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Briefe

Ehescheidung ist leichter
aus DER SPIEGEL 18/2004

Ehescheidung ist leichter

Nr. 16/2004, TV-Gebühren: Die Geldeintreiber von ARD und ZDF operieren rabiater als manche Drückerkolonne

Manchmal erscheinen Ihre Artikel geradezu auf Bestellung! Just in dieser Woche bekam ich eine GEZ-Meldekarte. Das Besondere: Man ist auf einem aktuelleren Kenntnisstand über meine Person als ich selbst, denn der GEZ-Beauftragte orakelte auf der vorgefertigten Standardkarte: Angemeldet wird Hörfunk im Kfz. Und handschriftlich: »lt. KfZ-Zulassungsdaten«. Peinlich an der Sache ist vor allem, dass ich Zeit meines Lebens noch nie irgendein Fahrzeug in der Bundesrepublik auf meinen Namen zugelassen habe. Ich frage mich nun natürlich, wie man erst mit wahrheitsgetreuen Daten meiner Person umgeht. Mir wird ganz übel, wenn ich zum Beispiel an die perversen Pläne (Gendatenbank et cetera) eines Otto Schily denke.

DARMSTADT ANDRÉ JAEGER

Mit Ihrem hintergründigen Artikel beleuchten Sie nur einen Aspekt des zwielichtigen Gebarens der GEZ. Wer wie ich auf Fernsehen irgendwann genervt ganz verzichten will, macht die Erfahrung, dass selbst die Scheidung der Ehe nichts ist gegen die Auflösung eines Vertrags mit dieser Anstalt. Dass man sich über meine Kündigung munter hinwegsetzte, weiter lustig von einer widerrufenen Einzugsermächtigung Gebrauch machte, passt ins Bild: Die GEZ sieht in »ihren Gebührenzahlern« keine Kunden, sondern Leibeigene. Erst die Ankündigung einer Strafanzeige beendete in meinem Fall die Selbstbedienung. Es wäre ehrlicher und möglicherweise mit weniger bürokratischem Aufwand verbunden, die Rundfunk- und Fernsehgebühren als »Informationssteuer« von jedem Lebewesen mit zwei Augen und zwei Beinen zu erheben.

KIEL BERND KRIEGER

Offenbar hat sich der SPIEGEL-Autor von dem Slogan »Geiz ist geil« leiten lassen, und zwar im Sinn von »Drückebergerei ist in«. Einen derart zweifelhaften Wert, der auf unsolidarischem Verhalten gründet, können sich ARD, ZDF und DeutschlandRadio nicht zu Eigen machen. Täten sie es, wären die ehrlichen Gebührenzahler tatsächlich die Dummen. Immerhin gelingt dem Autor der Nachweis, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten einige Anstrengungen unternehmen müssen, um die zum Beispiel von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten zu Grunde gelegten Gebühreneinnahmen zu erzielen. Spektakulär ist das nicht - so wenig wie der Ansatz, die Zahl der Schwarzhörer und -seher im Interesse der Gebührengerechtigkeit so gering wie möglich zu halten.

HAMBURG MARTIN GARTZKE ARD-SPRECHER

Ich weiß nicht, ob Berlin tatsächlich die Hochburg der nicht zahlenden TV-Konsumenten ist. Eines ist sie aber wohl, die Hauptstadt der Radio- und Fernseh-Abstinenzler. Es gibt sie wirklich, und es werden zum Glück immer mehr.

BERLIN TORSTEN SCHÖPPLER

Mich stört die Verallgemeinerung der Nachinkasso-Mentalität des Beauftragtendienstes. Ja, es gibt brutale, gnadenlose Nachinkassoeintreiber im Beauftragtendienst. Eine große Anzahl meiner Kollegen geht aber sozialverträglich mit »Schwarzsehern« um. Ich bin seit zwölf Jahren als Gebührenbeauftragter für den NDR tätig. In Sachen Nachinkasso genieße ich eine geringe Wertschätzung durch meinen Vertragspartner NDR; denn je höher das Nachinkasso, umso höher ist das Ansehen der Person. Menschen, welche ich als »Schwarzseher« anmeldete, grüßen mich noch nach Jahren freundlich. Meine Tätigkeit sehe ich als Repräsentant des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. So benehme ich mich, auch unter dem Label GEZ.

WEDEL (SCHL.-HOLST.) HANS-JOACHIM KÖPP

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