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JEMEN »Eher beiße ich mir die Zunge ab«

Vize-Ministerpräsident und Außenminister Abd el-KadirBadschamal über die Entführungen in seinem Land
aus DER SPIEGEL 7/1999

SPIEGEL: Wer steckt hinter den ständigen Entführungen im Jemen?

Badschamal: Die meisten gehen auf das Konto ausländischer Mächte.

SPIEGEL: Wer sind diese Mächte?

Badschamal: Schauen Sie auf die Landkarte, da können Sie sehen, wer unsere Nachbarn sind.

SPIEGEL: Saudi-Arabien zum Beispiel. Paßt dem dortigen Regime vielleicht nicht, daß Ihr Staat relativ liberal ist - etwa den Frauen mehr Rechte gibt und Oppositionsparteien zuläßt?

Badschamal: Ich habe diesen Namen nicht ausgesprochen, eher beiße ich mir die Zunge ab.

SPIEGEL: Ihre Regierung hat weite Teile des Jemen nicht unter Kontrolle.

Badschamal: Das trifft zu auf entlegene Gebiete. Wir erleben aber, daß ausgerechnet dort Entführungen zunehmen, wo die Regierung staatliche und demokratische Strukturen aufbauen will.

SPIEGEL: Also sind Entführungen eine Art von Widerstand gegen den Staat?

Badschamal: Es gibt Gruppen, die von modernen Institutionen wie Regierung, Parlament und Parteien nichts wissen wollen. Ausgerechnet sie erhalten aus dem Ausland Geld, Waffen und Ausbildungshilfe.

SPIEGEL: Wie wollen Sie die Anarchie in Teilen des Jemen beenden?

Badschamal: Wir haben strengere Strafgesetze erlassen. Auf Entführung steht jetzt die Todesstrafe. Wir sind im Begriff, unsere Sicherheitsstützpunkte auf das ganze Land auszudehnen.

SPIEGEL: Sollten Touristen vorläufig lieber zu Hause bleiben?

Badschamal: Die meisten Entführungen passieren, weil die Reiseveranstalter nicht Bescheid sagen, in welche Gegenden sie mit ihren Gästen fahren. Das ist gefährlich. Aber wenn sie die Vorsichtsmaßnahmen beachten und den Schutz der Sicherheitskräfte in Anspruch nehmen, passiert den Touristen nichts. Unsere Tradition heißt »Gastfreundschaft und Schutz dem Fremden«.

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