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BERLIN / ENTSCHÄDIGUNG Edles Holz

aus DER SPIEGEL 35/1967

Die Leuchtkugel aus der Signalpistole eines DDR-Grenzers fauchte übel den Stacheldraht und wirkte im Westen wie eine Brandbombe. Von dem östlichen Irrläufer getroffen, ging im Berliner Ortsteil Hermsdorf der Geräteschuppen des Kantinenverwalters Hans Beel, 41, in Flammen auf.

Zwar entschuldigte sich ein feldgrauer Grenzwächter im Offiziersrang unverzüglich über den Draht hinweg bei dem DDR-Geschädigten: »Wir bedauern den Vorfall.« Doch damit war Beel »als kleinem Angestellten« nicht geholfen. Der Grenzlandbewohner wollte Schuppen und Schuppeninventar ersetzt haben.

Zunächst bat Beel den Berliner Senat um Schadenersatz -- und zwar über den sogenannten Besatzungshaushalt, aus dem etwa von Schutzmacht-Soldaten angerichtete Manöverschäden beglichen werden. Aber die West-Berliner Finanzbehörde sah »keine Rechtspflicht«, für das Ost-Feuer West-Geld auszuwerfen.

Und Beels private Versicherung leistete gemäß Police nur Teilvergütung. Sie bezahlte ihm die »zum Hausrat gehörenden Gegenstände« wie Fahrrad und Brennholz. Auf seiner Brandschadenliste standen aber noch ein Paddelboot, eine Zeltplane und verschiedene Edelhölzer.

»Ich möchte sagen, aus Blödsinn« schrieb der DDR-Anrainer nun nach Ost-Berlin und zeigte dort den Leuchtkugel-Volltreffer an: »Ich bitte höflichst darum, den Schaden in angemessener Weise zu ersetzen.«

Trotz ungenügender Adressierung ("An die DDR-Grenzeinheiten' Berlin") und zum »Erstaunen« des Absenders meldete sich nach einigen Monaten die »Deutsche Versicherungs-Anstalt« der DDR, die namens der Volksarmee die Haftung übernommen hatte.

Rechnungen wurden angefordert und eingehend geprüft. Dann schickten die Ost-Berliner Staatsversicherer dem West-Berliner einen Entschädigungsbescheid über 344 D-Mark-West.

Anfang dieses Monats, ein Jahr nach dem Schuppenbrand, kam schließlich auch Bargeld. Es stammte aus dem Unterkonto 3 (Dienstleistungen) des Interzonenhandels und wurde per DDR-Anweisung von der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main ausgezahlt.

Die DDR hatte damit erstmals einen Schaden beglichen, der von ihrem Territorium aus im Westen angerichtet wurde.

* Todesstreifen mit Wachtturm hinter dem Beel-Grundstück Veltheimstraße 89 im West-Berliner Stadtteil Hermsdorf.

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