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Edward Said

aus DER SPIEGEL 12/2001

Edward Said, 65, Kulturwissenschaftler, Exil-Palästinenser und intellektueller Vertreter der palästinensischen Sache, hat sich mit der Sigmund-Freud-Gesellschaft in Wien überworfen. Am 6. Mai, anlässlich Freuds Geburtstag, sollte Said einen Vortrag über die Faszination des Psychoanalytikers für Kulturen des Altertums wie Ägypten, Palästina und Griechenland halten. Die Einladung, bereits im August vergangenen Jahres ausgesprochen, wurde nun zurückgezogen, weil Mitglieder der Gesellschaft ein Foto entdeckt haben, das Said Steine werfend zeigt. Die Aufnahme stammt vom Juli 2000 und hatte bereits damals für Furore gesorgt. Der Präsident der Gesellschaft, Johann August Schülein, erklärte, obwohl er selbst die Ausladung bedaure, müsse er sich der Mehrheitsentscheidung beugen, denn »viele Mitglieder haben erklärt, sie könnten es nicht akzeptieren«, dass ein Palästinenser eingeladen würde, »der Steine auf israelische Soldaten wirft«. Der Professor für Literaturwissenschaft an der Columbia University versuchte sich herauszureden, bei der Aktion handelte es sich lediglich um einen »Weitwurfwettbewerb« mit seinem Sohn, einen »symbolischen Ausdruck der Freude« über den Abzug Israels aus dem Libanon. »Es war ein Kieselstein. Die Wachhäuser waren mindestens eine halbe Meile entfernt.« Die Spezialisten für Symbolik setzen den Konflikt in den eigenen Reihen fort: Nach einem Protestbrief prominenter Psychoanalytiker an die Wiener Kollegen hat das Londoner Freud-Museum Said eingeladen, seinen Vortrag dort zu halten.

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