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Briefe

Eifrige Jünger
aus DER SPIEGEL 8/1994

Eifrige Jünger

(Nr. 6/1994, Religion: Sinnsucher entdecken den Buddhismus)

Bei aller berechtigten Kritik am traditionellen Buddhismus sollte man sich jedoch zuerst genau anhören, was die »Ketzer« zu sagen haben, bevor man sie verbrennt. Der Buddhismus ist eine Möglichkeit, sich dem zu nähern, »was verdammt noch mal wirklich los ist«. *UNTERSCHRIFT: Neuenkirchen (Nieders.) TORSTEN KUTH

Daß »eifrige Schüler Plattheiten und Banalitäten ihrer Gurus als tiefschürfende Weisheiten« hinnehmen, liegt nicht an der unterstellten Plattheit des Buddhismus, sondern an jenen eifrigen Jüngern, die ihre Lehrerinnen oder Lehrer nicht genügend geprüft haben und so einfach irgend etwas nachplappern. Kein Wunder also, wenn Dagyab Rinpoche ganz richtig sagt: Wenn er versuche, hierzulande einem Schüler »zehn Prozent von irgend etwas zu erklären, macht der sofort seine eigenen hundert Prozent draus«. *UNTERSCHRIFT: Altenholz (Schlesw.-Holst.) ROTRAUT WURST

Es stört mich an Ihrem Artikel, wie Verallgemeinerungen vorgenommen werden, aus denen letztlich nichts anderes als die kulturelle Arroganz des Westens, Unkenntnis und Vorurteile sprechen. Es wird in aller Ausführlichkeit ein westlicher Lehrer vorgestellt (der umstrittenste noch dazu), und der Leser kann sich nun bestätigt fühlen, daß die »westlichen Lehrer« des Buddhismus »Banalitäten als Weisheiten verkünden«. *UNTERSCHRIFT: Hamburg HANS GRUBER

Daß Religionen aus existentieller Notwendigkeit geboren werden, Imperativ einer vergewaltigenden und verängstigenden Umwelt sind, wird beschwingt schunkelnder Vergeßlichkeit anheimgegeben. Lieber degradieren unsere pseudogrüblerischen Freizeit-Sinn-Surfer profunde seelische Spannungserfahrungen zu heiter ergreifenden Betroffenheitsritualen und ergehen sich in typischen Wohlstandskinderspielchen; mit gehemmter Weinerlichkeit und kerzenlichternem Ergriffensein wird Tiefsinn simuliert, wo doch nur Placebo ist. *UNTERSCHRIFT: Stuttgart THOMAS EILENSTEIN

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