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GRIECHENLAND / MONARCHIE Ehestifter Achilleus

aus DER SPIEGEL 42/1956

Während König Paul und Königin Friederike von Griechenland in den letzten Monaten Italien, die Bundesrepublik, Österreich und Jugoslawien besuchten und allenthalben von braven Republikanern umjubelt wurden, bahnte sich im monarchistischen Griechenland eine Entwicklung an, die für die Zukunft des Königshauses möglicherweise unabsehbare Folgen haben kann.

Ein erstes Raunen um den Königshof erhob sich in der griechischen Öffentlichkeit, als vor etwa zwei Monaten die Regierung dem geschäftsführenden Parlamentsausschuß - die Abgeordneten befanden sich gerade in den Ferien - den Entwurf eines Gesetzes vorlegte, das eine Erhöhung der königlichen Einkünfte vorschlug. Der Finanzminister unterstützte die Forderung mit dem Argument, daß es bei der Erhöhung der Lebenskosten recht und billig sei, die finanziellen Möglichkeiten des Hofes der allgemeinen Entwicklung anzupassen.

Nun hatte jedoch die Regierung am Jahresanfang gerade eine statistische Erhebung über die Einkommensverhältnisse in der griechischen Bevölkerung veranstaltet. Die Statistik enthüllte, daß 33 Prozent der Bürger des Königreiches ein Monatseinkommen empfangen, das zwischen 15 und 20 Mark liegt. Presse und Opposition bezogen also gegen den neuen Gesetzentwurf Stellung, und die Regierung sah sich gezwungen, ihren Antrag »zur Revision« zurückzuziehen.

Der unabhängige Abgeordnete Mpredimas benutzte dann die Abwesenheit des Königspaares von Athen, um im Zusammenhang mit der Debatte um die Höhe der königlichen Bezüge zwei große Anfragen vor das Parlament zu bringen. Die beiden Anträge des Abgeordneten Mpredimas können unter Umständen das Prestige des griechischen Königshauses in der Öffentlichkeit des Landes erheblich ramponieren.

Die erste Anfrage des Abgeordneten bezieht sich auf die Mittelmeerreise des europäischen Hochadels, zu der Königin Friederike im August etwa 100 Aristokraten eingeladen hatte. Die 16tägige Reise kostete insgesamt 140 000 Dollar (588 000 Mark). Der griechische Reeder und Multimillionär Niarchos stiftete davon 40 000 Dollar.

Ein Sprecher des Königshauses hatte seinerzeit bestritten, daß es sich um eine Luxusreise handle. »Dies ist nicht die Zeit für großen Luxus«, erklärte er, während er überwachte, wie 200 Kisten Sekt und etwa 1000 Flaschen Wein an Bord der »Achilleus« verstaut wurden.

Mpredimas möchte jetzt wissen, aus welchen Fonds die restlichen 100 000 Dollar für die Aristokraten-Reise stammten. Er behauptet, daß die Kreuzfahrt der »Achilleus« nur den Zweck gehabt habe, Ehen unter der europäischen Aristokratie zu stiften. Tatsächlich war das einzige sichtbare Ergebnis einer ähnlichen von Königin Friederike im Jahre 1954 veranstalteten Reise die Verlobung der Prinzessin Pia von Savoyen mit dem Prinzen Alexander von Jugoslawien gewesen.

Es sei unverständlich, argumentiert Mpredimas, daß die Regierung, die nach der Verfassung für jede amtliche Handlung des Staatsoberhauptes verantwortlich ist, diese Reise gestattet habe. Die Regierung habe

gewußt, führte der Abgeordnete in seiner Anfrage aus, daß

- die wirtschaftliche und soziale Lage

Griechenlands alles andere als erfreulich ist,

- die griechische Bevölkerung auf Zypern

zur Zeit der »Luxusreise« einen harten Kampf um ihre Freiheit ausfocht,

- der britische Feldmarschall Harding in jenen Tagen zypriotische Freiheitskämpfer aufknüpfen ließ und daß

- der abgedankte König von Bulgarien,

Simeon, dessen Dynastie seit Jahrzehnten mit Griechenland ausgesprochen verfeindet ist, an der Kreuzfahrt durch das Mittelmeer teilnahm*.

Einige Tage später - das griechische Königspaar befand sich gerade in der Bundesrepublik - formulierte der Abgeordnete Mpredimas seine zweite große Parlamentsanfrage. Diesmal griff er vornehmlich den Hofmarschall Levidis an. Der Hofmarschall sitzt im Aufsichtsrat der Nationalbank, seine Frau ist Besitzerin der Athener Zeitung »Akropolis«. Mpredimas meint, daß die wirtschaftlichen Interessen des Ehepaars und das Amt des Hofmarschalls schwerlich miteinander vereinbar seien.

Einen weiteren Angriff richtete der unabhängige Abgeordnete gegen den Königlichen Flügeladjutanten, den General der Luftwaffe Potamianos. Der General, so behauptet Mpredimas, empfange als Beauftragter mehrerer Industriefirmen monatlich etwa 40 000 Drachmen (6000 Mark). Durch seinen Einfluß am Hofe sei der General in der Lage, jene Firmen wesentlich zu unterstützen.

Schließlich verlangte Mpredimas, daß die Regierung Rechenschaft über die Verwendung der Beträge aus der »Sammlung für den Norden Griechenlands« ablege.

Diese Organisation wurde von Königin Friederike im Jahre 1948 gestiftet und hat die Aufgabe, den Wiederaufbau der Provinzen Mazedonien und Thrazien zu fördern, die in den Kriegsjahren von den Bulgaren zerstört und in den Jahren 1946 bis 1949 durch den kommunistischen Aufstand stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Seit der Gründung der Organisation zahlt jeder griechische Bürger beim Besuch öffentlicher Vergnügungsstätten automatisch einen Betrag - quasi eine Steuer - an jene Stiftung, die jährlich über etwa 25 Millionen Mark verfügt.

Mpredimas verlangt, daß die Einnahmen und Ausgaben der »Sammlung für den Norden Griechenlands«, die von Königin Friederike absolutistisch geleitet wird, einer staatlichen Kontrolle unterworfen werden.

In einer späteren Erklärung behauptete Mpredimas noch, daß die luxuriösen Garderoben der Damen des griechischen Hofes, die sie in Paris für ihre Staatsbesuche bestellen, vom Auswärtigen Amt bezahlt werden und im Staatshaushalt unter dem Titel »Geheimausgaben für das Auswärtige Amt« rangieren.

Schließlich verlangte Mpredimas von dem Athener Polizeipräsidenten die Erlaubnis, eine öffentliche Demonstration gegen die überaus hohen Ausgaben des Hofes veranstalten zu dürfen. Die Erlaubnis wurde ihm verweigert.

* Seit 1913 führte Bulgarien wiederholt gegen Griechenland Krieg. 1941 annektierte König Boris, der Vater des abgedankten Simeon, mit Unterstützung Hitlers die griechischen Provinzen Ostmazedonien und Westthrazien. Nach einem Bericht griechischer Behörden wurden dort in den Jahren zwischen 1941 und 1944 300 000 Griechen von den Bulgaren ermordet.

Königin Friederike von Griechenland

Es ist nicht die Zeit für großen Luxus

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