatz. Die Armen selber ziehen sich zurück, »Armut versteckt sich«, sagt die örtliche Caritas.

Ob Walter, der Kakerlaken-Fachmann, oder Margitta, die alleinerziehende Mutter - alle haben ihre angestammte Umgebung verlassen. Ihre alten Verbindungen haben sie hinter sich gelassen, neue Freundschaften gehen sie nicht ein; sie haben auch kaum Gelegenheit dazu. Sie sind, so ein Definitionsversuch der Europäischen Union über Armut, »von der Lebensweise ausgeschlossen«, die in ihrem Land »als Minimum annehmbar ist«.

Ins Kino gehen, Freunde in der Kneipe treffen oder sie gar nach Hause einladen - »das alles«, sagt Volker, der frühere Schlosser, »das kann ich mir doch nicht leisten«. Hobbys sind den Armen versperrt, das Einkommen entscheidet über die gesellschaftlichen Kontakte.

Fritz etwa, der Ex-Vertreter, war ein begeisterter Schachspieler, verbrachte früher seine Freizeit im Schach-Club oder im Schach-Cafe. Das hat er alles aufgegeben. Da müsse er ja, sagt er, »mindestens einen Kaffee trinken«. Und selbst wenn der nur zwei Mark koste, »da kann ich nicht mithalten«.

Dieses »Da kann ich nicht mithalten« ist die Begründung der Armen für ihren Rückzug. Alle sagen es: Christiane, die alte Dame, die deshalb längst ihrem Karnevalsklub fernbleibt; Werner, der seinem Fußballverein ade gesagt hat; Margitta, die ihre Turngruppe meidet.

Und auch Max, der frühere Straßenbahnfahrer, trifft sich nicht mehr mit seinen alten Anglerfreunden: »Ich schäme mich doch so.« Y

Der Anteil der Kinder unter den Armen hat sich mehr als verdoppelt

[Grafiktext]

__51_ Sozialhilfe-Ausgaben in Milliarden Mark

__55a Monatliche Leistung d. Sozialhilfe zum Lebensunterhalt

[GrafiktextEnde]

* In der Frankfurter Bahnhofsmission.

Mehr lesen über

Zur Ausgabe
Artikel 16 / 115
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.